Reden und Grußworte

    Dr.-Ing. Matthias Peissner, Fraunhofer Institut

    KI menschengerecht gestalten

    Leipzig, 26. September 2019 – Künstliche Intelligenz sei ein absolutes Mega-Thema. Die ganze Welt rede von KI. Und alle seien auch überzeugt, dass ihre Einführung umwälzende Veränderungen mit sich bringen werde. Matthias Peissner vom Fraunhofer Institut für anwendungsorientierte Forschung in Europa stieg in seinen Impulsvortrag zum Themenschwerpunkt Digitalisierung mit einer Steilvorlage an. Einer stichprobenartigen Umfrage seines Instituts zufolge glaubten 90 Prozent der Befragten, dass KI in Zukunft den Menschen die Arbeit ab- beziehungsweise wegnehme. Peissner sieht eine andere Zukunft. „Roboter ersetzen in der Zukunft den fehlenden Menschen“, so der Wissenschaftler.

    Matthias Peissner, Wissenschaftler am Fraunhofer Institut Foto: Lenny Rothenberg Matthias Peissner, Wissenschaftler am Fraunhofer Institut

    Was sich aber ändern werde, seien die Anforderungsprofile für Beschäftigte, und zwar massiv. Aber nicht nur die Beschäftigten müssten sich qualifizieren, sondern auch die Unternehmen müssten sich für die Veränderungen fit machen. Die klassischen KI-Systeme, die schon im Einsatz sind, hätte man auf ihre kognitiven Fähigkeiten hin, wie etwa die Spracherkennung oder die Problemlösung, noch bis ins Detail programmieren müssen durch entsprechendes Expertenwissen. Heutige Algorithmen fänden selbstständig ihre Lösung, wenn sie entsprechende Daten haben. „Und das ist natürlich ein kompletter Paradigmenwechsel. Das verändert die Welt“, sagte Peissner. Ganz abgesehen davon, dass KI in nur 16 Prozent von 300 befragten Unternehmen in Deutschland bisher überhaupt angewendet werden.

    „Blockieren Sie KI-Projekte nicht voreilig, sondern sorgen Sie dafür, dass wir KI-Systeme menschengerecht und verantwortungsvoll gestalten.“

    Matthias Peissner, Wissenschaftler am Fraunhofer Institut

    Peissner betonte zudem, dass sich unsere demokratischen und humanistischen Werte und unsere ethisch-moralischen Vorstellungen ganz massiv vom Mega-Kapitalismus, wie man ihn in China oder in den USA teilweise beobachten könne, unterscheide. Er appellierte zwar an alle Unternehmen, KI-Anwendungen auszuprobieren, erste Experimente damit zu machen, zu verstehen und wie man sie einsetzen könne, um Prozesse zu optimieren und Arbeit zu verbessern. Andererseits aber sagte er, ihr Einsatz müsse auch über Betriebsvereinbarungen eben mit den Beschäftigten gestaltet werden. In Richtung der Delegierten sagte er: „Und der Appell natürlich auch an Sie, wo Sie in den entsprechenden Mitbestimmungsorganen sitzen, blockieren Sie KI-Projekte nicht voreilig, sondern sorgen Sie dafür, dass wir KI-Systeme menschengerecht und verantwortungsvoll gestalten, dass wir die Potenziale erkennen und dass wir das Beste daraus machen für die Wirtschaft, aber auch für den Einzelnen und für unsere Gesellschaft.“

    Das größte Potenzial der KI bestehe darin, wenn Mensch und künstliche Intelligenz zusammenwirken. Künstliche Intelligenz brauche den Menschen. Menschen, die die KI trainieren. Und Menschen, die die Ergebnisse der KI interpretieren könnten. Und KI brauche Menschen, die im Betrieb des KI-Systems dafür sorgen, dass die KI optimiert und korrigiert wird, dass sie auch nachhaltig funktioniere.

    Die traditionelle Arbeitswissenschaft schaue noch zu sehr auf die möglichen negativen Folgen von neuer Technik, auf die negativen Aspekte. Man solle aus Peissners Sicht bei neuer Technologie aber zunächst auch einmal auch auf die positiven Möglichkeiten für den Menschen blicken.

    Sein Fazit: „Wir müssen es hinbekommen, gerade bei dem Thema KI, die Menschen nicht zu Betroffenen zu machen, sondern zu Mitgestaltern. Und wir müssen etablierte Konzepte komplett neu denken.“