Gründungsgewerkschaften

    Clara Sahlberg: Mutig in aller Bescheidenheit

    Clara Sahlberg: Mutig in aller Bescheidenheit

    Clara Sahlberg Foto: privat (ver.di-Archiv) Clara Sahlberg

    Der  Lebensweg von Clara Sahlberg (1890 bis 1977) führt von der mühevollen Heimarbeit für die Berliner Konfektionsindustrie, über den "Gewerkverein der Heimarbeiterinnen für Kleider und Wäschekonfektion", in dem sie bald hauptamtlich arbeitet und als Sekretärin für Sozialpolitik wirkt, zum Zentralverband christlicher Transport- und Fabrikarbeiter, wo sie als Mitglied des geschäftsführenden Vorstands für Frauen- und Jugendarbeit verantwortlich ist, und schließlich zur ötv.

    Ihr Leben  beginnt im Milieu der Konfektion, Heimarbeit und jämmerlichen Löhne, der ebenso elenden wie ungesunden Wohnverhältnisse. Am 3. Juli 1890 wird sie in Rixdorf bei Berlin geboren. Ihr Vater stirbt früh. Als zweites von insgesamt neun Kindern hilft Clara der Mutter bei der Heimarbeit für die Berliner Konfektionsindustrie und findet doch Zeit zur Weiterbildung.

    1909 wird sie Bürohilfskraft in der Hauptverwaltung des Gewerkvereins der Heimarbeiterinnen Deutschlands in Berlin. Schon drei Jahre später agitiert sie als hauptamtliche Sekretärin für die Ziele ihrer Gewerkschaft. Sie arbeitet stetig, unermüdlich und erfolgreich für allem für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Frauen. Das Mutterschutzgesetz von 1927 ist auch ihr Werk.

    Der Zentralverband christlicher Fabrik- und Transportarbeiter holt sie in den Geschäftsführenden Hauptvorstand. Auch hier ist sie wieder zuständig für Frauen und Sozialpolitik, darüber hinaus für Jugend und Tarifwesen.

    Selbst in der Zeit des Naziterrors gibt sie nicht auf. Im Berliner Arbeitsamt findet sie Möglichkeiten, verfolgten Gewerkschaftern zu helfen.

    Ganz selbstverständlich engagiert sie sich nach 1945 für den Aufbau demokratischer Parteien und Gewerkschaften. 1948 wird sie Gewerkschaftssekretärin der ÖTV in Trier, später im Bezirk Rheinland-Pfalz. Hier arbeitet sie bis zu ihrer Rente 1955, wieder in den Bereichen Gesundheitswesen, Schulung und Bildung, aber vor allem für die Frauen. Noch bis 1957 ist sie 1. Vorsitzende des DGB-Landesfrauenausschusses.

    Dann kehrt sie in ihrer Heimat Berlin zurück. Auch hier bleibt sie tätig und wird sie Mitglied in der Kammer für Soziale Ordnung der Evangelischen Kirche.

    Sie erhält Auszeichnungen für ihr Wirken, das Bundesverdienstkreuz, die Wichern-Plakette des Diakonischen Werks, Würdigungen ihres Lebens und ihrer Arbeit. Am 13. April 1977 stirbt sie in Fleisbach bei Herborn.