Auch die digitalisierte Arbeitswelt braucht Tarifverträge

    Digitalisierung, Automatisierung und künstliche Intelligenz revolutionieren die Arbeitswelt. Sie bieten Chancen wie räumliche und zeitliche Flexibilität, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, Entlastung von monotonen, physisch anstrengenden Tätigkeiten – und schaffen neue Berufe und Aufgaben, gerade in den Bereichen Telekommunikation, IT, Medien und Finanzwirtschaft. Sie bergen allerdings auch erhebliche Risiken: Verlust von Arbeitsplätzen, räumliche und zeitliche Entgrenzung der Arbeit, permanenter Leistungsdruck und lückenlose Leistungskontrolle, Auflösung sicherer Beschäftigungsverhältnisse. Hinzu kommt, dass die Branchen, die von Arbeitsplatzverlusten betroffenen sind, andere sind als jene, in denen neue Jobs entstehen werden. Laut einer Studie der Bundesagentur für Arbeit werden vor allem im Einzelhandel, in der Logistik und in der öffentlichen Verwaltung Jobs verloren gehen, während in den Bereichen Erziehung, Bildung und Pflege neue entstehen. Was die Frage aufwirft, wie diese Veränderungen sozial verträglich bewältigt werden können. Hierzu gehören unbedingt auch Tarifverträge, die solche Umwälzungen der Arbeitswelt sinnvoll und sozial regeln.

    Digitalisierung der Arbeit
    Foto/Grafik: Alex Knight/unsplash.com

    Was müssen Tarifverträge der Zukunft leisten

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    Tarifverträge können und sollen neue Entwicklungen nicht verhindern, aber sie können dabei helfen, die Zukunft fairer zu gestalten: durch Verpflichtung der Betriebe zu Aus- und Weiterbildung, durch Arbeitsplatz- und Standortgarantien.

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    Sie müssen neuen Arbeitszeitmodellen, agilen Arbeitsprozessen und einer zeitgemäßen Work-Life-Balance Rechnung tragen. Dazu gehört auch eine lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung (z. B. Modell RV 80, reduzierte Vollzeit, 80 Prozent) und das Ermöglichen der Pflege von Angehörigen.

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    Arbeitnehmerdatenschutz sicherstellen! Überwachung, Kontrolle und Bespitzelung von Beschäftigten ist in der digitalen Welt nur allzu leicht. Von den Überwachungskameras bei Lidl bis zur Scanner-Kontrolle der Picker bei Amazon: Solche Auswüchse in Richtung „gläserne Mitarbeiter/innen“ müssen verhindert werden.

    Tarifbindung: So geht's