Gründungsgewerkschaften

    Günter Volkmar: Gestaltungswille und Umsetzungsstärke

    Günter Volkmar: Gestaltungswille und Umsetzungsstärke

    Günter Volkmar ver.di-Archiv Günter Volkmar  – hbv-Vorsitzender 1980-1988

    Wenige Tage vor seinem 83. Geburtstag starb Günter Volkmar - ehemaliger Vorsitzender und langjähriges Vorstandsmitglied der Gewerkschaft HBV - am 22. Februar 2006 nach langer und schwerer Krankheit. Mit ihm verlor nicht nur ver.di, sondern die gesamt nationale und internationale Gewerkschaftsbewegung einen aufrechten Kämpfer für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, gegen Sozialdumping, für ein soziales, fortschrittliches Europa und für gewerkschaftliche Solidarität.

    Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske und Margret Mönig-Raane, stellvertretende Vorsitzende, schreiben in ihrem Nachruf vom Februar 2006:

    "Günter Volkmar wurde am 28. Februar 1923 in Essen geboren. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft an der Universität Marburg/Lahn wurde er im Juni 1949 nicht nur HBV-Mitglied, sondern begann auch seine hauptamtliche Gewerkschaftstätigkeit.

    Nach einem kurzen Intermezzo beim DGB-Ortsausschuss in Essen wurde er vom damaligen DGB-Vorsitzenden Hans Böckler zur Gewerkschaft HBV "delegiert". Dort war er zunächst als Gewerkschaftssekretär für Arbeitsrecht für die Bereiche Banken und Versicherungen beim Hauptvorstand tätig. Im Juni 1955 wurde er dann in den Geschäftsführenden Hauptvorstand der Gewerkschaft HBV, verantwortlich für den Bereich Arbeitsrecht, Banken, Versicherungen und Tarifpolitik, gewählt. 1976 wurde er zweiter Vorsitzender und 1980 dann Vorsitzender der Gewerkschaft HBV.

    In diesen Zeiten schwieriger politischer Auseinandersetzungen hat er beharrlich und mit politischer Weitsicht unterschiedliche Positionen zugelassen, zusammengeführt und dabei darauf geachtet, dass dieses dem Ziel, der Stärkung von HBV, diente. Sein Credo und sein Maßstab waren, dass die politische Durchsetzungsfähigkeit aus der Kraft der Gewerkschaften in den Betrieben wächst. Daran maß er Reden und Handeln bei sich und allen anderen.

    Als er sich 1988 aus der hauptamtlichen Tätigkeit verabschiedete, hatte er 33 Jahre von insgesamt 39 Jahren Gewerkschaftsmitgliedschaft in der unmittelbaren Verantwortung gestanden und die Gewerkschaftsarbeit in der vordersten Reihe gestaltet.

    Seine Persönlichkeit zeichnete sich durch Gestaltungswillen und Umsetzungsstärke aus. Seine Arbeit lebte von seinem "heißen Herz", von seiner wachen und lebendigen Phantasie, mit der er richtungsweisende Ideen schöpfte und mit seinem Wirken allgegenwärtig in der HBV war.

    Da er Tarifarbeit als politische Veranstaltung begriff, setzte er sich für eine strategisch angelegte, langjährig denkende, aktive und lebendige Tarifpolitik ein – mit Konfliktbereitschaft, aufrechtem Gang und hoher Integrationskraft. In der Organisation gilt er als die Integrations- und Schlüsselfigur.

    Im Rahmen seiner internationalen Arbeit erwarb er sich über die Jahre Respekt und Freundschaft in der Welt. Sein besonderes Engagement galt den unterdrückten Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern in Südafrika während der Apartheid.

    Neben seiner hauptamtlichen Tätigkeit bei der HBV war er u. a. als Vorstandsmitglied der Hans-Böckler-Stiftung, als Mitglied des DGB-Bundesvorstandes sowie als Mitglied der Kammer der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) tätig.

    Die Worte, welche er anlässlich seiner Verabschiedung aus seiner hauptamtlichen HBV-Tätigkeit fand, sind programmatisch für seine Aufmerksamkeit, seine Neugierde und sein Interesse, mit welchen er das Entstehen und Werden vor ver.di verfolgt hat:

    "Tragt alle mit dazu bei, dass wir weiter zusammenwachsen, und macht auch nach außen deutlich, wie eng wir zusammenstehen! Drückt das auch in der gemeinsamen Arbeit (...) aus!"

    Wenn wir diese Worte in unserem täglichen Handeln und Tun beherzigen, werden wir seiner gedenken und ihn in unserer Erinnerung lebendig bewahren."