Berichte

    Chris Shelton, Präsident CWA

    „T-Mobile, wir erwarten Besseres“

    „Die US-Beschäftigten werden von T-Mobile wie Beschäftigte zweiter Klasse behandelt“, kritisierte Chris Shelton, Präsident der CWA, Communication Workers of America, die Deutsche Telekom auf dem 4. ver.di-Bundeskongress. Ein Film zu Beginn seines Vortrags zeigte, wie es bei T-Mobile US zugeht. Das Management versucht in dem amerikanischen Tochterunternehmen gezielt, gewerkschaftliche Organisation zu verhindern. Und das mit harten Methoden. Die Beschäftigten werden abgemahnt, unter Druck gesetzt und mit allen Mitteln eingeschüchtert – bis hin zu Kündigungen, wenn sie sich für eine gewerkschaftliche Vertretung am Arbeitsplatz einsetzen.

    Chris Shelton, Präsident CWA, auf dem 4. ver.di-Bundeskongress Kay Herschelmann Chris Shelton, Präsident CWA

    Doch eine gewerkschaftliche Vertretung ist dringend nötig angesichts der harten Arbeitsbedingungen in dem amerikanischen Tochterunternehmen. Shelton berichtete von unrealistischen Leistungsvorgaben, von Druck und von Schikanen – beispielsweise in einem Callcenter, in dem Beschäftigte eine „Eselskappe“ tragen müssen, wenn sie die Anforderungen nicht erfüllt haben. Auch missglückte Telefonate mit Kunden seien schon vor der Belegschaft abgespielt worden. In elf Fällen wurde T-Mobile US wegen Arbeitsrechtsverstößen verurteilt. Doch bis heute habe das Unternehmen sich geweigert, dem Urteil der Richterin Folge zu leisten. Über ein Dutzend Beschwerden gegen T-Mobile US liegen vor.

    ver.di und ihre Schwestergewerkschaft CWA stehen den Beschäftigten gemeinsam zur Seite. Im Rahmen der Kampagne „We expect better – Wir erwarten Besseres“ ist erst vor kurzem eine Online-Petition zur Organisationsfreiheit bei T-Mobile US in den Bundestag eingebracht worden, die von 45.000 Menschen hier in Deutschland unterschrieben wurde. Die Petition fordert die Bundesregierung auf, die Einhaltung von Arbeitnehmerrechten bei T-Mobile US zu kontrollieren und darauf hinzuwirken, dass die Deutsche Telekom AG an allen ihren Standorten die ILO-Standards umsetzt und Arbeitnehmer/-innen nicht darin behindert, sich gewerkschaftlich zu organisieren.

    „Trotz der Einschüchterungen und des Drucks entscheiden sich Beschäftigte jeden Tag, sich der Gewerkschaft anzuschließen.“

    Chris Shelton, Präsident CWA

    Die gemeinsame Arbeit der Gewerkschaften sei die einzig richtige Antwort auf die Globalisierung, betonte Shelton. „Trotz der Einschüchterungen und des Drucks entscheiden sich Beschäftigte jeden Tag, sich der Gewerkschaft anzuschließen.“ Der Widerstand sei ungebrochen. Die gewerkschaftliche Kooperationsplattform TU von ver.di und CWA sei die innovativste und effektivste Antwort auf die „Teile- und Herrsche-Mentalität der Globalisierung“. Besonders verärgert zeigte sich Shelton darüber, dass die Telekom sehr wohl wisse, wie man Beschäftigte mit Respekt behandelt. Das Unternehmen wisse, dass „der Himmel nicht zusammenbricht“, wenn man eine gute Beziehung mit der Gewerkschaft habe, weil die Telekom Deutschland seit vielen Jahren mit ver.di zusammenarbeitet. Er forderte: „Wir erwarten Besseres. Die Telekom kann besser. Die Telekom muss besser.“ Und er fragte die Delegierten: „Seid ihr bereit, den Kampf bei T-Mobile zu unterstützen, und gemeinsam mit euren Kolleginnen und Kollegen in den USA und darüber hinaus zu kämpfen?“ Die Antwort war stehender Applaus.