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    dapd-Insolvenz: Kompetenz der Beschäftigten nutzen

    dapd-Insolvenz: Kompetenz der Beschäftigten nutzen

    3. Oktober 2012 | Die Nachrichtenagentur dapd ist zahlungsunfähig und hat einen Insolvenzantrag gestellt. Nach Aussagen der Agentur haben die Gesellschafter die weitere Finanzierung für die Firmen „dapd Nachrichtenagentur“ und „dapd Nachrichten“ eingestellt. Ein Insolvenzverwalter solle nun bis Ende November prüfen, ob das Unternehmen umstrukturiert und weitergeführt werden kann. Von der Insolvenz sind rund 300 Beschäftigte betroffen.

    ver.di appelliert an die Gesellschafter und den Insolvenzverwalter der Nachrichtenagentur, im anstehenden Insolvenzverfahren so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten und für einen Neustart die Kompetenz der Beschäftigten zu nutzen. „Die Konkurrenz der Nachrichtenagenturen in Deutschland sucht weltweit Ihresgleichen. Es kommt jetzt darauf an, dass dapd die vor ihr liegende Zeit der Restrukturierung nutzt, sich auf ein Kerngeschäft zu konzentrieren und insbesondere den Beschäftigten eine Zukunft in einer gut aufgestellten Agentur zu eröffnen“, sagte Cornelia Haß, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalistenunion (dju) in ver.di.

    "Es kommt jetzt darauf an, dass dapd die vor ihr liegende Zeit der Restrukturierung nutzt, sich auf ein Kerngeschäft zu konzentrieren und insbesondere den Beschäftigten eine Zukunft in einer gut aufgestellten Agentur zu eröffnen.“

    Cornelia Haß, Bundesgeschäftsführerin der dju in ver.di

    Manche Agenturen haben sich mit Spezialangeboten erfolgreiche Nischen geschaffen. Andere Agenturen bieten die ganze thematische Bandbreite und darüber hinaus maßgeschneiderte Angebotspakete nach Kundenwünschen. Für beide Modelle gelte aber, dass guter Journalismus auf Dauer nicht zum Billigtarif zu haben sei, so Haß: „Gerade mit Blick auf die Glaubwürdigkeit des Agenturjournalismus müssen Bezahlung und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stimmen. Gleichzeitig müssen auch die Agentur-Kunden wissen, dass gute Inhalte ihren Preis haben.“ Agenturvielfalt liege im Interesse der Kunden sowie der Mediennutzerinnen und -nutzer.

    Deshalb müssten nicht nur die Verlage, sondern auch staatliche und öffentlich-rechtliche Einrichtungen bereit sein, angemessene Preise für qualitativ-hochwertige journalistische Inhalte zu bezahlen. „Die dapd-Geschäftsführung sollte die Chancen nutzen, die in dem vor ihr liegenden Prozess liegen, und genau schauen, wo nicht unbedingt das günstigste Angebot überzeugt, sondern ein vor allem qualitativ hochwertiges“, sagte Haß. „Insolvenzverwalter und Geschäftsführung müssen sich die erforderliche Zeit nehmen, solch ein Angebot zu entwickeln – möglichst gemeinsam mit den Beschäftigten, von denen viele über hervorragendes Wissen über die erfolgreiche Arbeit von Nachrichtenagenturen verfügen.“ Haß kündigte an, die Beschäftigten in diesem Prozess zu unterstützen.