Idee & Tradition

    Aktionen und Geschichte

    Frauentag 2022: Raus zum 8. März!

    02.03.2022 – Fast fällt er in 2022 auf den internationalen Frauentag: Der Equal Pay Day. Er markiert den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen arbeiten müssten, um auf das Gehalt zu kommen, das die Männer bereits am 31. Dezember des Vorjahres hatten. Der Equal Pay Day symbolisiert damit die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, die laut statistischem Bundesamt 18 Prozent ausmacht (Stand März 2021). Nach wie vor verdienen Frauen im Durchschnitt 18 Prozent weniger als Männer – wenn das kein Grund ist, auf die Barrikaden zu gehen!

    Dafür eignet sich bestens der internationale Frauentag am 8. März. Sowohl am Equal Pay Day als auch zum Frauentag werden ver.di-Gewerkschafter*innen bundesweit gegen Diskriminierung und für die ihnen im Grundgesetz zugesicherten gleichen Rechte mobilisieren.
    Alle Aktionen und mehr Informationen haben die ver.di-Frauen hier zusammen getragen.

    Bessere Bedingungen im Sozial- und Erziehungsdienst

    Im Mittelpunkt der ver.di-Aktivitäten am Frauentag steht in diesem Jahr der bundesweite Streik für bessere Bedingungen im Bereich der Sozial- und Erziehungsarbeit: Ob in der Behindertenhilfe, in der sozialen Arbeit oder in den Kitas bzw. in der Ganztagsbetreuung – diese Arbeit wird überwiegend von Frauen bewältigt. Dabei wäre unsere Gesellschaft nicht mehr handlungsfähig ohne den Einsatz der rund 1,5 Millionen Kolleg*innen, die sich tagtäglich um den Nachwuchs kümmern, Familien durch Krisen begleiten und Obdachlose und Menschen mit Behinderungen kompetent unterstützen, um nur einige Beispiele zu nennen.

    Interessen in den Einklang bringen

    Eine Ahnung davon haben wir, seitdem Teile dieser Arbeit während der Corona-Pandemie weggebrochen sind und das Homeoffice gleichzeitig Schule, Kita und Hort wurde. Der Herausforderung, die Ansprüche der Gesellschaft und die individuellen Interessen der Menschen miteinander in Einklang bringen, widmen sich die Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen und viele andere Berufsgruppen mit großem Engagement, Professionalität und jeder Menge Idealismus. Trotzdem fehlt es ihrer unverzichtbaren Arbeit an gesellschaftlicher Anerkennung! Das drückt sich in schlechten Arbeitsbedingungen mit niedrigen Einkommen und einer hohen Zahl von Befristungen aus und führt wiederum zu Fachkräftemangel und immer mehr Teilzeitarbeit, weil die Beschäftigten die Belastungen ansonsten nicht aushalten.

    Mehr braucht mehr - Kampagen für S+E 2022 ver.di Mehr braucht mehr

    Spirale durchbrechen

    Eine gefährliche Spirale. Diese Spirale wollen wir durchbrechen und mobilisieren an diesem Frauentag bundesweit zu Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst-Wann, wenn nicht jetzt? Eine Übersicht über Aktionen und Streikkundgebungen haben wir hier zusammengestellt.

    Damit reihen sich die Kolleg*innen in den Sozial- und Erziehungsberufen ein in eine lange Tradition kämpferischer Frauen, sich am 8. März für ihre Rechte stark zu machen.

     

    Erster Aufruf in Deutschland 1911

    „Unser Märzentag". So ist der Aufruf überschrieben, der schon 1911 an die Frauen appellierte, sich aktiv am ersten Frauentag zu beteiligen. Der Aufruf ging von der SPD und den freien Gewerkschaften aus: "Die sozialistischen Frauen aller Länder fühlen sich mit euch solidarisch. Der 19. März muß euer Ehrentag sein." Dieses Datum wurde gewählt, um an Ereignisse während der Revolution von 1848 in Berlin zu erinnern. Später sollte es der 8. März werden.

