Politik & Wirtschaft

    Bildung – der Schlüssel zur Fachkräftegewinnung

    Fachkräftemangel: Der Staat muss vor der eigenen Tür kehren

    Berlin, 07.09.2022 – Rund 240.000 Fachkräfte werden bis 2026 in Deutschland fehlen. Das jedenfalls ist die Schätzung der Bundesregierung. Pläne, wie dem Mangel an Fachkräften entgegengewirkt werden soll, hat sie auch schon: mit einer Ausbildungsgarantie, mehr Weiterbildung, flexiblen Übergängen in die Rente und zusätzlicher Einwanderung. Über diese Pläne will die Bundesregierung heute auf einem Fachkräftegipfel in Berlin diskutieren. Dazu eingeladen haben Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) sowie Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP). Eingeladen sind Vertreter*innen aus der Wirtschaft, der Gewerkschaften und der Politik.

    Massive Investitionen in den öffentlichen Dienst nötig

    ver.di und der dbb beamtenbund und tarifunion mahnen an, dass Bund, Länder und Kommunen selbst erheblichen Nachholbedarf bei der Personalgewinnung haben. Im öffentlichen Dienst klaffen längst Lücken bei den Fachkräften, 360.000 Beschäftigte würden dort heute bereits fehlen. Grundsätzlich sei es zu begrüßen, dass die Bundesregierung das Problem des Fachkräftemangels weiterhin strategisch angehen wolle, erklärten vor dem Gipfel der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke und der dbb-Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach. So müsse etwa die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch den Gesetzgeber weiter verbessert werden, beispielsweise durch die Einführung einer Familienpflegezeit und von Familiengeld. Entscheidend seien aber ebenso massive Investitionen in die Stärkung des öffentlichen Dienstes.

    In den Sozial- und Erziehungsdiensten fehlen 173.000 Fachkräfte Kay Herschelmann In den Sozial- und Erziehungsdiensten fehlen 173.000 Fachkräfte

    „Wir brauchen eine ‚Verantwortungsgemeinschaft‘ von Bund, Ländern und Sozialpartnern, um ein bundesweit attraktives Aus- und Weiterbildungssystem zugunsten von Kitas und Schulen zu schaffen.“

    Frank Werneke, ver.di-Vorsitzender

    Ein Schlüssel zur Stärkung der Fachkräftebasis, so die Gewerkschafter, sei zuvorderst die Bildung. In Kitas, Schulen – insbesondere Berufsschulen – und Universitäten sei der Fachkräftemangel aber ebenfalls längst bittere Realität. Der Staat müsse daher auch vor der eigenen Tür kehren: Neben zusätzlichen Stellen würden bessere Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst gebraucht. Dabei geht es nicht nur um die Bezahlung, sondern beispielsweise auch um Ausstattung und Weiterbildungsmöglichkeiten. Von der notwendigen, aber bisher verschlafenen Verwaltungsdigitalisierung ganz zu schweigen.

    Der Staat hat seine Hausaufgaben nicht gemacht

    „Wir brauchen eine ‚Verantwortungsgemeinschaft‘ von Bund, Ländern und Sozialpartnern, um ein bundesweit attraktives Aus- und Weiterbildungssystem zugunsten von Kitas und Schulen zu schaffen. Mehr noch: Im Gesundheits- und Altenpflegebereich lässt sich der Fachkräftemangel nur mit einer bedarfsgerechten Personalausstattung und einer flächendeckenden Tarifbindung beheben. Und wir brauchen ein Gesamtkonzept für eine duale Ausbildung von Heilberufen“, sagt der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke. 

    „Der demografische Wandel macht natürlich auch vor der Verwaltung nicht halt: In den kommenden zehn Jahren gehen allein 1,3 Millionen Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand, die ersetzt werden müssen.“

    Ulrich Silberbach, dbb-Bundesvorsitzender

    Ulrich Silberbach vom dbb betont: „Wie in so vielen Bereichen haben wir kein Erkenntnis- sondern ein Umsetzungs-Problem. Es ist lange bekannt, dass uns im öffentlichen Dienst schon heute über 360.000 Beschäftigte fehlen. Und der demografische Wandel macht natürlich auch vor der Verwaltung nicht halt: In den kommenden zehn Jahren gehen allein 1,3 Millionen Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand, die ersetzt werden müssen.“ Bund, Länder und Kommunen gingen diese Probleme aber immer noch zu zögerlich an. „Um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen, hat der Staat also in der Gesetzgebung und in der eigenen Personalpolitik seine Hausaufgaben nicht gemacht.“

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