Rente & Soziales

    Studie zur „Rente mit 67“

    Viele halten bis zum späteren Renteneintritt nicht durch

    Anständig leben können auch im Alter Foto: Stratenschulte/dpa Anständig leben können auch im Alter


    30. April 2019 |
    Länger arbeiten, später in den Ruhestand – die meisten Menschen halten das nicht durch. Dabei sind vor allem diejenigen im Nachteil, die bereits schlechtere Karten auf dem Arbeitsmarkt haben. Für sie wird die Verschiebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters zur finanziellen Falle, denn ihre sowieso schon niedrigere Rente wird weiter verringert, wenn sie vorzeitig in den Ruhestand gehen.

    Das gesetzliche Renteneintrittsalters wurde auf 67 Jahre erhöht. Als Folge wird in den kommenden Jahren das tatsächliche Renteneintrittsalter um bis zu anderthalb Jahre auf rund 65,5 Jahre steigen. Das zeigt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) geförderte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Damit wird zwar die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, das wesentliche Ziel der „Rente mit 67“, erreicht. Der Preis dafür sind nach Analyse der DIW-Forscher jedoch höhere Ungleichheit und größere Armutsrisiken im Alter.

    Die Schwächsten trifft es am härtesten

    Der weiterhin erhebliche Unterschied zwischen gesetzlicher Regelaltersgrenze und tatsächlichem Renteneintritt zeige, dass viele Menschen vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden müssen. Das Risiko, nicht durchzuhalten, sei hier für Beschäftigte mit mittlerem oder niedrigerem Bildungsabschluss spürbar höher als für Arbeitnehmer*innen mit höherer Bildung. „Gerade für Menschen, die ohnehin auf dem Arbeitsmarkt schlecht dastehen, wird es schwierig sein, sich an die neuen Altersgrenzen anzupassen. Die spätere Rente trifft also die Schwächsten am härtesten“, fasst DIW-Rentenexperte Dr. Johannes Geyer ein zentrales Ergebnis der Untersuchung zusammen.

    Wer nicht bis zur Regelaltersgrenze durchhalte, etwa aus gesundheitlichen Gründen oder weil er nach einer Entlassung keinen Job findet, der könne künftig bei den finanziellen Möglichkeiten im Ruhestand noch weiter zurückfallen als heute schon, schreiben die Forscher.

    Bei mindestens zweijähriger Erwerbslosigkeit vor Renteneintritt dürften die Einkommenseinbußen gegenüber Menschen, die direkt aus Erwerbstätigkeit in Rente gehen, von aktuell zehn auf 16 bis 17 Prozent im verfügbaren Einkommen steigen. Wer vorher aus der Erwerbstätigkeit ausscheiden muss, hat also deutlich weniger Geld zur Verfügung – und muss möglicherweise über andere Sozialtransfers unterstützt werden. „Den entlastenden fiskalischen Wirkungen“ der Rente mit 67 „stehen große sozialpolitische Risiken gegenüber“, schreiben die Wissenschaftler.

    Für diejenigen, die es nicht bis zur Altersgrenze schaffen, sei der frühe Erwerbsaustritt in jedem Fall mit größeren Einkommenseinbußen verbunden. Schließlich haben sie nicht nur kürzer in die Rentenversicherung eingezahlt, sondern müssen auch substanzielle, dauerhafte Abschläge auf die gezahlte Rente hinnehmen.

    Menschen, die im höheren Erwerbsalter arbeitslos werden, und solche, die aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten können, hätten „ein überdurchschnittlich hohes Risiko eines prekären Übergangs in den Ruhestand“, schreiben die Forscher. Zumal künftig nicht nur die Altersgrenze angehoben, sondern gleichzeitig auch das Niveau der gesetzlichen Renten sinken werde. Dadurch steige das Armutsrisiko im Alter zusätzlich.

    „Neben der Frage, wie man den Arbeitsmarkt für Ältere so gestaltet, dass es für viele Menschen möglich ist, ihre Erwerbstätigkeit lange auszuüben, steht die Frage der Absicherung bei langfristigen Erwerbsunterbrechungen“, so das Fazit der DIW-Wissenschaftler. Wenn es das Ziel sei, den Lebensstandard von allen älteren Menschen abzusichern, dann seien weitere Maßnahmen notwendig, um die finanziellen Belastungen von Älteren zu begrenzen, die frühzeitig oder aus Arbeitslosigkeit in Rente gehen müssen.

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