    Plakatmotiv Frauentag 1914 Foto: ÖTV-Magazin 1986, Nachdruck Plakat zum Frauentag 1914

    Die Anregungen für den Frauentag gehen auf Frauendemonstrationen in den USA seit 1858 zurück. Die Amerikanerinnen begingen bereits am 20. Februar 1909 einen nationalen Frauentag. Initiiert durch die deutsche Sozialistin Clara Zetkin, fand der erste Internationale Frauentag am 19. März 1911 in Deutschland, Dänemark, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Millionen von Frauen beteiligten sich. Zentrale Forderungen waren zum Beispiel das Wahl- und Stimmrecht, die Einführung des Acht-Stunden-Arbeitstages, ausreichender Mutter- und Kinderschutz, die Festsetzung von Mindestlöhnen und gleicher Lohn bei gleicher Arbeitsleistung. 1912 schließen sich die Frauen in Frankreich, den Niederlanden und Schweden an, 1913 auch die russischen Frauen.

    Aktive Frauen erstritten 1918 das Frauenwahlrecht in Deutschland

    Das Frauenwahlrecht steht bis 1918 im Mittelpunkt und kann im November von aktiven Frauen in Deutschland erstritten werden. Erst im Jahr 1921 wurde bei einer großen sozialistischen Frauenkonferenz als festes Datum der 8. März festgelegt. Damit sollte an den Textilarbeiterinnen-Streik in Petersburg erinnert werden, der auf andere Sektoren übergriff und eine große Demonstration auslöste. Die Kämpfe fanden am 8. März 1917 – nach altem russischen Kalender am 23. Februar - statt und waren der Beginn der "Februarrevolution" in Russland.

    In den „Zwischenkriegsjahren“ waren die zentralen Themen am 8. März zum einen der legale Schwangerschaftsabbruch sowie der Schwangeren- und Mutterschutz. Es entstand eine Massenbewegung, denn die europaweite Wirtschaftskrise zwang jährlich über eine Million Frauen, abzutreiben; rund 44 000 Frauen starben in Deutschland 1931 an den Folgen der illegalen Abtreibungen. Andere wichtige Frauenthemen dieser Zeit hingen mit der Existenzsicherung zusammen: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnkürzung, Senkung der Lebensmittelpreise und Schulspeisung. Forderungen, die auch heute noch aktuell sind.

    Plakatmotiv SPD-Frauenkampagne Foto: FES, Archiv Frauenkampagne der SPD 1930

    Während der faschistischen Diktatur der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler wurden bereits im Frühjahr 1933 alle Frauenorganisationen und ihre Presseorgane verboten oder gleichgeschaltet. Als der Reichstag am 27. Februar in Flammen steht, nehmen die Nazis die ungeklärte Brandstiftung als Vorwand, um einen Terrorzug gegen alle antifaschistischen Gruppierungen zu beginnen – so auch gegen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter.

    Muttertag wird Feiertag

    Der Frauentag kann nicht mehr durchgeführt werden und der Muttertag wird zum offiziellen Feiertag - die Frau wird auf ihre Gebärfunktion, ihre Rolle als Ehefrau und Mutter reduziert. In der Illegalität begehen viele Frauen trotzdem den 8. März, oft getarnt als Familienfeier. Der Internationale Frauentag wird für die Antifaschistische Bewegung zum Kampftag gegen die Nazidiktatur und für den Frieden. In den meisten Arbeiterfamilien konnte sich der Muttertag auch nach 1933 nicht durchzusetzen, erst recht nicht der ihn durchdringende faschistische Geist.

    Frauentag 1991 ver.di-Archiv Frauentag 1991

    Illegale Flugblätter verteilt

    Die Idee des 8. März hingegen bliebt hingegen lebendig, auch wenn der Frauentag nur illegal im vertrauten Kreis gepflegt werden konnte und es nicht mehr möglich war, dafür auf offener Straße zu demonstrieren oder Frauentagsveranstaltungen durchzuführen. Immer wieder mussten die faschistischen Behörden feststellen, dass illegale Flugblätter verteilt oder - wie zum Beispiel 1936 und 1937 auf Berliner S-Bahn-Stationen - Flugzettel an Mauern geklebt wurden, die an den Internationalen Frauentag erinnerten und zum Kampf gegen die Nazis aufforderten." (Siegfried Scholze: Der Internationale Frauentag einst und heute, trafo Verlag, 2001)

    Nach dem zweiten Weltkrieg fand bereits 1946 in der sowjetischen Besatzungszone der Frauentag wieder statt. Offiziell gefeiert wurde die gesellschaftliche Befreiung der Frau. In Westdeutschland wurde der Frauentag erst in den späten 60er Jahren von der neuen autonomen Frauenbewegung wiederbelebt.