Tarifnews

    Klinikbetrieb wesentlich eingeschränkt

    Streik für faire Löhne und gute Arbeit

    4. Oktober 2019 | Der zweitgrößte private Krankenhaus-Konzern in Deutschland, Asklepios, sucht händeringend Personal. Doch dazu müsste er erst einmal höhere Löhne zahlen. Die Beschäftigten der Schildautalklinik in Seesen befürchten, dass der Konzern mit den unattraktiven Gehältern die Zukunft ihrer Klinik durch selbstverschuldeten Personalmangel aufs Spiel setzt. Sie fordern einen Tarifvertrag mit dem der Anschluss an das Tarifniveau des Öffentlichen Dienstes (TVöD) hergestellt wird.

    Personal in Not – der Asklepios-Konzern meidet Tarifverträge, das schürt Widerstand Foto: Charismas/spa-Bildfunk Personal in Not – der Asklepios-Konzern meidet Tarifverträge, das schürt Widerstand


    Asklepios lehnt Verhandlungen mit der Gewerkschaft ab und greift zu aggressiven Methoden, um die Beschäftigten vom Streiken abzuhalten. So hat die Geschäftsführung in Seesen eine rechtswidrige, einseitige Dienstverpflichtung ausgesprochen, bei Streikteilnahme mit Kündigung gedroht und eine Streikbruchprämie ausgelobt. ver.di-Sprecher Jens Havemann, ver.di Region Süd-Ost-Niedersachsen, erwartet vom Konzern, die Drohung zurückzunehmen. Sie sei unzulässig und beschneide die Menschen in ihrem Grundrecht.

    Die Beschäftigten ließen sich von den Drohungen nicht beeindrucken. Am 4. Oktober haben an der Asklepios Schildautalklinik in Seesen erneut rund 200 Beschäftigte gestreikt. Die therapeutische Behandlung, wie Physio- und Ergotherapie oder Logopädie und die Patientenaufnahme waren damit zum zweiten Mal weitestgehend lahmgelegt.

    Auf einer Streikkonferenz wurden auch die Argumente von Asklepios gegen einen Anschluss an den TVöD diskutiert. Oliver Kmiec, verdi-Streikleitung und Betriebsratsvorsitzender: „Um es klar zu sagen: Natürlich wäre der TVöD für Asklepios finanzierbar.“ Die Klinik schreibe seit Jahren hohe Gewinne. Und mit mehr Personal könnten auch mehr Patienten behandelt und höhere Gewinne gemacht werden. Damit könne ohne weiteres das Tarifniveau finanziert werden.

    Die ver.di-Landesvorsitzende Christina Domm, die bereits am Mittwoch auf der Streikkundgebung die Unterstützung des Landesbezirks überbracht hatte, ist gleichzeitig stellvertretende Gesamtpersonalratsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover. Sie kündigte an, auch in dieser Funktion klar Position für die Streikenden zu beziehen. „Wir werden die problematische Situation in der Asklepiosklinik in Seesen bei allen Sozialversicherungsträgern zum Thema machen. Die Kostenträger werden mit Argusaugen darauf achten, dass Asklepios nur die Leistungen vergütet bekommt, die sie auch mit dem vorhandenen Personal sicherstellen können.“

    Auch die rund 1.000 Delegierten des 5. ver.di-Bundeskongresses in Leipzig hatten sich eine Woche zuvor solidarisch erklärt. In ihrer Erklärung vom 27. September 2019 heißt es: „Der zweitgrößte private Krankenhaus-Konzern in Deutschland, Asklepios, vermeidet Tarifverträge, wo immer es geht, als wären wir noch in Kaisers Zeiten. Wo Belegschaften Tarifforderungen mit Arbeitskampf durchsetzen wollen, versucht er, sie auszuhungern. Die Gewinne des Konzerns kommen aus den Beiträgen der Krankenversicherten, also auch von uns. Wir, die rund 1.000 Delegierten des 5. ver.di Bundeskongresses, erklären uns mit den Kolleg*innen der Asklepios Schildautalklinik in Seesen solidarisch.“ (Hier geht es zur vollständigen Solidaritätserklärung)