Gründungsgewerkschaften

    10. Februar 1974: Streik im öffentlichen Dienst

    10. Februar 1974: Streik im öffentlichen Dienst

    Am 10. Februar 1974 legten die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ihre Arbeit nieder. Der erste bundesweite Arbeitskampf im öffentlichen Dienst hatte begonnen.

    Mehr als 200.000 Beschäftigte im öffentlichen Dienst streiken ver.di-Archiv ÖD-Streik 1974

    Die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) und die Deutsche Postgewerkschaft (DPG) forderten 15 Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens 185 Mark, die Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG) 14 Prozent. Demgegenüber boten die Arbeitgeber vor dem Scheitern der Verhandlungen 9,5 Prozent. Nach drei Tagen Streik gelang am 13. Februar der Durchbruch: Die Tarifparteien einigten sich auf 11 Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens jedoch 170 Mark.

    Mehr als 200.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes hatten vor allem in den Großstädten ihre Arbeit verweigert: Busse und Bahnen blieben in den Depots, viele Ämter geschlossen, der Müll wurde nicht abgeholt.

    Bei diesem Streik war es jedoch nicht nur um mehr Geld gegangen, sondern auch um die Verteidigung der Tarifautonomie und die Abwehr von Lohnleitlinien: Bundeskanzler Willy Brandt hatte sich gegen ein zweistelliges Ergebnis ausgesprochen, weil es sich "nicht darstellen" ließe.

    Noch vor Ende des Jahres 1974, am 12. Dezember, einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften auch auf ein Schlichtungsabkommen für den öffentlichen Dienst.