Berichte

    Dr. Kira Marrs, ISF München

    Digitalisierung 4.0 für den Menschen gestalten

    „Nicht die Digitalisierung an sich ist das Problem, sondern das, was wir daraus machen.“ Mit dieser These begann die Wissenschaftlerin vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) München, Dr. Kira Marrs, ihren Vortrag als Einstieg in die Antragsberatung zum Themenkomplex Digitalisierung 4.0.

    Dr. Kira Marrs, ISF, München sprach auf dem 4. ver.di Bundeskongress zu Digitalisierung 4.0 Kay Herschelmann Dr. Kira Marrs, ISF München

    Ob Automobilindustrie, Onlinebestellung oder Callcenter, die Digitalisierung 4.0 verändert alle Arbeitsplätze, skizzierte sie kurz. Doch es gehe nicht nur – wie bisher – um das Umwandeln von Informationen in digitale Formen, damit eine Maschine damit logisch operieren könne. Das sei ein „alter Hut“, sagte Marrs. Jetzt gehe es aktuell um das Entstehen eines weltweiten Informationsraums.

    Ein „sozialer Handlungsraum“ sei entstanden, der die Menschen miteinander vernetze. Arbeitswelt und Lebenswelt seien neu vernetzt. Und davon seien sämtliche Arbeitsprozesse sowie Unternehmen betroffen. Mit Folgen für die Menschen, die Überwachung und Kontrolle an ihren Arbeitsplätzen erleben. Für Menschen, die ihre Arbeitsleistung über das Internet anbieten und miteinander in Konkurrenz treten. Und für Menschen, die in Betrieben vollkommen transparent sind und deren Verhalten gesteuert wird. 

    Wo bleibt der Mensch?

    Angesichts des grundlegenden Wandels, der durch die Digitalisierung 4.0 entstehe, stelle sich die Frage, welche Rolle der Mensch noch spielt und wo er bleibt. Hieran knüpften sich viele weitere Fragen an, sagte Marrs: Wie kann die Entwicklung im Sinne der Menschen gestaltet werden? Wie kann die Arbeitswelt nachhaltig human gestaltet werden? Wie wird mit Überwachung und Kontrolle umgegangen?

    Eine positive Entwicklung wäre eine „Humanisierung der Arbeit“. Dazu gehöre es, die Kommunikation zwischen Menschen zu fördern, die Chancen und Potenziale in der Arbeit zu nutzen und eine Demokratisierung in der Arbeitswelt zu erreichen. Ob es um Kundenbeziehungen in Banken gehe, um Erfahrungswissen im Einzelhandel oder das Entstehen von hochqualifizierten Dienstleistungstätigkeiten, die digitale Gesellschaft werde nicht ohne die Menschen zu haben sein. „Wir müssen das Heft des Handelns übernehmen!“ Marrs forderte dazu auf, den Strukturwandel der Arbeit aktiv zu begleiten und nicht tatenlos zuzusehen, wenn das „Regulationssystem der Arbeit unter dem Druck der Digitalisierung erodiert“. Es gehe darum, die Digitalisierung im Sinne der Menschen zu gestalten.

    Diskussion zu Digitalisierung und Dienstleistungspolitik

    In der anschließenden Beratung der Anträge haben die Delegierten unter anderem festgestellt, dass es mit Blick auf die Digitalisierung wichtig ist, den Zusammenhang von Guter Arbeit, Guten Dienstleistungen und Gemeinwohlorientierung in den Blick zu nehmen. Das sei eine gesamtgesellschaftliche Gestaltungsaufgabe, an der sich ver.di intensiv beteiligen werde (E001). Die Delegierten haben beschlossen, dass die Persönlichkeitsrechte  im Arbeitsleben geschützt sein müssen und ver.di sich dafür einsetzt, dass der Beschäftigtendatenschutz in einem eigenständigen Gesetz geregelt wird (E005). ver.di lehnt die Vorratsdatenspeicherung von Kommunikationsdaten und die Bespitzelung durch in- und ausländische Geheimdienste ab (E011), setzt sich für ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz ein (E013) und wird die Initiative Gute Arbeit und Gute Dienstleistungen (Dienstleistungspolitik 4.0) weiter ausbauen (E015).