Berichte

    1,5 Millionen Streiktage in 2015

    Der zweite Tag: Geschäftsbericht belegt Vielfalt und Stärke

    Der 4. ver.di-Bundeskongress hat seine Arbeit begonnen. Nach der Eröffnung am Vorabend stand der Montag im Zeichen von Geschäftsberichten und der Aussprache darüber. Vorab wurden die in der Satzung vorgeschriebenen Regularien zur Konstituierung erfüllt. Dazu gehörte der Beschluss über die Tagesordnung, die Annahme der Wahl- und Geschäftsordnung und die Wahl der Mandatsprüfungskommission. Ein Antrag, die Tagesordnung zu ändern und zunächst die Vertreter/innen der Fachbereiche zu wählen und erst danach die weiteren Bundesvorstandsmitglieder, fand keine Mehrheit. Die vorgeschlagene Tagesordnung wurde bei nur wenigen Gegenstimmen beschlossen.

    Delegierte beim 4. ver.di-Bundeskongress Kay Herschelmann Delegierte beim 4. ver.di-Bundeskongress


    „Sich seiner Vergangenheit bewusst sein, heißt Zukunftsfähigkeit“, leitete die ehrenamtliche Vorsitzende des Gewerkschaftsrats, Monika Brandl, in das Tagesthema ein und benannte „gewichtige Kugeln“, die angeschoben wurden. Dazu zählte sie den Organisationsprozess „Perspektive 2015“, der drei Arbeitsaufträge verfolgt: eine erfolgreiche Betriebs- und Tarifarbeit, gut organisierte hauptamtliche Betreuung und Beratung sowie die Bündelung der internen Verwaltungsaufgaben.

    Die Vielfalt und Stärke von ver.di – gemäß dem Kongressmotto – wurde im mehr als zweistündigen Geschäftsbericht des Vorsitzenden Frank Bsirske deutlich. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns bezeichnete er als „historischen Erfolg“ für die deutsche Gewerkschaftsbewegung. „Mehr Lohn, mehr Beschäftigung, mehr Gerechtigkeit, das ist ein Erfolg für uns alle“, sagte Bsirske. Das eindrucksvolle Spektrum der Gewerkschaftsarbeit der letzten vier Jahre zeige die Vielfalt, mit der es ver.di zu tun hat in den Berufen und Fachbereichen. ver.di sei, bezogen auf die Zahl der erwerbstätigen Mitglieder, die mitgliederstärkste Organisation im DGB und steuere im laufenden Jahr auf ein Mitgliederplus zu.

    76,5 Prozent Erwerbstätige, 16,2 Prozent Ruheständler, 5,1 Prozent Erwerbslose, erläuterte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende, Frank Werneke, die Mitgliederstruktur im anschließenden Finanzbericht und sagte kritisch: „Wir verlieren zu viele Mitglieder in der ersten Phase nach dem Eintritt und im Übergang zum Ruhestand.“ Auch in Zukunft brauche ver.di steigende Beitragseinnahmen. Das Vermögen für Arbeitskämpfe sei aber vorhanden: „Wir sind in der Lage, alle notwendigen Auseinandersetzungen zu führen. Wir verfügen über die nötige Stärke und wir verfügen über die nötige Finanzkraft.“

    Bei den Aussprachen zum Geschäftsbericht wurden aktuelle Tarifkonflikte gewürdigt, aber auch Wünsche für die Zukunft aus den Betrieben geäußert, wie etwa den arbeitsfreien Sonntag im Handel, Abkehr von Tarifflucht, Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe, eine gesetzliche Personalbemessung an Krankenhäusern und mehr Pflegekräfte.

    Solidarische Grüße von der UNI Global überbrachte ihr Generalsekretär, Philip Jennings. Er betonte: „Ihr habt Frau Merkels Respekt gewonnen. 1,5 Millionen Streiktage haben die Kanzlerin von Deutschland verändert. Es zeugt von Eurer Macht, wenn Merkel sagt, ver.di kann man nicht ignorieren.“

    Erfolgreiche Werberinnen und Werber wurden beim ver.di-Bundeskongress geehrt. Karsten Thielker Erfolgreiche Werber/innen wurden beim ver.di-Bundeskongress geehrt

     

    ver.di-Werber wurden gefeiert

    Unter dem Motto „Stark mit Dir“ stand die ver.di-Mitgliederwerbeaktion von April bis Ende Juni diesen Jahres. Mitglieder werben neue Mitglieder – das war die Idee. Und 19.000 aktive Werberinnen und Werber haben sich beteiligt. Ihr Erfolg: 60.000 neue ver.dianerinnen und ver.dianer. Die elf erfolgreichsten Werber/innen, zwei teilten sich den zehnten Platz, wurden am zweiten Kongresstag gefeiert.

    Die meisten Kolleginnen und Kollegen haben geworben: Jürgen Kallert, Zabit Cil, René Steinborn, Melanie Hackstette, Björn Borgmann, Thomas Nicolai, Ayfer Arayici, Herbert Scheuerer, Kerstin Löhrer und Siegfried Wartenberg. Aaron Williams gehört ebenfalls dazu, konnte aber leider nicht nach Leipzig kommen. Er bekommt seine Urkunde zugeschickt. Außerdem wurden noch die beiden besten Rückholer geehrt, Hans Naumann und Hans-Jürgen Hoffmann. Sie haben bereits viele ehemalige Mitglieder zur Rückkehr bewegt.

    Stellvertretend für alle erfolgreichen Werber/innen sprach Jürgen Kallert aus Nürnberg vor dem Kongress. „Ja, wie geht das? Das werde ich oft gefragt“, sagte er den Delegierten. „530 neue Mitglieder! Aber das habe ich nicht allein geschafft, natürlich nicht! Ich habe eine hervorragende Mannschaft im Betriebsrat und in der Betriebsgruppe.“ Zusammen haben sie so viele Neue geworben. „Unsere Betriebsgruppe wandert jetzt in Richtung 80 Prozent ver.di-Mitglieder.“ Und das werde klappen.