Das ABC zur Rente

    Rente soll später das entfallende Entgelt aus dem Berufsleben ersetzen. Alles darüber, welche Voraussetzungen für den Rentenbezug gelten, wie sich die Rente verbessern lässt und wo ver.di hilft

    © Stratenschulte/dpa-Bildfunk
    Fit im Alter
    20.09.2022

    INHALT


    Die Rente – die gesetzliche Altersversorgung

    Abhängig Beschäftigte zahlen je hälftig zusammen mit dem Arbeitgeber Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Das ist die gesetzliche Altersversorgung. Im Alter bekommen sie daraus ihre Rente. Die Berechnung richtet sich grundsätzlich nach Jahren und der Höhe der gezahlten Beiträge. Oft reicht das nicht für eine gute Rente im Alter, obwohl man sein Leben lang gearbeitet hat. Manchmal werden Menschen auch vorher krank. Auch in diesen Fällen gibt es eine Rente aus der Rentenversicherung. Alles was ich über Rente wissen muss, ist auf dieser Seite gebündelt.

     

    Ansprüche auf Rentenzahlungen

    Wer mindestens fünf Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, hat Anspruch auf die sogenannte Regelaltersrente. Kindererziehung, Zeiten der Pflege und weitere Zeiten zählen mit. Das bedeutet, dass man mindestens fünf Jahre gearbeitet oder Kinder erzogen haben muss, um auf die fünf Jahre zu kommen.
    Der Anspruch auf diese reguläre Altersrente ist zudem an ein bestimmtes Alter gebunden. Seit 2012 steigt das Renteneintrittsalter je nach Geburtsjahrgang schrittweise von 65 auf 67 Jahre. Wer also 1946 oder früher geboren wurde, konnte noch mit 65 Jahren in Rente gehen. Der Jahrgang 1964 ist der erste, für den dann 67 das reguläre Renteneintrittsalter ist. Wer wann in Rente gehen kann, steht hier

    ver.di lehnt aus vielen Gründen die Rente mit 67 oder noch später ab. Unter anderem handelt es sich dabei um versteckte Rentenkürzungen. Zudem können viele Menschen gesundheitlich nicht so lange durchhalten. Wer aber früher in Rente gehen will, muss Abschläge in Kauf nehmen und weitere Bedingungen erfüllen. 2020 lag das Renteneintrittsalter bei Männern im Durchschnitt ab 64,1 Jahren und bei Frauen bei 64,2 Jahren.

     

    Die Rentenberechnung

    Die Höhe der Rente orientiert sich an den eingezahlten Beiträgen. Jahr für Jahr wird dazu der Durchschnittsverdienst aller Versicherten (2022: 38.901 Euro) mit dem individuellen sozialversicherungspflichtigen Jahresverdienst ins Verhältnis gesetzt. Beispiel: Wer in 2022 exakt 38.901 Euro an Gehalt erhalten hat, bekommt auf dem Rentenkonto 1 Entgeltpunkt gutgeschrieben. Wer die Hälfte verdient hat, bekommt 0,5 Entgeltpunkte; wer den 1,5-fachen Verdienst hatte, bekommt 1,5 Entgeltpunkte usw. Maximal sind pro Jahr rund 2 Entgeltpunkte möglich.

     

    Die digitale Rentenrechner*in

    Wer Lücken in der Erwerbsbiografie hat, wenig verdient oder in Teilzeit arbeitet, bekommt nur eine kleinere Rente. Auch lange Zeiten der Arbeitslosigkeit oder die Arbeit in Minijobs hinterlassen ihre Spuren im Rentenverlauf.
    Welche Faktoren bei der Berechnung der Altersrente eine Rolle spielen, wird auf einer Seite der Deutschen Rentenversicherung Bund erklärt. Einen Überblick über die mögliche Rentenhöhe gibt auch die digitale Rentenrechner*in von ver.di
    Aktuelle Beitragsbemessungsgrenzen, Rechengrößen und weitere Werte der Sozialversicherung finden sich hier


    Die Rente finanziert sich übrigens im sogenannten Umlageverfahren. Die aktuellen Ausgaben werden aus den aktuellen Einnahmen bestritten. Die Beiträge der heute sozialversicherungspflichtig Beschäftigten werden jeweils zur Hälfte von ihnen und zur anderen Hälfte von ihren Arbeitgebern getragen. Das nennt sich paritätische Finanzierung.

