Tarifnews

    Wir lassen uns nicht spalten!

    Leiharbeit: Tausende Gewerkschafter demonstrieren gegen Lohndumping

    München, 9. April 2016 | Tausende Gewerkschafter/innen aus allen Branchen haben am Samstag für ein Gesetz gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen auf dem Münchner Odeonsplatz demonstriert. Anlass ist die anhaltende Blockade der CSU bei dem Gesetzentwurf, der derzeit im Kanzleramt auf Eis liegt. Die Gewerkschaften fordern die Regierung auf, das Gesetzesverfahren umgehend in Gang zu setzen. Gegen Lohndumping im Betrieb – gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen. Unter den Demonstrierenden waren auch zahlreiche ver.dianer/innen und der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske. Einen größeren Block bildeten Amazon-Beschäftigte, die seit langem einen Tarifvertrag fordern, der sie vor Lohndumping schützt.

    Amazon-Beschäftigte auf der Demonstration gegen Lohndumping Foto: DGB/Werner Bachmeier Amazon-Beschäftigte auf der Demonstration gegen Lohndumping


    „Der Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen nimmt immer mehr zu. Das Instrument wird systematisch eingesetzt, um Lohndumping im großen Stil zu betreiben. Das kann kein Geschäftsmodell für die deutsche Wirtschaft sein. Für uns gilt: Wir lassen uns nicht spalten in den Betrieben, wir akzeptieren keine Zwei-Klassen-Gesellschaft. CSU und Wirtschaft dürfen mit ihrer dauernden Blockade dieses Gesetzes keinen Erfolg haben“, sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann mit Verweis auf den 13. April, an dem der Koalitionsausschuss wieder tagen wird. „Es reicht. Wir haben lange genug gewartet und diskutiert. Spätestens dann muss die Kanzlerin das Gesetz erneut vorantreiben – und zwar unverändert.“ Es sei nicht akzeptabel, dass maßlose Forderungen der CSU wie die, Leiharbeiter als Streikbrecher einsetzen zu dürfen, sich durchsetzten. „Gibt es kein Gesetz, das Missbrauch wirksam verhindert, werden wir das im Wahlkampf thematisieren“, so Hoffmann.

    „Der Missbrauch ist kein Randthema – Leiharbeiter und Werkvertragsbeschäftigte werden in Kliniken, der Gastronomie, Schlachthöfen ebenso eingesetzt wie in Schulen, Automobilwerken, oder im Zugverkehr, und das bundesweit, von Bayern bis Schleswig-Holstein“, sagte der DGB-Bezirksvorsitzende Matthias Jena. Wer 20 bis 30 Prozent Leiharbeiter einsetze, wolle Kosten senken, nicht Arbeitsspitzen bewältigen. Wenn Werkvertragsbeschäftigte bei gleichen Aufgaben rund ein Drittel weniger verdienten als die Stammbelegschaft, dann sei das Lohndumping. „Es bleibt dabei: Wir fordern gleichen Lohn für gleiche Arbeit“, so Jena.

    Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske und Kolleginnen Foto: DGB/Werner Bachmeier Der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske und Kolleginnen