Berichte

    Dank und Bitte aus Kolumbien

    Maria Clara Baquero ist zum vierten Mal dabei

    Was in Kolumbien passiert, erfahren die Teilnehmer/innen an ver.di-Bundeskongressen stets aus erster Hand und aus berufenem Mund: Maria Clara Baquero ist nach 2003, 2007 und 2011 nun schon zum vierten Male dabei. Die Präsidentin der Gewerkschaft Asodefensa vertritt Beschäftigte, die dem kolumbianischen Verteidigungsministerium unterstehen – einschließlich Streitkräften und Bundespolizei.

    Maria Clara Baquero, Präsidentin von Afodefensa, Kolumbien Kay Herschelmann Maria Clara Baquero

    Internationale Solidarität weiß sie besonders zu schätzen – mit Flüchtlingen und unter Gewerkschaften. Vier Monate vor ihrem ersten Besuch bei ver.di hatte ihr damals 17-jähriger Sohn sein Land verlassen müssen, weil er „mit dem Tode bedroht wurde“, falls seine Mutter ihre Gewerkschaftsarbeit nicht beende. Als Kolumbianerin wisse sie „sehr gut, was es bedeutet, wenn Menschen Zuflucht suchen“ – wie die 2.000 Flüchtlinge in der benachbarten Halle 4 der Leipziger Messe.

    Überschwänglich dankte Maria Barquero ver.di für die Unterstützung in den vergangenen Jahren. Sie habe Kraft und Mut gegeben, „unseren Einsatz fortzusetzen, Tausenden von Beschäftigten im Dienste der bewaffneten Sicherheitskräfte ihre Würde, die Wahrung der Menschenrechte und ein friedliches Arbeitsumfeld zu gewähren“.

    „Etwas noch nie Dagewesenes!“

    Ausdrücklich hob sie das Engagement der Soldaten Michael Peters, Jürgen Soldner und Matthias Moseler „in Begleitung von drei tatkräftigen Frauen – Monika Brandl, Isolde Kunkel-Weber und Kerstin Kamischke“ – hervor: Mit Seminaren in der Hauptstadt Bogotá und in Cartagena hatten sie im November 2011 den kolumbianischen Militärangehörigen zu deren Erstaunen gezeigt, „dass Uniform und Miliz dem universellen Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren, nicht entgegenstehen“.

    Erstmals hatten die beiden Gewerkschaften damals zusammen auch „eine kolumbianische Militäreinheit besucht: den Marinestützpunkt in Cartagena“. Und viele Angehörige von Militär und  Polizei „konnten es einfach nicht fassen“, dass die mächtige Gewerkschaft dorthin gekommen war, um die Arbeit von Asodefensa zu unterstützen: „Es war der offensichtlichste Beweis internationaler gewerkschaftlicher Solidarität, etwas noch nie Dagewesenes!“

    „ver.di ist Vorbild für Asodefensa“

    Im Mai 2012 folgte Isolde Kunkel-Weber vom ver.di-Bundesvorstand der Einladung des damaligen Vizepräsidenten Kolumbiens, Angelino Garzón, um im Rahmen des sozialen Dialogs vor mehr als 2.000 Personen Gleichheit und Respekt, Freiheit und soziale Gerechtigkeit im Land zu verlangen.

    Im Kampf um Streikrecht und Tarifverhandlungen sei ver.di für Asodefensa ein Vorbild, „denn ein großer Teil unserer Arbeiter hat nicht das Recht, auf die Straße zu gehen, um zu protestieren“. Wer es trotzdem tue, werde verfolgt und als kriminell abgestempelt. Also hat die Gewerkschaft die Nationalregierung und das Verteidigungsministerium aufgefordert, die Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen, die zwar „im Jahre 2002 unter großen Anstrengungen begonnen wurden“, aber seit einigen Jahren eingestellt sind. Fortschritte gebe es, so Maria Baquero, immer nur dann, wenn wir „die Unterstützung von ver.di erfahren“.

    „Hoch die internationale Solidarität!“

    Deshalb die Bitte an ver.di, „wieder nach Kolumbien zu kommen und dort Präsenz zu zeigen“, um Kolumbiens Regierung die versprochenen Tarifverhandlungen und Gewerkschaftsrechte abzuringen. Auch die deutsche Bundesregierung müsse den Präsidenten „in diesem Friedensprozess unterstützen“. Geholfen würde damit auch “Tausenden von Arbeitern und Arbeiterinnen im Militär, die die Uniformen der Militärangehörigen anfertigen“. Ihnen drohe akut die Gefahr, „durch Leiharbeit ihre Arbeitsplätze zu verlieren“. Dann würden viele Familien „an Hunger leiden, Not und Trostlosigkeit erfahren“. Mit stehenden Ovationen und dem Ruf „Hoch die internationale Solidarität!“ verliehen die Delegierten diesem Wunsch ihren Nachdruck.