    Der Beitragssatz liegt 2022 bei 18,6 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Bruttolohns. Gezahlt wird für Bruttoeinkommen bis zur so genannten Beitragsbemessungsgrenze, also einem monatlichen Einkommen von 7.050 Euro im Westen und 6.750 Euro im Osten. Zudem gibt es Zuschüsse aus Steuermitteln. Diese Bundeszuschüsse liegen stabil seit 2005 zwischen 23 und 24 Prozent der Ausgaben der Rentenversicherung.

     

    Kann ich zu meiner Rente noch etwas hinzuverdienen?

    Wenn ich das Regelrentenalter erreicht habe, kann ich unbeschränkt hinzuverdienen. Davor gibt es eine Hinzuverdienstgrenze, die vor Corona bei 6.300 Euro jährlich lag. Während der Corona-Pandemie wurde sie auf 46.060 Euro angehoben. Das gilt auch noch für das Jahr 2022. Ab 2023 soll diese Grenzen aufgehoben werden, dann können auch Frührentner*innen unbegrenzt hinzuverdienen. Das sieht ein Gesetzentwurf des Bundesarbeitministerium vor, dem das Kabinett Anfang September 2022 zugestimmt hat.

     
    Älterer Elektriker und junger Kollege arbeiten gemeinsam
    © Colourbox
    Nach Erreichen des Rentenalters kann schon heute unbegrenzt hinzuverdient werden

    Abzüge bzw. Zuschläge bei verändertem Rentenbeginn

    Ein früherer Rentenbeginn ist dann möglich, wenn mindestens 35 Jahre mit rentenrechtlichen Zeiten erreicht werden oder wer im Zeitpunkt des Renteneintritts schwerbehindert ist (Grad der Behinderung von mindestens 50). Wer früher in Rente gehen will, muss Abschläge in Kauf nehmen, grundsätzlich 0,3 Prozent für jeden Monat des vorzeitigen Rentenbeginns.

    Wer 45 Jahre lang Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt hat, gilt als besonders langjährig versichert und kann zwei Jahre früher ohne Abschläge zur Regelaltersrente in Rente gehen.

    Für alle, die mit Abschlägen das Berufsleben verlassen, gilt: Die Abschläge schmälern die Rentenzahlungen lebenslang. Für einen Ausgleich ist es möglich, ab einem Alter von 50 Jahren freiwillig Jahresbeiträge in die Rentenversicherung einzuzahlen. Mehr dazu hier 

    Wer jedoch über das gesetzlichen Renteneintrittsalter hinaus arbeiten möchte, kann auch das tun – und erhält dafür später höhere Zahlungen. Durch weitere monatliche Rentenbeiträge steigt zum einen der Rentenanspruch. Zum anderen ergibt sich durch den späteren Rentenbeginn ein „Zuschlag“ von 0,5 Prozent pro Kalendermonat, den man die Rente noch nicht in Anspruch nimmt.

     

    Wer ist besonders stark von Altersarmut betroffen?

    Aktuell sind immer noch insbesondere Frauen in Westdeutschland von niedrigen Renten betroffen. Sie haben durch das im Westen über Jahrzehnte hinweg weit verbreitete Hinzuverdienstmodell kaum eigene Rentenansprüche aufbauen können. Viele haben allenfalls in Minijobs gearbeitet. Zeiten für Kindererziehung und Pflege reichen in der Regel nicht aus, um eigene, den Lebensstandard sichernde Rentenansprüche aufzubauen. Auch Alleinerziehende kommen häufig nur auf geringe Rentenzahlungen, ebenso Menschen mit Migrationshintergrund. Mher Infos dazu hier

    Mittlerweile hinterlässt aber auch die Zunahme von prekärer Arbeit und langer Arbeitslosigkeit  ihre Spuren in der Versicherungsverläufen. Positiv wird sich die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro, beschlossen ab 1. Oktober 2022, auswirken. Sie führt nach 35 Versicherungsjahren mit einem Rentenplus von 130 Euro.  

