Gründungsgewerkschaften

    Heinz Kluncker: Immer ein bisschen anders

    Heinz Kluncker: Immer ein bisschen anders

    Am späten Abend des 21. April 2005 starb in einem Stuttgarter Krankenhaus der ehemalige Vorsitzende der Gewerkschaft ÖTV, Heinz Kluncker. Zwei Monate zuvor, am 20. Februar, hatte er in engem Kreise noch seinen 80. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass ehrte ihn die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft mit einer Fotoausstellung in der ver.di-Bundesverwaltung in Berlin.

    Heinz Kluncker Foto: ver.di-Archiv Heinz Kluncker: Vorsitzender der Gewerkschaft ÖTV von 1964 bis 1982

    Heinz Kluncker ist auch heute noch vielen in nachhaltiger Erinnerung. Unvergessen ist ihnen sein Wirken als Tarifpolitiker, sein Engagement für Gewerkschaftsrechte weltweit, sein Einsatz für humanitäre Hilfe.

    Schon mit 39 Jahren wurde er 1964 zum Vorsitzenden der Gewerkschaft ÖTV gewählt. Vorrang hatte für ihn stets die Tarifpolitik. Er wollte den öffentlichen Dienst an die Einkommen und Wochenarbeitszeit in der Privatwirtschaft heranführen.

    1974 hatte er es geschafft. Dabei war er stets ein fairer Verhandlungspartner - bereit, Kompromisse zu schließen, aber auch, die Gewerkschaft ÖTV in einen Streik zu führen.

    So im Februar 1974, als die Gewerkschaft ÖTV gegen den ausdrücklichen Willen des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt mit einem dreitägigen Streik im öffentlichen Dienst ein zweistelliges Ergebnis durchsetzte: 11 Prozent mehr Lohn und Gehalt, mindestens 170 Mark.

    Dieses Ergebnis lag auf der Höhe der Tarifergebnisse der Industriegewerkschaften. Doch es ging Heinz Kluncker dabei nicht nur um mehr Geld, sondern um die Abwehr einer "Lohnleitlinie", um den Erhalt der Tarifautonomie.

    1982 trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück - geachtet und geehrt wegen seiner geradlinigen, ehrlichen Art. Seinen guten Ruf nutzte er seither für humanitäre Hilfsprojekte. So machte er sich 1996 stark für die Kinderklinik in Tuzla (Bosnien-Herzegowina), überbrachte persönlich dringend benötigte medizinische Geräte.

    Text: Hartmut Simon