Muss ich Heiligabend und Silvester arbeiten?

Traditionell gilt die Zeit „zwischen den Jahren“ als ruhige Zeit, in der nur arbeitet, wer Notdienst hat. Aber haben Beschäftigte wirklich frei? Was Beschäftigte über den Urlaub zwischen den Jahren wissen sollten
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Saisonbedingt schwer beschäftigt: der Weihnachtsmann
22.12.2023

Zu Weihnachten und Silvester arbeiten viele Menschen nicht, sie nehmen Urlaub über die Feiertage. Für alle anderen gilt: An einem Werktag müssen Beschäftigte dann nicht arbeiten, wenn sie eine Freischicht haben oder wenn der Tag ein gesetzlicher Feiertag ist. Die beiden Weihnachtsfeiertage, 25. und 26. Dezember, sind gesetzliche Feiertage. Also haben alle frei, die an diesen Tagen nicht zur Arbeit eingeteilt sind. Gleiches gilt für den Neujahrstag, den 1. Januar.

 
Stressig und Kräfte zehrend: Verkäuferin in der Weihnachtszeit

Was aber ist mit dem Heiligabend, dem seit Kindertagen „höchsten Feiertag“, und mit Silvester, dem Tag, an dem sich auch viele Nichtchristen auf den Jahreswechsel vorbereiten? Diese beiden Tage sind entgegen weit verbreiteter Ansicht keine gesetzlichen Feiertage. Also besteht – wenn sie nicht zufällig auf einen Wochenendtag fallen – grundsätzlich Arbeitspflicht. Frei hat dann an diesen Tagen nur, wer Urlaub erhält.

Es gibt aber in vielen Bereichen Tarifverträge, die für Heiligabend und Silvester eine Arbeitsbefreiung vorsehen, zum Teil wenigstens für einen halben Tag. So endet beispielsweise in der Metallindustrie Nordrhein-Westfalen die regelmäßige tarifliche Arbeitszeit um 13 Uhr. Und vielfach existieren betriebliche oder vertragliche Regelungen, die für diese Tage komplett Freizeit verschaffen. Das kann von Jahr zu Jahr aber auch unterschiedlich sein, erkundige Dich daher rechtzeitig, bevor Du eine Silvesterparty planst.

Das gilt „zwischen den Jahren“

Für die Tage „zwischen den Jahren“, also zwischen Weihnachten und Neujahr, gilt: Zu Hause bleiben darf nur, wer Urlaub hat. Oftmals gibt es für diesen Zeitraum Betriebsferien, so dass die gesamte Belegschaft frei hat. Ist das nicht der Fall: Sprich Dich frühzeitig mit Deinen Kolleg*innen ab, wenn Du Urlaub haben möchtest. Erfahrungsgemäß ist dies eine Zeit, zu der fast alle Beschäftigten frei haben wollen. Wenn betriebliche Belange entgegenstehen, kann der Chef den Urlaub ablehnen.

Wenn der Arbeitgeber beantragten Urlaub verweigert, Du aber trotzdem aus wichtigen Gründen freie Tage benötigst, musst Du nicht sofort aufgeben: Versuche zunächst eine Absprache mit den Kolleg*innen, die statt Dir Urlaub erhalten haben. Vielleicht ist ein Tausch möglich. Dazu ist aber selbstverständlich auch die Zustimmung des für Urlaubsfragen zuständigen Vorgesetzten erforderlich. Klappt das nicht, wende Dich an den Betriebsrat oder Deine Gewerkschaft. Als letzte Möglichkeit bleibt dann nur noch der Versuch, den Urlaub gerichtlich durchzusetzen, gegebenenfalls im Wege einer einstweiligen Verfügung. Allen Gewerkschaftsmitgliedern kann dabei die DGB Rechtsschutz GmbH behilflich sein. Aber warte mit einer gerichtlichen Klärung nicht bis zum letzten Tag: Auch Richter*innen und Beschäftigte des Arbeitsgerichts machen Urlaub – auch zwischen den Jahren!

Wer muss arbeiten an den Feiertagen?

Ein Teil der Erwerbstätigen in Deutschland muss arbeiten, während und damit die Mehrheit der Bevölkerung Weihnachten und den Jahreswechsel feiern kann. Sie kümmern sich um Menschen in Not, sie machen die Party im Restaurant möglich, sie bringen dringend benötigte Waren von A nach B. Wer an den kommenden Festtagen tätig ist, hat das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung untersucht. Obwohl Heiligabend und Silvester in diesem Jahr auf einen Sonntag fallen, müssen knapp 10 Prozent der Erwerbstätigen auch an Heiligabend wenigstens teilweise arbeiten, am Silvestertag sind es in der Spitze 9 Prozent, je nach Tageszeit, so das Ergebnis der Studie.

Besonders hoch sind die Anteile derjenigen, die an den Festtagen in ihrem Erwerbsjob gefragt sind, im Gastgewerbe, in Verkehr und Logistik sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Auch Feuerwehr und Polizei sind natürlich durchgehend im Dienst. Die gute Nachricht: Beschäftigte im Handel, die sonst bis in die letzte Minute Weihnachtseinkäufe ermöglichen und Feuerwerkskörper verkaufen müssen, haben in diesem Jahr auch mal frei. Insgesamt müssen deshalb 2023 an den Festtagen deutlich weniger Menschen zur Arbeit als in anderen Jahren. 2022 waren es etwa am Vormittag des Heiligabends 20 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland.  

 

  • Weihnachtsfeier – ja oder nein?

    Eine Weihnachtsfeier mit den Kolleginnen und Kollegen gehört in vielen Unternehmen zum guten Brauch. Und wenn der Arbeitgeber keine organisiert, dann machen Beschäftigte oft eine eigene. Verpflichtet werden kann aber niemand zur Teilnahme an einer Weihnachtsfeier, schon gar nicht, wenn sie während der Arbeitszeit stattfindet.

     

  • Weihnachtsfeier unbeschadet überstehen

    Wenn man Lust und Zeit hat, kann eine Weihnachtsfeier richtig wichtig sein. Um die neue Kollegin besser kennenzulernen. Oder einfach mal über etwas anderes zu reden, als die Arbeit. Von zu viel Alkohol ist allerdings abzuraten. Wer sich betrinkt, riskiert möglicherweise peinliche Situationen oder den guten Ruf. Auch aufs Flirten sollte man lieber verzichten. Es sei denn, man schert sich nicht um den Büro-Klatsch danach...

     

  • Achtung Versicherungsschutz!

    Arbeitnehmer haben auf Weihnachtsfeiern nur dann Unfallschutz, wenn diese offiziell vom Unternehmen veranstaltet wird. Nach ständiger Rechtsprechung sind Beschäftigte die an betrieblichen Gemeinschaftsveranstaltungen, wie z.B. Betriebsausflügen, teilnehmen, in der gesetzlichen Unfallversicherung versichert. Voraussetzung ist, dass die Unternehmensleitung die Feier veranstaltet, fördert und an der Feier selbst teilnimmt. Die Rolle der Unternehmensleitung kann auch ein offizieller Vertreter übernehmen – entscheidend ist lediglich, dass die Feier „von der Autorität des Unternehmens getragen“ wird, so das Bundessozialgericht (BSG) in seiner Entscheidung vom 26. Juni 2014, Aktenzeichen: B 2 U 7/13 R