Gesundheitsschutz ...

    Suchtprävention

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    Suchtprävention

    Titelbild der Broschüre: schillerne Flüssigkeitstropfen vor farbigem Hintergrund Sabine Pflicht Suchtprävention

    "Die Grenze zwischen tüchtig und süchtig ist schnell überschritten“1

    „Suchtprävention? – da haben wir doch längst Betriebs- oder Dienstvereinbarungen.“ so wird der eine oder die andere beim Blick auf diese Broschüre denken. Es ist sicher richtig, dass in vielen Unternehmen solche Vereinbarungen schon lange existieren. Theoretisch weiß man, wie mit dem Thema Sucht im Betrieb umgegangen werden soll und wie den Betroffenen geholfen werden kann. Doch bisher fehlt vielen betrieblichen Vereinbarungen ein ganzheitlicher Ansatz. Das zeigt eine Auswertung der Vereinbarungen durch die Hans-Böckler-Stiftung. Steigende Leistungsanforderungen, Zeitdruck und Arbeitshetze schaffen eine Betriebskultur der Maßlosigkeit. Beschäftigte werden dadurch systematisch überfordert (DGB Index 2013). Deshalb sind Vereinbarungen, die sich ausschließlich mit der Risikoabwehr unmittelbarer Gefahren und der Fürsorgeverantwortung gegenüber bereits von Sucht Betroffenen beschäftigen, nicht mehr ausreichend.

    Ausschlaggebend für eine effektive Suchtprävention ist die Veränderung der Arbeitsbedingungen. Sie können ein wesentlicher Auslöser süchtigen Verhaltens sein oder ein solches Verhalten verstärken. Nur ein ganzheitlicher präventiver Ansatz verhindert, dass Menschen durch schlechte Arbeitsbedingungen Hilfe in Medikamenten, Drogen u. a. Suchtmitteln suchen.

    • Arbeitssucht und die damit im Zusammenhang stehenden Burnout-Erkrankungen sind heute stärker im Fokus und werden öffentlich diskutiert. Die Auseinandersetzung mit Arbeitsbedingungen und deren Folgewirkungen sind hoch aktuelle Themen.
    • Der Fehlzeiten-Report von 2013 „Verdammt zum Erfolg – die süchtige Arbeitsgesellschaft?“2 hinterfragt, welche Rolle eine hochflexible und erfolgsorientierte Arbeitswelt bei der Entstehung von Suchterkrankungen spielt.

    Dabei zeigt der Report auf, was eine zukunftsorientierte betriebliche Personal- und Gesundheitspolitik leisten muss, um mit dem Thema Sucht in seinen vielfältigen Facetten kompetent umzugehen und eine gesundheitsförderliche Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Auch der DAK-Gesundheitsreport 2015 bringt es zutage: Knapp drei Millionen Deutsche haben verschreibungspflichtige Medikamente genutzt, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder um Stress abzubauen.3

    Zur Gestaltung Guter Arbeit gehört, Arbeitsbedingungen zu identifizieren und zu entwickeln, die einerseits dazu beitragen, die Persönlichkeit zu stärken sowie die Gesundheit zu erhalten und zu fördern. Auf der anderen Seite müssen Arbeitsbedingungen, die Beschäftigte dazu bringen, in ein Abhängigkeitsverhalten oder eine Suchterkrankung zu geraten, ebenso klar benannt und entsprechend verändert werden. Tarifverträge zum Gesundheitsschutz können einen Rahmen für ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement mit
    suchtpräventiven Aspekten schaffen.

    Ergänzt werden kann dieser Rahmen durch Betriebs- oder Dienstvereinbarungen, die die konkrete betriebliche Situation einfangen. Die Gestaltung hängt davon ab, ob diese Fragestellungen eher im Rahmen von Haus- oder Flächentarifverträgen behandelt werden. Daher sind die Gestaltungsbeispiele eine Mischung aus Ansatzpunkten, die sich eher für den tarifvertraglichen Rahmen eignen und solchen, die eher die betriebliche Situation abdecken.

    Die vorliegende Broschüre will Anregung geben, sich mit der Suchtproblematik im Zusammenhang mit der Arbeitswelt von heute auseinanderzusetzen, um auch diesen Aspekt bei der Gestaltung Guter Arbeit einzubeziehen.

     Andrea Kocsis
    Stellvertretende ver.di-Vorsitzende

    1 Fehlzeiten-Report 2013
    2 Alle ausführlichen Quellen unter „Literaturliste“, S. 86
    3 Pressemeldung DAK-Gesundheit, 17.03.2015