Berichte

    Ein Bruch der Sozialpartnerschaft

    Dinge, die ein österreichischer Gewerkschafter so erlebt

    Was gibt es schon noch zu sagen auf einem Gewerkschaftskongress, wenn man der letzte geladene Gastredner aus dem Ausland ist und im Prinzip schon alles gesagt worden ist. Zu internationaler Solidarität, gemeinsamen Kämpfen, gemeinsamen Projekten und den hohen Stellenwert der Gewerkschaft, die geladen hat. Wolfgang Katzian, der Vorsitzende der österreichischen Gewerkschaft GPA - djp, hat sich gedacht, er erzähle einfach mal, was er so in den letzten Tagen als Gewerkschafter in Österreich erlebt hat. Und das hat dann die ver.di-Delegierten in Staunen versetzt.

    Wolfgang Katzian, der Vorsitzende der österreichischen Gewerkschaft GPA - djp Foto: Kay Herschelmann Wolfgang Katzian, der Vorsitzende der österreichischen Gewerkschaft GPA - djp

    Über die gerade angelaufene Tarifrunde bei den österreichischen Metallern berichtete Wolfgang Katzian von einem ungeheuerlichen Vorgehen der Arbeitgeber. Die hätten nämlich ganz frech gefordert, die Gewerkschaft solle erstmal bei der Regierung dafür Sorge tragen, dass diese die Forderungen der Arbeitgeber erfülle, dann könne man auch über Lohnerhöhungen der Beschäftigten reden. „Ihr könnt euch vorstellen, was wir gesagt haben: Niemals werden wir das tun“, sagte Katzian. Unter Beifall rief er: „Das ist eine absolute Frechheit, ein Bruch der Sozialpartnerschaft!“

    Die Sozialpartnerschaft ist das entscheidende Thema in der Rede Katzians. An ihr dürfe nicht gerüttelt werden. 97 Prozent aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Österreich arbeiteten unter verbindlichen Tarifverträgen. Und das solle auch so bleiben. Erst unlängst habe ein Industrieller gesagt, die Sozialpartnerschaft sei etwas für den „Müllhaufen der Geschichte“. Katzian hat auf solches Ansinnen eine klare Antwort: „Wer uns auf den Müllhaufen der Geschichte verbannen will, liebe Kolleginnen und Kollegen, der hat erstens gar nichts verstanden und ist zweitens selbst ein Fall für den Müllhaufen der Geschichte.“

    ver.di ist für Katzian ein ebensolcher Garant für das Festhalten an der Sozialpartnerschaft, darüber hinaus etwas, „was man, wenn es dies nicht gäbe, ganz schnell erfinden und gründen müsste.“ Nicht zuletzt deshalb ist er bisher noch zu jedem ver.di-Bundeskongress gekommen. Und ließ keinen Zweifel daran, auch zum nächsten kommen zu wollen.