    Aktuell sind auch Männer in Ostdeutschland immer häufiger von niedrigen Rentenzahlungen betroffen. Im Osten sind auch Betriebsrenten nicht so weit verbreitet. Hinzu kommt, dass das Rentenniveau seit Jahren sinkt. (Siehe auch: Was versteht man unter Rentenniveau?)

     
    Ältere Frau beim Einkaufen
    © picture alliance/dpa
    Die Zunahme von prekärer Arbeit und Langzeitarbeitslosigkeit führt zunehmend zu Altersarmut

    Aber es muss doch eine Mindestrente geben...

    Allgemeine Mindestrenten gibt es in Deutschland nicht. Wer zum Beispiel nur fünf Jahre an rentenrechtlichen Zeiten durch eine Ausbildung und dann nur kurzer Zeit im Job hat, bekommt auch nur eine sehr kleine Rente. Um niedrige Renten abzufedern, gibt es zwei staatliche Instrumente: Die Grundsicherung und die Grundrente. Mit der Grundrente werden unter bestimmten Voraussetzungen niedrige Rentenzahlungen aufgestockt. Wer sich in seinem Arbeitsleben nicht viele Rentenversicherungspunkte erarbeiten konnte, kann unter Umständen Grundsicherung im Alter beziehen.

     

    • Grundsicherung

      Die „Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“ wurde zum 1. Januar 2003 eingeführt. Anspruch auf Grundsicherung im Alter haben alle Personen, die die Regelaltersgrenze erreicht haben, deren Einkommen aber nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu decken.

      Nach Angaben des Bundessozialministeriums verfügten Ende 2020 rund 20 Prozent der Beziehenden über kein anrechenbares Einkommen, weitere 35 Prozent über weniger als 400 Euro. Daneben können diejenigen, die eine Erwerbsminderungsrente beziehen, die nicht zum Leben reicht, auch Grundsicherung beziehen.

      Beantragt wird die Grundsicherung im Alter bei den Sozialämtern. Allerdings müssen auch die Rentenversicherungsträger ihre Versicherten mit geringen Alterseinkommen über die Voraussetzungen für die Grundsicherung informieren, die Anträge entgegennehmen und an die Sozialbehörden weiterleiten. Auch die Höhe der Zahlungen orientiert sich an den Sätzen und Ansprüchen der Sozialhilfe (Sozialgesetzbuch II, Grundsicherung für Arbeitssuchende). Im Gegensatz zur Sozialhilfe können hier Unterhaltsverpflichtete, meist die Kinder nur zur Zahlung herangehoben werden, wenn sie ein Jahreseinkommen von mehr als 100.000 Euro haben. Für das eigene Vermögen gilt ein Schonwert von 5.000 Euro, allerdings werden auch Sachwerte eingerechnet.

      Die Höhe der monatlichen Zahlungen wird individuell berechnet, dabei wird die Höhe der Einkünfte berücksichtigt. 2022 lag die monatliche Pauschale für Alleinstehende bei 449 Euro, für Paare bei 404 Euro pro Person. Hinzu kommen Kosten für (eine angemessene) Unterkunft und Heizung, Kranken- und Pflegeversicherung. Menschen mit Schwerbehinderung haben Anspruch auf einen Mehrbedarf.

      2020 haben die Rentenversicherungsträger in der Regel Menschen mit monatlichen Einkünften unter 865 Euro auf die Grundsicherung im Alter hingewiesen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geht davon aus, dass mehr als eine Million Rentner*innen Ansprüche auf diese Leistung haben, aber nur knapp die Hälfte beantragt sie. Viele wissen nicht, dass sie Anspruch darauf haben.

       

    • Grundrente

      Die Grundrente ist ein Zuschlag zur Rente und wurde zum 1. Januar 2021 eingeführt. Sie bessert die Rentenbezüge von Menschen mit geringen Alterseinkommen auf. Anspruch darauf hat, wer mindestens 33 Jahre sozialversicherungspflichtiger Arbeit, Kindererziehung und/oder Pflegezeiten nachweisen kann.

