Jahrestage/Gedenktage

    20. Juli 1944: Leuschner und der gewerkschaftliche Widerstand

    Vom Widerstand der Militärs zum Widerstand aus dem Volk

    20. Juli 1944: Leuschner und der gewerkschaftliche Widerstand

    Der 20. Juli 1944 ist als schicksalsträchtiger Tag in die deutsche Geschichte eingegangen. Er steht für den vergeblichen Versuch, den vollständigen Untergang Deutschlands im Zweiten Weltkrieg noch im letzten Moment durch einen Tyrannenmord und Militärputsch zu verhindern. Eine Sichtweise, die der Dimension des Vorhabens und der Motivation der Akteure nicht gerecht wird.

    Julius Leber Foto: Friedrich-Ebert-Stiftung Julius Leber

    Denn mit dem Attentat auf Hitler scheiterte nicht nur ein Militärputsch, sondern ein politisch-sozialer Aufstand. Seit Jahren hatten militärische und zivile Widerstandskreise darauf hingearbeitet, das nationalsozialistische Regime zu stürzen. Ein politischer und moralischer Neubeginn Deutschlands war das Ziel, getragen von einer Regierung aus unbelasteten Zivilisten. Zu ihnen zählten Julius Leber und Wilhelm Leuschner. Leuschner sollte nach erfolgreichem Umsturz des Nazi-Regimes das Amt des Vizekanzlers übernehmen, Leber das des Reichsinnenministers.

    Wilhelm Leuschner Foto: Wilhelm-Leuschner-Stiftung Wilhelm Leuschner

    Wollten die Militärs erfolgreich sein, mussten sie auf Männer wie Leber und Leuschner zurückgreifen: Sie sollten Garanten dafür sein, dass aus dem "Widerstand der Militärs ohne Volk ein Widerstand aus dem Volk" (Wolfgang Hasibether) wurde. Der "Leuschner-Kreis" bildete zu dieser Zeit die letzte noch funktionierende gewerkschaftliche Widerstandsgruppe in Deutschland. Alle anderen Widerstandszirkel waren von der Gestapo aufgerieben, die Vertrauensleute ermordet, im KZ oder im inneren oder äußeren Exil.

    Die Kontaktpersonen des "Leuschner-Kreises" kamen aus verschiedenen Richtungsgewerkschaften. In jahrelangen Diskussionen entwickelten sie das Modell einer Einheitsgewerkschaft. Hierfür standen neben dem Sozialdemokraten Leuschner Personen wie Jakob Kaiser, führender christlicher Gewerkschafter, und Max Habermann, ehemals Sekretär des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes DHV.

    Jakob Kaiser Foto: Wilhelm-Leuschner-Stiftung Jakob Kaiser

    Beim gewerkschaftlichen Widerstand konnte es zu keinem Zeitpunkt um den Sturz das NS-Regimes gehen. Dafür hätten die Gewerkschaften politischen Handlungsspielraum gebraucht, den es nach der Zerschlagung der freien Gewerkschaftsbewegung am 2. Mai 1933 nicht mehr gegeben hatte. Doch gab es Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die nicht bereit waren, Werte wie Demokratie und Menschenwürde aufzugeben. Unter konspirativen Bedingungen hielten sie Kontakt zu Gleichgesinnten und bereiteten sich auf die Zeit nach dem Sturz des Nazi-Regimes vor.

    Der Widerstand des 20. Juli scheiterte, viele seiner Protagonisten wurden hingerichtet. Unter ihnen Graf Stauffenberg, Julius Leber und Wilhelm Leuschner. Doch der Boden für ein neues Deutschland war bereitet. Es waren Männer und Frauen des "Leuschner-Kreises", die nach dem Krieg an maßgeblicher Stelle am Aufbau der Bundesrepublik Deutschland mitgearbeitet haben.