Kindergrundsicherung: Kinderförderung unerlässlich für die Zukunft

    Kinder müssen wirksamer vor Armut geschützt werden. Das fordert ver.di und unterstützt die Pläne von Bundesfamilienministerin Paus, die Kindergrundsicherung künftig nicht mehr auf das Bürgergeld der Eltern anzurechnen
    © Jelca Kollatsch
    Ehrenamtliche des Lion Club untersuchen an vielen Schulen die Augen der Kinder. Sie wollen verhindern, dass aus Kostengründen Sehfehler unerkannt bleiben und diese das Leben nachhaltig beeinträchtigen.
    22.01.2023

    Mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland ist mittlerweile von Armut betroffen. Das hatte im vergangenen Herbst der Paritätische in seinem jährlichen Armutsbericht bereits angemahnt. Doch da in dem Bericht noch keine Zahlen von 2022 eingeflossen sind, ist davon auszugehen, dass die Anzahl in Armut lebender Kinder durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit einhergehende Inflation und teils massiv gestiegene Lebenshaltungskosten für sehr viele Familien erneut erhöht haben dürfte.

     

    „In einem reichen Land wie Deutschland ist es eine Schande, dass immer noch eine große Anzahl von Kindern in Armut aufwächst. Angesichts der demografischen Entwicklung darf kein einziges Kind zurückgelassen werden.“

    Frank Werneke, ver.di-Bundesvorsitzender

    ver.di begrüßt deshalb die Ende der Woche vorgelegten Pläne von Bundesfamilienministerin Lisa Paus, Die Grünen, zur Kindergrundsicherung. „In einem reichen Land wie Deutschland ist es eine Schande, dass immer noch eine große Anzahl von Kindern in Armut aufwächst. Angesichts der demografischen Entwicklung darf kein einziges Kind zurückgelassen werden“, fordert der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. Die Bundesregierung müsse bei ihren Entscheidungen ein größeres Gewicht auf die Sozialpolitik legen und Kinder wirksamer vor Armut schützen.

    Der Plan der Bundesfamilienministerin, die Kindergrundsicherung künftig nicht mehr auf das Bürgergeld der Eltern anzurechnen, sei in diesem Zusammenhang absolut richtig. „Ausreichende Unterstützung und Förderung der Kinder sind unerlässlich für die Zukunft unseres Landes“, so Werneke. Das Bundesfamilienministerium hatte Ende der Woche die Pläne zur Neuordnung der staatlichen Hilfen für Familien präzisiert. Demnach soll die Förderung einfacher, zielgenauer und transparenter werden. 

    Es dürfe bei der Umsetzung der Pläne allerdings nicht zu Blockaden einzelner Ressorts in der Ampelkoalition kommen, insbesondere nicht des Bundesfinanzministeriums. „Die Ampelkoalition muss bei der Erfüllung des Anspruches, mehr soziale Gerechtigkeit zu schaffen, besser werden – auch, weil die Steuer- und Finanzpolitik von einer Schlagseite zugunsten der Besserverdienenden gekennzeichnet ist. Jetzt muss endlich auch mal an die von Armut gefährdeten Teile der Bevölkerung gedacht werden“, betont Werneke.

    Armutsquote von Kindern

     
    Entwicklung der Armutsquote bei Kindern und Alten in Deutschland
    © WSI
    Entwicklung der Armutsquote bei Kindern und Alten in Deutschland

    Kinder sind in Deutschland überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen. Die Armutsquote von Kindern unter 18 Jahren liegt deutlich über der der Gesamtbevölkerung. Nach den Zahlen für 2021 leben 20,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter der Armutsgefährdungsschwelle. Das geht aus Berechnungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Für den Paritätischen hat die Armut in Deutschland einen traurigen Höchststand erreicht. Insgesamt müssen derzeit 13,8 Millionen Menschen hierzulande zu den Armen gerechnet werden, darunter 2,8 Millionen Kinder unter 18 Jahren.

     

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