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Altenpflege

Der starke Streik

Tarifauseinandersetzung Alpenland GmbH
Protestaktion am Berliner Checkpoint Charlie

<i>Foto: Renate Kossmann</i><div class="clearfloat"></div><b>44. Streiktag: Aktion der Mitarbeiterinnen der Alpenland-Pflegeheime am Checkpoint Charlie in Berlin</b>

Foto: Renate Kossmann 44. Streiktag: Aktion der Mitarbeiterinnen der Alpenland-Pflegeheime am Checkpoint Charlie in Berlin

Es war der 36. Streiktag, an dem die Altenpflegerinnen und –pfleger aus Berlin-Marzahn nach Leipzig gekommen sind. „Offensichtlich hat noch niemand in der Altenpflege bisher so lange gestreikt“, rief Sabine Buchhold den Teilnehmer/innen des ver.di-Bundeskongresses zu. „Es wird Zeit!“ Die Delegierten jubelten. Es gab stehende Ovationen für eine Gruppe bescheidener, engagierter Fachleute, die ihre Arbeit lieben, aber so wie bisher nicht mehr weitermachen können - und wollen.

Die Beschäftigten der drei Ostberliner Pflegeheime der Alpenland-GmbH fordern, endlich genauso bezahlt zu werden wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den Alpenland-Häusern in Westberlin und Baden-Württemberg. Und das, ohne dafür schlechtere Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen zu müssen.

Seit sechs Jahren laufen immer wieder Tarifverhandlungen. Im Januar 2010 wurden sie zuletzt wieder aufgenommen, sie blieben ergebnislos. Deshalb entschieden die Beschäftigten sich schließlich, am 18. August den Arbeitskampf aufzunehmen. Keine leichte Entscheidung für sie.

Doch 22 Jahre nach dem Mauerfall ist es nicht mehr akzeptabel, wenn sie Monat für Monat bis zu 400 Euro weniger bekommen als ihre Kolleg/innen in der gleichen Stadt. Nicht akzeptabel ist auch der letzte Vorschlag des Arbeitgebers, dass die Gehälter sich allmählich annähern könnten. Sehr allmählich, innerhalb von 17 Jahren. Und natürlich bei größerer Flexibilität der Beschäftigten und beispielsweise mit geteilten Diensten.

So geht es nicht mehr weiter, das wissen die Betroffenen. „Wir arbeiten alle sehr gern“, sagte Christiane Grünwald aus dem Betriebsrat dem Kongress. „Und wir würden auch gern bei diesem Arbeitgeber bleiben. Aber nur bei ordentlicher Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen.“

Ihre Kollegin Sabine Buchhold, die als Quereinsteigerin mit vielen Idealen die Arbeit in der Pflege begonnen hat, berichtete auf dem Kongress davon, dass die Arbeit mit zu wenigen Fachleuten und unter immer höherem Druck inzwischen „eigentlich unzumutbar“ ist. Deshalb stehen auch die Bewohner/innen der drei Ostberliner Alpenland-Altenheime hinter den Streikenden. „Sie sagen: Es ist richtig, was ihr da tut. Sie merken, dass wir am Ende sind. Und wir wissen, es geht ihnen doch nur gut, wenn es auch uns gut geht.“

Sabine Buchhold hat klare Forderungen formuliert: „Die Pflege im Minutentakt muss aufhören. Wir brauchen junge Leute in der Pflege, deshalb muss der Beruf für sie attraktiv gemacht werden. Unsere Arbeit muss aufgewertet werden!“ Die Streikenden, die da in Leipzig auf der Bühne standen, haben deutlich gemacht, dass sie nicht aufgeben. Sie sagen: „Wir sind zwar nicht viele, aber wir sind stark!“

Ellen Paschke aus dem ver.-di-Bundesvorstand fügte hinzu, Altenpflege gehöre zum öffentlichen  Dienst, zur Daseinsvorsorge und nicht in die Hände von privaten Unternehmen. Der Streik in Berlin-Marzahn geht weiter.

Text: Claudia von Zglinicki

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