Berichte

    Philip Jennings, UNI Global Union

    „Was habt ihr mit Merkel gemacht?“

    Philip Jennings weiß zu begeistern. Am Montagnachmittag riss der Generalsekretär des internationalen Gewerkschaftsdachverbands UNI Global Union die Delegierten von ihren Stühlen. Der Waliser sprach deutsch, nur einleitend einen englischen Satz: „ver.di is rising – I love it!“

    „Was habt ihr mit Merkel  gemacht?“, fragte er – als Augenzeuge des von gegenseitigem Respekt geprägten Eröffnungsabends – den ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske: „1,5 Millionen Streiktage haben die Kanzlerin von Deutschland verändert. Es zeugt von eurer Macht, wenn Merkel sagt, ‚ver.di kann man nicht ignorieren‘. Das ist wunderbar!“

    Philip Jennings, links, Generalsekretär der Gewerkschaftsinternationalen UNI Global Union, begeistert die Delegierten. Kay Herschelmann Philip Jennings, links, Generalsekretär der Gewerkschaftsinternationalen UNI Global Union, begeistert die Delegierten.


    Gemeinsam mit ver.di wehre UNI sich gegen die weltweiten Angriffe auf das Streikrecht. Am 4. Oktober beispielsweise würden in Manchester 100.000 Menschen erwartet, um gegen die Antistreikgesetze der britischen Regierung zu protestieren.

    Philip Jennings zeigte sich begeistert von der „Energie, Leidenschaft und Bewegung“ der „jungen Stimmen, die gegen Fremdendfeindlichkeit und Rassismus ansingen“. Dies sei für ihn Deutschland, „nicht die Verrückten“.  Die Rolle der Frauen bei UNI – „die Hälfte unserer rund zwanzig Millionen Mitglieder“ – hob der UNI-Generalsekretär besonders hervor: „Wir sind weltweit die stärkste Frauenbewegung!“

    Ausdrücklich verwahrte Jennings sich gegen die menschenverachtenden Geschäftspraktiken globaler Konzerne wie Amazon und Google. An Jeff Bezos, den Gründer und Chef von Amazon, möchte er twittern: „Jeff, du bist reich, du gehörst zu dem einen Prozent, du hast ein Raumschiff auf unserer Erde, respektiere unsere Ehre und Würde – Jeff, yes you can!“

    Der Gewerkschafter erinnerte an den Einsturz eines Gebäudes in Sabhar, Bangladesch, der am 24. April 2013 mehr als 1.100 Textilarbeiterinnen das Leben kostete. Er versprach: „Wir werden die Spielregeln in der Lieferkette verändern.“ Inzwischen gebe es bereits ein globales Abkommen, demzufolge nun 1.800 Unternehmen inspiziert würden. Auch deutsche Betriebe wie KiK müssten zur Unterschrift gedrängt werden.

    Mit den Worten von Martin Luther King forderte Jennings das Plenum auf, „den Bogen für Gerechtigkeit zu biegen“. Der deutschen Bevölkerung dankte er ausdrücklich dafür, „dass sie während der Flüchtlingskrise ihr Herz geöffnet hat“. Er sei „stolz, hier bei euch zu sein – gemeinsam gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“.

    Mahnend sprach der Generalsekretär: „Banken waren zu groß, um unterzugehen.“ Aber was geschehe mit der Welt? Was habe das neoliberale Wirtschaftsprojekt nur angerichtet – Klimakatastrophe und Ungleichheit, Fluchtbewegungen und Arbeitslosigkeit! „Deshalb müssen wir kämpfen gegen die Handelsabkommen TTIP, CETA und TISA" - zum Beispiel mit der Teilnahme an der Großdemo am 10. Oktober in Berlin.

    „Wir sind in der Offensive, und wir schöpfen Mut aus eurem Mindestlohn.“ UNI kämpfe weiter für das globale Ziel menschenwürdiger Arbeit. Und – ganz aktuell – er freue sich, dass in Griechenland „Syriza gewonnen hat“.

    „It`s okay?“ fragte Philip Jennings am Ende seiner Rede verschmitzt den ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske. Da war der Saal schon längst stehend am Klatschen.