      Wer trotzdem als Single dann nicht mehr als 1.250 Euro brutto, als Paar 1.950 Euro, zur Verfügung hat, hat Anspruch auf Grundrente. Ein Antrag darauf muss nicht gestellt werden, die Deutsche Rentenversicherung prüft die Ansprüche und gleicht dazu Daten mit den Finanzämtern ab. Nach Schätzungen werden rund 1,3 Millionen Rentenbezieher*innen davon profitieren.

      Für ver.di ist der Grundrentenzuschlag ein erster Schritt gegen Altersarmut. Schon bei der Einführung hat der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke gefordert, dass sie dringend weiterentwickelt werden müsse. ver.di macht sich für eine Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung stark. Mehr Infos

       

    Was versteht man unter Altersteilzeit?

    Altersteilzeit (ATZ) ermöglicht ab dem 55. Lebensjahr einen gleitenden Übergang in die Rente. Bei der ATZ wird die bisherige wöchentliche Arbeitszeit halbiert. Es gibt zwei Arten von ATZ: die verblockte (in der ersten Hälfte wird wie bisher weitgearbeitet, in der zweiten Hälfte erfolgt die Freistellung) und die gleichmäßige Reduzierung über die gesamte Zeit der ATZ.

    Der Arbeitgeber ist verpflichtet, entsprechend dem Altersteilzeitgesetz (AltTZG) das Gehalt aufzustocken und zusätzliche Beiträge zur Rentenversicherung zu leisten. Bis 2010 wurden die Arbeitgeber von der Arbeitsverwaltung bezuschusst. Seit 2010 gibt allerdings nur noch die Zuschüsse der Arbeitgeber und nicht mehr von der Agentur für Arbeit. Die Aufstockung der Arbeitgeber wird häufig über Tarifverträge geregelt. Voll weiterzuarbeiten und anschließend für einen genauso langen Zeitraum in der passiven Altersteilzeit zu Hause zu bleiben, diese Variante wurde und wird noch immer gerne genutzt, wenn es dafür gute Regelungen im Betrieb oder Unternehmen gibt.

    Mehr zur Altersteilzeit 

     

    Rente für verschiedene Lebenssituationen

     

    • Erwerbsminderungsrente

      Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, hat Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente.

      Voraussetzung: Die Regelaltersgrenze darf noch nicht erreicht sein, fünf Jahre vor Eintritt der Erwerbsminderung muss man bei der Deutschen Rentenversicherung versichert gewesen sein und drei Jahre muss man Pflichtbeiträge gezahlt haben. Sind Rehamaßnahmen nicht erfolgversprechend, wird geprüft, in welchem Maße die Erwerbsfähigkeit gemindert ist. Danach entscheidet sich, ob eine Rente wegen voller oder teilweiser Erwerbsminderung in Frage kommt.

      Nachdem vor einiger Zeit die Rentenansprüche für Neuzugänge verbessert worden sind, treten zum 1. Juli 2024 auch die Verbesserung für die Bestandsrentner*innen in Kraft. Dafür hatten sich ver.di und andere Gewerkschaften sowie Sozialverbände schon seit Langem stark gemacht.
       

       

    • Hinterbliebenenrente

      Mit der Hinterbliebenenrente werden in erster Linie Witwen bzw. Witwer und Waisen abgesichert.

      Informationen zu den aktuellen Bedingungen gibt es auf der Website der Deutschen Rentenversicherung

       

       

    • Teil- oder Flexirente

      Die Teilrente soll den Übergang in den Ruhestand erleichtern. Die Höhe kann selbst gewählt werden,

      Eine Teilrente kann dann beantragt werden, wenn ein Anspruch auf eine Altersrente besteht. z.B. 50 Prozent. Für den Teil der Rente, der früher in Anspruch genommen wird, fallen auch lebenslange Abschläge an. Wer vor der Regelaltersgrenze eine Rente in Anspruch nimmt, muss Hinzuverdienstgrenzen beachten, sonst wir die Rente gekürzt. Die aktuelle Hinzuverdienstgrenze in 2022 liegt bei 46.060 Euro pro Jahr. Dazu sollte man sich ausführlich beraten lassen.

