Gründungsgewerkschaften

    Kurt van Haaren: Niemals nachlassen!

    Kurt van Haaren: Niemals nachlassen!

    Kurt van Haaren ver.di-Archiv Kurt van Haaren  – DPG-Vorsitzender 1982-2001

    "Niemals nachlassen" war das Leitmotiv von Kurt van Haaren, dem langjährigen Vorsitzenden der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) . In diesem Sinne arbeitete er 39 Jahre lang hauptamtlich für seine Gewerkschaft bis zur Gründung von ver.di 2001. Als Präsident der Kommunikations-Internationale und der Union Network International (UNI) engagierte er sich für die weltweite Anerkennung der Rechte von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern. Er starb am 13. Juli 2005 in Delmenhorst. Am 19. Juli 2005 wäre er 67 Jahre alt geworden.

    "ver.di und die Gewerkschaftsbewegung trauern um eine bedeutende Persönlichkeit, einen großen Gewerkschafter", sagte der Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Frank Bsirske. Van Haaren sei als DPG-Vorsitzender und einer der ver.di-Gründungsväter eine feste Größe in der deutschen Wirtschaft und in der deutschen Politik: "Durch seine Arbeit konnte die Privatisierung der Deutschen Bundespost ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstatten gehen. Er stand für den sozialverträglichen Umbau in die drei wirtschaftlich erfolgreichen Nachfolgeunternehmen Postbank, Deutsche Post AG und Deutsche Telekom AG", unterstrich Bsirske.

    Van Haaren habe sich stets als Vertreter der Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gesehen, bei denen er höchstes Ansehen genoss. Aber auch bei seinen politischen Gegnern sei er wegen seiner Gradlinigkeit, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit geschätzt worden.

    Vom Postjungboten zum Präsidenten eines internationalen Gewerkschaftsbundes

    "Niemals nachlassen" war das Leitmotiv von van Haarens Handeln. In diesem Sinne arbeitete er 39 Jahre hauptamtlich für die DPG, deren Vorsitzender er von 1982 bis 2001 war. Nach seinem Ausscheiden engagierte er sich in der deutsch-polnischen Gesellschaft in Bremen und entwickelte Zukunftsideen für die Hansestadt.

    Kurt van Haaren wurde 1938 in Emmerich am Niederrhein geboren. 1953 begann er eine Ausbildung zum Postjungboten, die er 1955 abschloss, um anschließend die Beamtenlaufbahn des einfachen Postdienstes einzuschlagen. Mit einem Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung studierte er an der Sozialakademie in Dortmund. 1964 wurde Kurt van Haaren Gewerkschaftssekretär beim DPG-Bezirksvorstand in Düsseldorf.

    1968 wechselte er als Tarifsekretär zum DPG-Hauptvorstand nach Frankfurt/Main. Dort wurde er sieben Jahre später Leiter der Abteilung "Arbeitsbedingungen Postwesen" beim DPG-Hauptvorstand. 1977 wurde er Vorsitzender des Bezirksvorstands Bremen/Weser-Ems und Mitglied des DPG-Hauptvorstands.

    Fast zehn Jahre engagierte sich van Haaren im Kampf gegen die Privatisierung der Deutschen Bundespost. Auch wenn die Privatisierung letztendlich trotz unzähliger Aktionen wie dem Verteilen der Bürgerpostzeitung an 20 Millionen Haushalte am Buß- und Bettag 1987 kam, hat die DPG für die Beschäftigten viel erreichen können.

    Für die sogenannten "Kölner Verträge" blieben 1994 mehrere Wochen lang die Briefkästen der Bürgerinnen und Bürger leer. Der Streik war erfolgreich: Die am 2. Juli 1994 abgeschlossenen Sozialtarifverträge sicherten den Bestand der betrieblichen Sozialeinrichtungen der ehemaligen Behörde auch über ihre Privatisierung hinaus.

    Doch nicht nur in Deutschland war van Haaren aktiv, sondern auch in der internationalen Gewerkschaftspolitik. Als Präsident der Kommunikations-Internationale und der Union Network International (UNI) engagierte er sich für die weltweite Anerkennung der Rechte von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern.

    Nachruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes

    Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, hatte in der DPG lange Jahre mit Kurt van Haaren zusammengearbeitet. Im Nachruf des DGB sagt er:

    "Kurt van Haaren war ein großer Gewerkschafter. Auf ihn war Verlass. Zielstrebig und geradlinig verfolgte er seine Ziele. Dafür habe ich ihn immer geschätzt. Kurt van Haaren war von der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) gar nicht mehr wegzudenken. 39 Jahre arbeitete er unermüdlich und leidenschaftlich als hauptamtlicher Funktionär, davon 19 Jahre als Vorsitzender.

    Van Haaren stand für den erfolgreichen sozialverträglichen Umbau in die Nachfolgeunternehmen Postbank, Deutsche Post AG und Deutsche Telekom AG. Mit Herz und Verstand hat er wesentlich dazu beigetragen, dass die Privatisierung der Deutschen Bundespost ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgte.

    Große Verdienste hat sich van Haaren auch bei der Gründung der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di erworben. Seine integrative Kraft sorgte mit für den erfolgreichen Zusammenschluss zahlreicher Gewerkschaften. Allen Widerständen trotzte er mit seiner glaubhaften Überzeugung von der Richtigkeit seines Tuns. Wir werden Kurt van Haaren vermissen."