Bundeskongress 2015

    Stärke. Vielfalt. Zukunft.

    4. ver.di-Bundeskongress: Kanzlerin kam zur Eröffnung

    Der 4. ordentliche ver.di-Bundeskongress ist eröffnet. Der Kölner Jugendchor St. Stephan und die Berliner Band Voca You sangen in der Messe Leipzig „Menschen sind bunt und nicht braun“ – ein passendes Motto, denn der Wunsch nach einer bunten Gesellschaft ohne Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zog sich durch das zweistündige Eröffnungsprogramm. „Das passt zu uns“, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske und zitierte mit „uns alle verbindet das gleiche Band, lasst uns beieinander stehen“ eine weitere Passage aus dem Lied.

    Jugendchor St. Stephan und Voca You Kay Herschelmann Jugendchor St. Stephan und Voca You


    Gemeinsam mit Monika Brandl, der Vorsitzenden des ver.di-Gewerkschaftsrats, hieß er die rund 1.000 Delegierten, die Vertreter/innen der DGB-Gewerkschaften, aber auch Kolleg/innen aus Europa und der Welt zu der Veranstaltung willkommen. „An Ihnen kommt man nicht vorbei“, eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel, CDU, ihre Rede. Sie würdigte den Einsatz ver.dis für faire Arbeitsbedingungen und für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns. Den habe sie zwar nicht von Anfang an befürwortet, aber mittlerweile finde sie ihn wichtig, da immer weniger Menschen unter den Schutz von Tarifverträgen fallen, sagte die Kanzlerin.

    Frank Bsirske und Monika Brandl Kay Herschelmann Frank Bsirske und Monika Brandl

    Jetzt stünden Regelungen zu Leiharbeit und Werkverträgen an, da wolle sie mit den Gewerkschaften im Dialog bleiben. Doch es gab nicht nur Übereinstimmung. Das geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA hält die Kanzlerin für notwendig, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Die Schuldenbremse rechtfertigte sie als Frage der Generationengerechtigkeit.

    Dem widersprach der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. Es sei nicht gerecht, unseren Nachkommen eine marode Infrastruktur zu hinterlassen. Die zeige sich schon heute an allen Ecken im Land.

    Der DGB-Vorsitzende sagte ver.di in der Kampagne um die Aufwertung der Arbeit im Sozial- und Erziehungsdienst die Unterstützung aller DGB-Gewerkschaften zu. Sie sei mehr als eine Tarifauseinandersetzung, es gehe um die Anerkennung des Wertes von Arbeit in unserer Gesellschaft. Auch Angela Merkel sprach sich dafür aus, die Arbeit mit Menschen ebenso zu bewerten wie die Arbeit mit Maschinen.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel Karsten Thielker Bundeskanzlerin Angela Merkel

    Zur Flüchtlingspolitik sagte Merkel: „Denen, die Hilfe brauchen, werden wir Hilfe leisten“, anderen müsse klar gesagt werden, dass sie nicht bleiben können. „Deutschland ist hilfsbereit, jeder kann das derzeit erleben“, sagte sie und dankte damit den zahllosen Helfer/innen in der Flüchtlingsarbeit. Allerdings sei die Aufnahme von Flüchtlingen nicht alleine eine deutsche Herausforderung, sondern eine gemeinsame europäische Aufgabe.

    Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung, SPD, erinnerte die Delegierten daran, dass in der Messehalle nebenan ein ganz anderes Leben stattfindet. Dort sind 1.900 Menschen untergebracht, geflüchtet aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern. „Egal woher diese Menschen kommen und welchen Antrieb sie haben, ob wirtschaftlich, politisch oder sonstwie verfolgt, sie brauchen und verdienen unsere Hilfe.“

    Diese klare Botschaft ging von der Eröffnungsfeier aus. In den kommenden sechs Tagen werden die Delegierten unter dem Motto „Stärke. Vielfalt. Zukunft." die Arbeit der zurückliegenden vier Jahre bewerten, einen neuen ver.di-Bundesvorstand wählen und 1.245 Anträge beraten, um die Weichen für die zukünftige Arbeit zu stellen.