      Für diejenigen, die nach Renteneintritt Angehörige pflegen, kann sich eine Teilrente lohnen. Dann zahlt die Pflegekasse weiter Rentenbeiträge für diese gesellschaftlich wichtige Tätigkeit. Mehr Infos

       

    Was sind die drei Säulen der Alterssicherung?

    Die Alterssicherung basiert auf den drei Säulen gesetzliche Rentenversicherung, betriebliche Altersversorgung und private Vorsorge. ver.di ist der Ansicht, dass sich eine lebensstandardsichernde und auskömmliche Rente aus der gesetzlichen und der betrieblichen Säule ergeben muss, da nur dort die Arbeitgeber an der Finanzierung beteiligt sind.

     

    Die betriebliche Altersversorgung

    Betriebsrenten sind Leistungen, die der Arbeitgeber für die Altersversorgung der Beschäftigten investiert. Dabei gibt es regelmäßig zwei Möglichkeiten. Der Arbeitgeber trägt die Beiträge allein oder die Arbeitnehmer*innen investieren einen Teil ihres Bruttogehalts in die Altersvorsoge, unterstützt durch einen Zuschuss des Arbeitgebers. Dieser muss nach dem Betriebsrentenstärkungsgesetz mindestens 15 Prozent betragen. 

    Da die Aufwendungen in der Ansparphase für die spätere Betriebsrente in der Regel steuerfrei sind, muss die Betriebsrente später versteuert werden. Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge auf Betriebsrenten werden nur dann fällig, wenn die Betriebsrente über rund 170 Euro monatlich beträgt. Derzeit gibt es Vereinbarungen zur betrieblichen Altersversorgung eher in Großbetrieben, größeren Unternehmen, Konzernen und im öffentlichen Dienst. In Kleinbetrieben, in denen eher Frauen arbeiten, sind solche Angebote meist rar. Doch gerade sie brauchen dringend eine Steigerung ihrer oft geringen Renten.

     
    Betriebsrente

    Was ist mit privater Vorsorge?

    Private Vorsorge können sich viele einfach nicht leisten. Besonders wer ein geringes Einkommen bezieht, hat in der Regel nicht das Geld, um privat vorzusorgen. Ein weiteres Problem ist, dass eine private Vorsorge auf Leistungen wie die Grundsicherung im Alter oder die Grundrente angerechnet werden. Das ist doppelt ungerecht und schafft keinen Anreiz, privat vorzusorgen.

     
    Rentner in roten Overalls protestieren
    © dpa

    Was fordert ver.di zur Verbesserung der Rente?

    ver.di fordert, dass die gesetzliche Rentenversicherung zu einer Rente für alle Erwerbstätigen weiterentwickelt wird. Das ist solidarisch und gerecht. Dann zahlen insbesondere auch Selbstständige ein. Zudem sollen gesamtgesellschaftliche Leistungen der Rentenversicherung, wie etwa die sogenannte Mütterrente, aus Steuermitteln finanziert werden – und nicht aus den Rentenbeiträgen.

    Wichtig gegen Altersarmut ist aber auch, dass gute Löhne gezahlt werden, dass prekäre Arbeitsformen wie etwa Minijobs abgeschafft werden – denn gute Arbeit und gute Löhne führen zu guten Renten. Mehr Infos zu den rentenpolitischen Forderungen von ver.di

    Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), dem ver.di angehört, hat ein Rentenkonzept vorgelegt. Danach soll das gesetzliche Rentenniveau stabilisiert und langfristig erhöht werden – damit die Rente für ein gutes Leben reicht. Mehr Infos

     

    Altersvorsorge für Selbstständige

    Für einige Gruppen von Selbstständigen gibt es die Pflicht, für ihr Alter vorzusorgen. So müssen etwa Künstler*innen, Journalist*innen, selbständige Lehrer*innen und Erzieher*innen, Hebammen, Küstenschiffer und einige weitere Beschäftigtengruppen Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen. Für andere besteht aber keine Vorsorgepflicht. Bei schlechter Auftragslage fehlt häufig das Geld dafür.

