Tarifnews

    Universitätsmedizin Rostock Logistik

    Jetzt wird nach TV-L gezahlt

    Vorbereitungen für Aktionen bei der Universitätsmedizin Rostock Logistik Privat Vorbereitungen für Aktionen bei der Universitätsmedizin Rostock Logistik

     

    13. Mai 2019 – Ende April haben die Beschäftigten der Universitätsmedizin Rostock Logistik GmbH den Durchbruch geschafft: Sie werden in Zukunft die Entgelte nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) erhalten. Damit werden die rund 300 Beschäftigten so bezahlt, wie alle Landesbeschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern – und damit ebenso wie die anderen Beschäftigten der Universitätsmedizin  Rostock (UMR). Deren 100prozentige Tochter sind sie. 2007 wurden die Beschäftigten, die überwiegend in Reinigung, Fahr- sowie Wach- und Sicherheitsdienst tätig sind, ausgegliedert.

    Geprägt von Konflikten

    Seit 2008 hat die Logistik-Tochter  einen Betriebsrat. Dessen Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber war jedoch immer wieder von Konflikten geprägt, allein von Oktober 2016 bis Ende vergangenen Jahres hatte es 15 Beschlussverfahren gegeben. Das sind Verfahren vor dem Arbeitsgericht, bei denen über kollektivrechtliche Streitigkeiten entschieden wird. Das betrifft häufig das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat.

    Die Beschäftigten der Universitätsmedizin Rostock Logistik sind streikbereit Privat Die Beschäftigten der Universitätsmedizin Rostock Logistik sind streikbereit

    Doch mit einem guten Organisationsgrad und pfiffigen Ideen war es den Beschäftigten schon in der Tarifrunde 2017 gelungen, eine Bezahlung von mindestens 10 Euro pro Stunde durchzusetzen. Aber in der Tarifrunde 2019 wollten sie mehr: Die Angleichung an den TV-L, ganz nach dem Motto „Gutes Geld für gute Arbeit“. Bereits am 18. Februar bekannten sie – gemeinsam mit den Beschäftigten der UMR, deren Tarifverhandlungen an diesem Tag begonnen haben – Farbe und trugen rote Armbinden.

    Besuch beim SPD-Landesparteitag

    Vor der zweiten und dritten Verhandlungsrunde machten sie ihre Streikbereitschaft deutlich. Zugleich suchten sie sich aber auch Bündnispartner*innen in der Politik. Insbesondere Landesregierung und Landtag sahen sie in der Pflicht, die Finanzierung der Lohnerhöhungen zuzusagen. So reisten nach der zweiten ergebnislosen Verhandlungsrunde rund 50 Kolleg*innen Ende März zum SPD-Landesparteitag nach Warnemünde.

    Wollte man sie beim Parteitag erst nicht zulassen, gelang es ihnen, mit Beharrlichkeit die SPD-Mitglieder der Ausschüsse für Bildung und Finanzen vor die Tür zu locken, um sie über ihre Situation zu informieren. Mitte April schrieben die Kolleg*innen an die Ausschussmitglieder aller Parteien (außer der AfD) 239 individuelle Briefe. In jedem schilderte ein Kollege, eine Kollegin persönlich die berufliche Situation und die Lebensumstände, zu denen die geringe Bezahlung führt.

    Der rote Punkt zeigt Streikbereitschaft Privat Der rote Punkt zeigt Streikbereitschaft – auch bei den Beschäftigten der Universitätsmedizin Rostock

    In der dritten Runde kam es dann Ende April zum Durchbruch. Jetzt wird nach TV-L bezahlt. Das bedeutet für eine Reinigungskraft im ersten Jahr 440 Euro brutto im Monat mehr (plus 27 Prozent). Im Fahrdienst kommt ein*e Beschäftigte mit sechs Berufsjahren zukünftig auf 635 Euro brutto mehr (plus 36 Prozent), mit 15 Jahren im Wachdienst werden monatlich 810 Euro brutto mehr bezahlt (plus 42 Prozent). Unter anderem wurde die niedrigste Entgeltgruppe abgeschafft, bisherige Beschäftigungszeiten werden angerechnet.

    Entschlossen und streikbereit

    „Die Entschlossenheit und glaubwürdige Streikbereitschaft der Beschäftigten zahlt sich nun aus und hat hoffentlich Beispielwirkung für Beschäftigte anderer Unternehmen im Gesundheitswesen und darüber hinaus“, sagte der zuständige Gewerkschaftssekretär Damian Putschli. Allerdings gebe es jetzt noch Nachbesserungsbedarf bei anderen Regelungen des TV-L, zum Beispiel bei Urlaub und Krankengeldzuschuss.