Gründungsgewerkschaften

    Dr. Hartmut Simon: 100 Jahre Feuerwehrgewerkschaft

    Dr. Hartmut Simon: 100 Jahre Feuerwehrgewerkschaft

    Dr. Hartmut Simon, Leiter des ver.di-Archivs ver.di Dr. Hartmut Simon, Leiter des ver.di-Archivs

    Am 24. September 2008 feierte die ver.di-Bundesfachgruppe Feuerwehr in Dresden "100 Jahre Feuerwehrgewerkschaft 1908 - 2008. Vom Verband Deutscher Berufsfeuerwehrmänner (VDB) zur ver.di-Fachgruppe Feuerwehr". 

    In seinem Festvortrag schilderte Dr. Hartmut Simon, Historiker und Leiter des ver.di-Archivs, die Geschichte der Feuerwehrgewerkschaft von der Kaiserzeit bis heute mit zahlreichen Illustrationen, Anekdoten und Quellen.  Seine Rede geben wir hier in bearbeiteter Fassung wieder.

    Berufsfeuerwehr Braunschweig ver.di-Archiv Berufsfeuerwehr Braunschweig

    Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

    um als Berufsfeuerwehrmann im Kaiserreich angestellt zu werden, waren grundsätzlich folgende Voraussetzungen zu erfüllen: gelernter Handwerker, gedienter Soldat, gesund, kräftig, gewandt, mittelgroß, zwischen 23 und 27 Jahre alt. In Kiel musste der Bewerber außerdem Mitglied in einem Abstinenzverein sein.

    Man gehörte einem Korps an, das unterteilt war nach Mannschaften – also Feuerwehrmännern, Oberfeuerwehrmännern, auch Feldwebeln – und Offizieren wie Branddirektoren, Brandinspektoren, Brandmeistern.

    1901 gab es 50 Berufsfeuerwehren in den Kommunen. Die Berliner Feuerwehr war die größte deutsche Berufsfeuerwehr: In Berlin gab es eine Hauptfeuerwache, fünf "Compagniewachen" mit insgesamt 847 Feuerwehrmännern, 132 Pferden, 10 Dampfspritzen und anderem Gerät. Aber auch Fabriken wie Krupp unterhielten bereits eigene Wehren.

    Die Berufsfeuerwehroffiziere gründeten übrigens im Juni 1899 einen eigenen Verband, den "Verband Deutscher Berufsfeuerwehren", geleitet von dem Branddirektor Westphalen aus Hamburg.

    1908 nun gingen auch die Feuerwehrmänner daran, einen eigenen Verband zu gründen.

    Der Impuls zur Gründung des "Verbandes Deutscher Berufsfeuerwehrmänner", kurz: VDB, ging von Dortmund aus. Am 5. Juli 1908 wurde von hier aus der Entwurf einer Verbandssatzung an verschiedene Wehren im ganzen Reich verschickt.

    "Verbandes Deutscher Berufsfeuerwehrmänner" (VDB) ver.di-Archiv Logo des "Verbandes Deutscher Berufsfeuerwehrmänner" (VDB) von 1912

    Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden. Bei einzelnen Wehren bestanden bereits Vergnügungsvereine und man pflegte, wie es hieß, auch schon schriftlichen Verkehr miteinander. So ist es kaum verwunderlich, dass bald eine Reihe von Stellungnahmen zum Satzungsentwurf eingingen. Dadurch ermutig wurde der VDB zum 1. Oktober 1908 ins Leben gerufen.

    Den ersten Mitgliedsbeitrag leistete der Ortsverein Charlottenburg am 7. Oktober 1908 für 122 Mitglieder. Ihm folgten Bremen, Kassel, Insterburg, Stettin, Magdeburg, Essen, Flensburg, Kiel, Dortmund, Düsseldorf, Bochum und Gelsenkirchen.

    Eine für den 16. Oktober nach Dortmund einberufene Versammlung, an der 12 Vertreter teilnahmen, wählte einen provisorischen Vorstand. Mit 13 Ortsvereinen und 778 Mitgliedern wurde so der VDB im Jahre 1908 gegründet.

    Es verstand sich damals von selbst, dass bei der Feuerwehr militärische Disziplin herrschen musste. Was das bedeuten konnte, zeigt die Disziplinarstrafordnung für die Mannschaften der Berufsfeuerwehr der Stadt Braunschweig.

    § 1 der Disziplinarstrafordnung stellte zunächst fest:
    "Die Berufsfeuerwehr hat die Aufgabe, für die Sicherheit der Stadt gegen Feuer zu sorgen, also namentlich die Aufgabe, entstandene Brände sofort zu bekämpfen und so rasch wie möglich zu unterdrücken."