Tarifnews

    Aufsichtsrat trifft Fehlentscheidungen

    Häuserschließungen sind der falsche Weg

    Berlin, 24. Oktober 2014 | ver.di und der Gesamtbetriebsrat von Karstadt kritisieren die gestern auf der Karstadt-Aufsichtsratssitzung gefassten Beschlüsse zur Sanierung des Handelskonzerns vehement. Demnach werden die Karstadt-Filialen in Hamburg-Billstedt und Stuttgart und die beiden auf junge Kundschaft ausgerichteten K-Town-Filialen in Göttingen und Köln Ende Juni 2015 geschlossen. Außerdem werden zwei sogenannte Schnäppchencenter geschlossen, eines in Frankfurt (Oder) bereits Ende April 2015 und eines in Paderborn Ende September 2015. In der heutigen Ausgabe vom Handelsblatt kündigt der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl darüber hinaus weitere Schließungen an. Es gebe acht bis zehn andere Karstadt-Häuser, bei denen die Situation ähnlich sei. Der damit einhergehende Arbeitsplatzabbau wird vorerst mit 2.000 Stellen beziffert, es ist aber auch schon davon die Rede, dass bis zu 6.000 der derzeit 17.000 Karstadt-Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren könnten.

    „Für die Beschäftigten ist das heute ein bitterer Tag. Erneut werden sie für die Managementfehler der letzten Jahre bestraft. Statt genaue Ursachenforschung zu betreiben, warum Karstadt in der Krise ist, wird überstürzt die Entscheidung gefällt, einzelne Filialen zu schließen und in weiteren Filialen noch mehr Personal abzubauen“, sagte Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied und zuständig für den Handel.

    „Die Betriebsräte der Filialen haben in den letzten Jahren immer wieder deutlich gemacht, welche strategischen Korrekturen notwendig sind. Leider erfolglos.“

    Hellmut Patzelt, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Karstadt

    Ein tragfähiges Konzept brauche aus ver.di-Sicht detaillierte Aussagen darüber, wie für jede einzelne Filialen eine Trendwende geschaffen werden könne. Dazu gehören Aussagen über Investitionsbedarfe und deren Finanzierung. Stattdessen würde aber wie bereits in der Vergangenheit als erster Reflex eine Kostenreduzierung ausschließlich auf dem Rücken der Beschäftigten durchgeführt, statt Weichenstellungen für eine wirklich tragfähige Zukunft von Karstadt vorzunehmen. Wer Karstadt wieder zu einem erfolgreichen Unternehmen machen wolle, müsse an der Stärke des Warenhauses und jeder einzelnen Filiale ansetzen. „Im Unterschied zum Onlinehandel funktionieren Warenhäuser vor allem über eine qualifizierte Beratung für die Kunden. Dafür braucht es mehr Beschäftigte auf der Fläche und nicht immer weniger“, so Nutzenberger.

    Hellmut Patzelt, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Karstadt, bemängelt vor allem, dass die neuen Konzepte ohne die Kenntnisse der Beschäftigten und der Arbeitnehmervertreter erarbeitet worden seien. „Die Betriebsräte der Filialen haben in den letzten Jahren immer wieder deutlich gemacht, welche strategischen Korrekturen notwendig sind. Leider erfolglos. Nun sind wie immer die Beschäftigten die Leidtragenden“, sagt Patzelt. Die heute getroffenen Entscheidungen würden vielen Karstadt-Beschäftigten ihre Existenzgrundlage nehmen. Das sei bitter. Ziel der anstehenden Verhandlungen sei es nun, alle Möglichkeiten zu nutzen, um für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen eine Perspektive zu schaffen.

    Karstadt-Warenhaus Carstensen/dpa Karstadt-Warenhaus