Trotz Vollzeitjob: Millionen Frauen droht Altersarmut

    40 Jahre Vollzeit arbeiten – trotzdem werden für jede dritte Frau am Ende nicht einmal 1.000 Euro Rente dabei rauskommen
    © picture alliance/dpa
    Ältere Frau beim Einkaufen
    16.01.2023

    Jeder dritten Frau mit einer Vollzeitarbeit in Deutschland droht auch nach 40 Arbeitsjahren eine Rente von weniger als 1.000 Euro pro Monat. Das geht aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Partei Die Linke hervor. Demnach verdienen rund 2,7 Millionen vollzeitbeschäftigte Frauen so wenig, dass ihre monatliche Rente auch bei regulärem Renteneintritt nach 40 Jahren unter 1.000 Euro liegen wird. Bei insgesamt 7,1 Millionen Vollzeit-Arbeitnehmerinnen entspricht das einem Anteil von rund 38 Prozent. Mehr als die Hälfte aller vollzeitbeschäftigten Frauen, nämlich 3,8 Millionen und damit 53 Prozent erhalten später weniger als 1.200 Euro Rente.

    Um auf eine Netto-Rente von 1.000 Euro oder mehr zu kommen, müssen Frauen wie Männer in Deutschland derzeit 40 Jahre lang durchgehend 2.844 Euro brutto im Monat verdienen, heißt es in der Antwort des Ministeriums. Für einen Anspruch auf 1.200 Euro Rente brauchen Beschäftigte 40 Jahre lang einen Bruttomonatslohn von 3.413 Euro.

    „Katastrophale Zehlen“

    Für Dietmar Bartsch, Fraktionschefs der Linken im Bundestag, der die Anfrage ans Arbeitsministerium gestellt hatte, sind das mit Blick auf die Inflation und schon jetzt hohe Altersarmut unter Frauen „katastrophale Zahlen“. Bartsch sagte: „Mehr als die Hälfte aller Vollzeitarbeitnehmerinnen wird nach 40 Jahren Plackerei weniger als 1.200 Euro erhalten.“ Und für Millionen Frauen drohe „eine Rutschbahn in die Altersarmut“.

     

    „Solange sich die Bezahlung in den typischen, meist sozialen Frauenberufen nicht ändert, werden sich auch die Renten von vielen Frauen nicht ändern.“

    Judith Kerschbaumer, Leiterin des Bereichs Sozialpolitik in der ver.di-Bundesverwaltung

    Bartsch fordert „ein großes Update“ für das deutsche Rentensystem. Dafür sollte die Ampelkoalition sich Österreich zum Vorbild nehmen. „Dort zahlen alle mit ihrem Erwerbseinkommen ein.“ Auch Politiker, Selbstständige, Manager und Beamte. Die Renten sind im Schnitt 800 Euro höher. Als ersten Schritt schlug der Fraktionschef vor, alle Bundestagsabgeordneten sollten in die gesetzliche Rente einzahlen. „Das wäre ein wichtiges Zeichen für den Zusammenhalt des Landes in der Krise.“

     
    Frauen demonstrieren für gerechte Bezahlung
    © Foto: Renate Koßmann
    Jedes Jahr machen Frauen am Equal Pay Day auf den prozentualen Unterschied im durchschnittlichen Bruttoverdienst von Frauen und Männern aufmerksam

    ver.di: Gute Löhne sind entscheidend

    „Die Zahlen sind erschreckend, aber nicht neu“, sagt Judith Kerschbaumer, Leiterin des Bereichs Sozialpolitik in der ver.di-Bundesverwaltung. ver.di mache seit ihrer Gründung und bei den jährlichen Frauen-Alterssicherungskonferenzen darauf aufmerksam. „Solange sich die Bezahlung in den typischen, meist sozialen Frauenberufen nicht ändert, werden sich auch die Renten von vielen Frauen nicht ändern.“ Frauen werden sich dann nach einem oft kaum existenzsichernden langen Erwerbsleben weiterhin im Alter in Altersarmut wiederfinden. Wichtig für Frauen seien gute Löhne, ein durchgehendes Erwerbsleben möglichst in Vollzeit bzw. vollzeitnah. „Weiterhin sind flächendeckende, möglichst arbeitgeberfinanzierte Betriebsrenten für Frauen wichtig“, so Kerschbaumer. „Da haben Frauen noch ordentlich aufzuholen.“

     

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