    Mit einer von ver.di geforderten Ausweitung der Versicherungspflicht auf Selbstständige sollen Beitragslücken im Lebenslauf verhindert werden. Das verhindert zudem einen Unterbietungswettbewerb zwischen Freiberufler*innen und Firmen, die ihre Beschäftigten ordentlich sozialversichern. Mehr Infos zu den ver.di-Forderungen für Selbstständige

     

    Wie steigt die Rente?

    Die Renten werden jährlich zum 1. Juli angepasst. Wie hoch die Steigerung ausfällt, hängt von der Lohnentwicklung des Vorjahres ab und basiert auf Daten des Statistischen Bundesamts und der Deutschen Rentenversicherung. Am 1. Juli 2022 sind die Renten in den alten Bundesländern um 5,35 Prozent, in den neuen um 6,12 Prozent gestiegen. Damit steigt der aktuelle Rentenwert Ost auf 98,6 Prozent des Rentenwerts West. Das Rentenniveau beträgt 48,14 Prozent. Das ist die höchste Steigerung seit Langem. 

     

    Was versteht man unter Rentenniveau?

    Das Rentenniveau ist das Verhältnis der Standardrente (auf Basis von 45 Versicherungsjahren immer mit dem jeweiligen Durchschnittentgelt) zum Durchschnitteinkommen (aller aktuell Beschäftigten, die in die Rentenversicherung einzahlen) nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge vor Steuern. Aktuell liegt es bei 48,14 Prozent. Das Rentenniveau ist in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. Derzeit ist es bis 2025 auf mindestens 48 Prozent festgeschrieben. Expert*innen gehen davon aus, dass es ab 2026 deutlich absinken wird, wenn nicht Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

    Der ver.di-Bundeskongress hat sich 2019 für die perspektivische Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent ausgesprochen.

     

    Ost- und Westrenten

    Mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es momentan noch immer Ost- und Westrenten. Das soll sich am 1. Juli 2024 endlich ändern: Ab dann sind die Renten- und Rechenwerte in Ost und West gleich. Seit vielen Jahren hat ver.di im Bündnis mit anderen Gewerkschaften und Sozialverbänden für diese Angleichung gekämpft, für ein einheitliches Rentensystem in ganz Deutschland. Mehr Infos

     

    Wo kann ich mich bei Rentenfragen beraten lassen?

    Bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) beraten von ver.di vorgeschlagene Versichertenberater*innen und Versichertenälteste. Sie sind ehrenamtlich aktiv und haben ein hohes Fachwissen, das sie durch regelmäßige Schulungen auf dem neuesten Stand halten. Sie schaffen eine ortsnahe und persönliche Verbindung der Versicherten zur DRV.

    Versicherte und Rentner*innen können sich hier kostenlos in allen Fragen rund um die gesetzliche Rentenversicherung beraten lassen. Dabei bekommen sie auch Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen, der Klärung des Versicherungskontos und bei der Beschaffung fehlender Unterlagen. Und sicher ist es sinnvoll, sich bereits in jungen Jahren Gedanken über seine künftige Rente zu machen und beraten zu lassen, um seine künftige Rente zu verbessern. Mehr Infos

     

    Sollte ich auch als Rentner*in ver.di-Mitglied bleiben?

    Ohne Gewerkschaften gibt es keine Lohnerhöhungen und ohne Lohnerhöhungen steigen auch die Renten nicht, denn die orientieren sich an der allgemeinen Lohnentwicklung. Außerdem ist ver.di nicht nur für Berufstätige da, sondern mischt sich auch politisch für die Belange von Rentner*innen einen.

    Doch auch ganz persönlich ist ver.di weiterhin für Rentner*innen da. Die Gewerkschaft bietet auch Sozial-Rechtsschutz. Auch Rentner*innen haben Anspruch auf sämtliche Beratungsleistungen, finden vor Ort aktive Gruppen, haben Mitsprachemöglichkeiten und bekommen Hilfe bei der Lohnsteuererklärung – und all das zu einem ermäßigen Beitrag. Er liegt bei nur 0,5 Prozent des regelmäßigen monatlichen Bruttoeinkommens, mindestens aber 2,50 Euro.

    Mehr zur Senior*innenarbeit in ver.di