Berichte

    Anträge und Gäste

    Der fünfte Tag: Gute Arbeit, Gute Dienstleistungen

    Dr. Kira Marrs, ISF, München sprach auf dem 4. ver.di Bundeskongress zu Digitalisierung 4.0 Kay Herschelmann Dr. Kira Marrs, ISF München

    Der fünfte Tag des ver.di-Bundeskongresses begann mit der Antragsberatung. Kira Marrs, Wissenschaftlerin vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) München, führte mit ihrem Vortrag in den ersten Schwerpunkt der Antragsberatung, das Thema Digitalisierung 4.0 ein. Angesichts des grundlegenden Wandels, der durch die Digitalisierung entstehe, plädierte sie für eine Humanisierung der Arbeit und sagte: „Es geht darum, die Digitalisierung im Sinne der Menschen zu gestalten.“

    Anschließend diskutierten die Delegierten eine Reihe von Anträgen zu diesem Thema. Sie beschlossen unter anderem, mit Blick auf die Digitalisierung sei es wichtiger denn je, den Zusammenhang von Guter Arbeit, Guten Dienstleistungen und Gemeinwohlorientierung in den Blick zu nehmen. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Gestaltungsaufgabe, an der sich ver.di intensiv beteiligen wird.

    Im Sachgebiet „Bildungspolitik/Berufliche Bildung“ sprachen sich die Delegierten dafür aus, die Durchlässigkeit von Bildungs- und Ausbildungswegen zu erhöhen und Beruflichkeit zu stärken. Außerdem soll der Bund sich dauerhaft an der Grundfinanzierung von Hochschulen beteiligen. Außerdem sollen Studierende unabhängig von ihrem Alter Bafög beantragen können, da sich immer mehr Menschen im fortgeschrittenen Alter für ein Studium entscheiden.

    Weibliche Delegierte Kay Herschelmann Weibliche Delegierte

    Im Sachgebiet „Öffentlich ist wesentlich" wurde beschlossen, dass die Eurokrise mit Mitteln der Wirtschafts-, Konjunktur- und Investitionspolitik überwunden werden soll. Dazu zählt auch eine öffentliche Investitionsoffensive zur Überwindung des Investitionsstaus. Investiert werden soll sowohl in die Kerninfrastruktur ebenso wie in die soziale Infrastruktur. Die Europäische Union soll aufgefordert werden, Wirtschaftsprogramme ins Leben zu rufen, um Arbeits- und Ausbildungsplätze für Jugendliche zu schaffen, damit die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa gesenkt werden kann.

    Befristungen begrenzen

    Im Sachgebiet „Tarifpolitik“ wurden zahlreiche Anträge an den Bundesvorstand als Arbeitsmaterial weitergeleitet. Nach der Struktur von ver.di ist es nicht möglich, dass der Kongress Beschlüsse fasst, die den Tarifkommissionen konkrete Vorgaben für ihre Forderungen macht. Dazu zählt auch das Ziel, tarifvertraglose Beschäftigungsverhältnisse und solche unterhalb der Niedriglohnschwelle abzuschaffen. Ebenso sollen Befristungen durch Tarifverträge möglichst begrenzt werden. 

    Abstimmung Kay Herschelmann Abstimmung

    Der Kongress hat im Sachgebiet A festgelegt, dass Gute Arbeit ein wichtiges Thema für ver.di bleibt – und ver.di das Engagement ausbauen und fortführen wird. Unterschiedliche Formen prekärer Arbeit waren Thema in den Diskussionen. Es wurde deutlich, dass jeder Mensch von seiner Arbeit leben können sollte und auch die Rente reichen sollte. Jeder Mensch hat ein Recht auf Gute Arbeit, so wie es bereits als Auftrag in der ver.di-Grundsatzerklärung steht. 

    Spende für die Flüchtlingsarbeit

    Zwei von knapp 2.000 Flüchtlingen, die auf dem Leipziger Messegelände in einer Nachbarhalle untergebracht sind, berichteten vor den Delegierten von ihrer Unterbringung. Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske und die Gewerkschaftsratsvorsitzende Monika Brandl überreichten einem Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes, das sich um die Betreuung der Flüchtlinge kümmert, einen Scheck in Höhe von 10.000 Euro und eine Kiste mit Kinderbüchern. 

    Eine Delegation von Streikenden aus verschiedenen Amazon-Standorten besuchte den Kongress. Sie schilderten ihren Kampf um einen Tarifvertrag, führten auf, was sie bislang schon erreicht haben und bedankten sich bei den Delegierten für die Unterstützung ihre Arbeitskampfes – stellvertretend für die breite Unterstützung die sie durch ver.di aber auch darüber hinaus erfahren haben.

    Kolumbianische Gewerkschaft unterstützt

    Maria Clara Baquero, Präsidentin der kolumbianischen Gewerkschaft Adodefensa, schilderte eindringlich und emotional die jahrelange Zusammenarbeit zwischen ver.di und ihrer Gewerkschaft. Sie dankte für die mutige Unterstützung zum Beispiel durch Besuche von deutschen Gewerkschaftsdelegationen in dem südamerikanischen Land, durch die es gelungen ist, Öffentlichkeit für die verfolgten Gewerkschafter/innen in Kolumbien und darüber hinaus zu schaffen. 

    Am Mittwochabend hatten sich Gewerkschafter/innen an einer Demonstration gegen eine Legida-Veranstaltung beteiligt. Dabei waren einige von ihnen durch die Polizei eingekesselt worden. Der Bundeskongress hat die Polizeigewalt gegen antirassistische Proteste in Leipzig scharf verurteilt. Die fast 1.000 Delegierten verabschiedeten eine Resolution, in der der ver.di-Bundesvorstand aufgefordert wird, gegen Einkesselungen und rechtswidrige Maßnahmen gegenüber Demonstrant/innen vorzugehen. Die sächsische Landesregierung wird aufgefordert, unverzüglich gegenüber dem ver.di-Bundeskongress zum dem Polizeieinsatz Stellung zu nehmen.

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