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Christian Wulff: "Wir wären ärmer!"

Viel Anerkennung zollte Bundespräsident Christian Wulff der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft in seiner Rede während der Eröffnungsveranstaltung des 3. Bundeskongresses.

„Was wäre unser Land ohne Gewerkschaften?“ Diese Frage stellte der Bundespräsident an den Anfang seiner häufig von den Delegierten beklatschten Rede. Und er gab auch selbst die Antwort: „Wir wären ärmer. Materiell und ärmer an Gemeinsinn und Engagement. Die Gewerkschaften haben einen wesentlichen Anteil an der Erfolgsgeschichte unseres Landes.“ Diese Erkenntnis finde heute auch zu recht große Zustimmung in der Bevölkerung.

Gesetze zur Betriebsverfassung, Mitbestimmung und Personalvertretung seien „zu einem festen Bestandteil unserer Sozialordnung geworden“. Die Arbeit in Gewerkschaft und Betriebsrat „war und ist gelebte Demokratie: die Dinge selbst in die Hand nehmen, das Wort erheben, Arbeitsbedingungen verbessern und für gerechte Löhne und Gehälter kämpfen, Mitverantwortung für die gemeinsame Sache tragen“.

Der Präsident rechnet den Gewerkschaften „einen wesentlichen Anteil an der Stabilität unserer Demokratie, am wirtschaftlichen Erfolg und am Gelingen unserer Sozialen Marktwirtschaft“ zu.

Diese Tradition habe sich gerade erst in der Wirtschafts- und Finanzkrise „eindrucksvoll bewährt“.
Angesichts der anhaltenden „Gefahren für die Weltwirtschaft und die Konjunktur auch für Deutschland“ rät Christian Wulff, wachsam zu bleiben. „Daher ist es umso wichtiger zu beachten, was uns die Krise gelehrt hat: wie wichtig es ist, vor Ort miteinander zusammenzuarbeiten, sich zu kennen, sich zu vertrauen, zusammenzuhalten. Das leisten Gewerkschaften, Arbeitnehmervertretungen, Betriebsräte, in ihren Branchen, in ihren Unternehmen.“

Wichtig ist dem Bundespräsidenten auch das Engagement der vielen Zuwanderer/innen, „die über den Arbeitsplatz, in den Betrieben ihren Weg in unser Land finden“. Auch hier seien die Gewerkschaften in Deutschland „nicht populistische Wege gegangen“.

An die große und wichtige Tradition der deutschen Gewerkschaften knüpfe ver.di an: „Ich gratuliere Ihnen jedenfalls von Herzen zum zehnjährigen Jubiläum als Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft und zu Jahrzehnten erfolgreichen Wirkens ihrer Vorgängerorganisationen – und ich weiß, dass es in den letzten zehn Jahren nicht einfach war“.

Im Jahre 2001 habe ver.di die Zeichen der Zeit erkannt und den Weg einzelner Branchen-Gewerkschaften beendet: damals „eine große Leistung, die Einzelgewerkschaften zusammenzuführen“, und „heute eine große Herausforderung, die verschiedenen Interessen ganz unterschiedlicher Branchen zusammenzuhalten“.

Der Präsident würdigte den Einsatz von ver.di „gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit“ und für die internationale „Verwirklichung der Menschenrechte“. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft exportiere aus Deutschland eine Kultur des Gemeinsinns und der Würde jeder und jedes Einzelnen.

Den Missbrauch geringfügiger Beschäftigung will Christian Wulff nicht tolerieren: „Für die, die eine Vollzeitbeschäftigung suchen, von der sie leben können, dürfen Zeitarbeit, Minijobs und befristete Beschäftigung nicht zur Sackgasse werden, sondern müssen Brücke sein.“

Für die Menschen fordert der Präsident „einen verlässlichen Rahmen und faire Perspektiven, um sich zu entfalten, eine Familie zu gründen, auch für Mitmenschen Zeit und Kraft zu haben“. Dieses elementare Bedürfnis stehe immer öfter im Spannungsverhältnis zu den gesellschaftlichen Trends von Flexibilität und Mobilität. Es sei darauf zu achten, hier die Balance zu halten. „Diejenigen, die Instrumente missbrauchen, schaden allen.“

Beispielhaft für die Leistungsfähigkeit der in ver.di vereinten Beschäftigten nannte Christian Wulff „drei große Bereiche“:

  • zuallererst die sozialen Dienste, den Dienst in der Pflege und im Gesundheitswesen“. Dieser Dienst „muss uns mehr wert sein!“ Es bleibe „eine Zumutung für das moralische Empfinden, dass der aufopferungsvolle Dienst am Menschen so viel schlechter bezahlt wird als manche Tätigkeiten, deren Beitrag zum Gemeinwohl weit weniger offensichtlich ist“.
  • Zweitens die Erziehung und Bildung – „hier wird die vielleicht wichtigste Arbeit für die Zukunft unserer Gesellschaft geleistet. Der notwendige Respekt wird dieser Arbeit noch immer zu wenig gezollt.“ Das müsse sich ändern.
  • Drittens „die Arbeit in der Verwaltung und im öffentlichen Dienst“. Beide seien dem Gemeinwohl verpflichtet und „helfen damit, unsere Demokratie zu festigen, wie Sie es seit Bestehen der Bundesrepublik verlässlich tun. Unser leistungsfähiger und verlässlicher öffentlicher Dienst ist ein Standortvorteil.


In einer kurzen Replik am Ende der Eröffnung dankten Frank Bsirske und Monika Brandl dem Bundespräsidenten für seine ermutigenden Worte. Es sei gut zu wissen, dass er sich festlege „für starke Gewerkschaften“.

Text: Hermann Schmid

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