Berichte

    Antragsblock D wie Digitalisierung

    Wider die prekäre Plattformökonomie

    Leipzig, 26. September 2019 – Wie sinnvoll neue Technologien und Künstliche Intelligenz, KI, eingesetzt werden können, hat der 5. ver.di-Bundeskongress selbst gezeigt. Erstmals standen allen Delegierten und auch allen ver.di-Mitarbeiter*innen sämtliche Anträge und Unterlagen digital zur Verfügung. Und sie standen nicht nur auf einer geschützten Plattform bereit, sondern wurden auch in Sekundenschnelle aktualisiert. So schnell kommt schreibend niemand mit. Und auch keine Druckerei, wenn die zigste kleine Änderung in eine Formulierung während der Antragsdebatten hinzugefügt wird.

    Die Gestaltung der Digitalisierung wird in Zukunft ein wichtiges Thema im Bereich Gute Arbeit sein Kay Herschelmann Die Gestaltung der Digitalisierung wird in Zukunft ein wichtiges Thema im Bereich Gute Arbeit sein  – Die Gestaltung der Digitalisierung wird in Zukunft ein wichtiges Thema im Bereich Gute Arbeit sein


    Dass die Digitalisierung und KI sehr hilfreich und arbeitsentlastend sein können, hatte vor der Antragsberatung zum Block D, Digitalisierung in Arbeitswelt und Gesellschaft, schon Matthias Peissner vom Fraunhofer Institut für anwendungsorientierte Forschung in seinem Einführungsreferat deutlich gemacht. Einer stichprobenartigen Umfrage seines Instituts zufolge glaubten zwar 90 Prozent der Befragten, dass KI in Zukunft den Menschen die Arbeit ab-, beziehungsweise wegnehme. Peissner sieht aber eine andere Zukunft. „Roboter ersetzen in der Zukunft den fehlenden Menschen“, so der Wissenschaftler in Anbetracht demografischer Entwicklungen. Und was sich zudem ändern werde, seien die Anforderungsprofile für Beschäftigte, und zwar massiv. Aber nicht nur die Beschäftigten müssten sich qualifizieren, sondern auch die Unternehmen müssten sich für die Veränderungen fit machen. Darin konnten ihm die Delegierten gut folgen, schließlich standen auch in dem Leitantrag „Künstliche Intelligenz und neue Arbeitsformen gemeinwohldienlich und menschengerecht gestalten“ genau diese Aspekte im Mittelpunkt.

    Was ver.di fordert

    Generell fordert ver.di, dass KI ethischen, demokratischen und sozialen Standards entsprechen muss. Sie muss transparent und nachweislich jederzeit beherrschbar sein. Bevor KI eingesetzt wird, muss verbindlich geprüft werden, ob das Gefahren mit sich bringt. Gefährdungen durch KI sind verbindlich von vornherein auszuschließen. Es müssen mehr sozial abgesicherte Arbeitsplätze geschaffen, als durch KI abgebaut werden – Arbeit muss gerecht verteilt werden. Und die Gewinne durch KI müssen allen zugutekommen. Ein Teil könne etwa in Weiterbildung und gesundheitliche Prävention sowie in Arbeitszeitverkürzung fließen, um nur die wichtigsten Punkte zu nennen. Die wichtigste Voraussetzung bleibt bei allem: Die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen müssen so früh wie möglich schon in die KI-Gestaltung eingebunden werden. 

    Konkret wird ver.di vor allem neue Arbeitsformen wie Agilität und Plattformarbeit, also das sogenannte Crowdwork, begleiten und sich dabei für Gute Arbeit einsetzen, Empfehlungen für kollektive Regelungen erstellen und über das Thema informieren. Ist doch diese Form der digitalen Arbeit am häufigsten von prekären Bedingungen gezeichnet.

    Text: Petra Welzel