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    Die neue Armut der katholischen Kirche

    Weltbild in der Insolvenz – Beschäftigte bangen um Arbeitsplätze

    20. Januar 2014 | Der Weltbild-Verlag in Augsburg hat einen Finanzierungsbedarf von 65 Millionen Euro, der durch Banken und die Anteilseigner gedeckt werden müsste. Doch die Diözese spielt als Anteilseigner plötzlich nicht mehr mit und hat die Finanzierungszusagen zurückgezogen. Damit tritt die katholische Kirche nun auch eine moralische Debatte los. Thomas Gürlebeck, bei ver.di für den Handel in Augsburg zuständig, forderte Respekt für die Beschäftigten: „In Augsburg zittern jetzt über 2.000 Menschen und ihre Familien um die wirtschaftliche Existenz.“ Das seien dieselben Kolleginnen und Kollegen, die in den letzten drei Jahren alles für die Zukunftssicherung ihrer Arbeitsplätze gegeben hätten. „Diese Menschen verstehen nicht, warum ihnen die katholischen Eigentümer auf der Zielgeraden ein Bein stellen“, sagte er.

    In einem offenen Brief an die Eigentümer schreiben die Beschäftigten: „Sehr geehrte Herren Bischöfe, wir, die Beschäftigten der Verlagsgruppe Weltbild wurden am Freitag, den 10. Januar 2014, von der Nachricht überrascht, dass Sie sich – entgegen den Beschlüssen unseres Aufsichtsrates und der finanzierenden Kernbanken – entschlossen haben, die Refinanzierung der Verlagsgruppe scheitern zu lassen. Damit haben Sie Weltbild bewusst in die Insolvenz getrieben. Vielleicht können Sie sich ja trotz eigener Ehe- und Kinderlosigkeit vorstellen, was Sie mit diesem Beschluss den 2.000 KollegInnen am Standort Augsburg angetan haben. Sie entziehen mit einem Federstrich mehren Tausend Menschen die wirtschaftliche Existenzgrundlage – und das ohne betriebswirtschaftliche Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit.“

    Auf der Betriebsversammlung am 15. Januar zeigten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überzeugt, dass sie Weltbild wieder auf Erfolgskurs bringen können, wenn man sie lässt. Timm Boßmann, der ver.di-Sprecher für die Betriebsgruppe, sagte im Anschluss, man habe mit dem e-Book-Reader Tolino erst jüngst Erfolgsgeschichte geschrieben. Das Lesegerät liege im Verkauf gleichauf mit dem Kindle von Amazon, was weltweit kein einziger anderer Buchhändler geschafft habe. Und auch Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sieht positive Ansätze. Weltbild habe einen guten Namen und treue Kunden auf der Guthabenseite, wird er in einer Pressemitteilung des ver.di-Bezirks Augsburg zitiert. Schließlich aber hätten auch die großen Verlage ein Interesse am Fortbestand von Weltbild. Niemand wolle sich einem Monopolisten aus Amerika ausliefern.

    Die kommenden Wochen werden beim Weltbild-Verlag in Augsburg – das Filialnetz ist bisher nicht betroffen – nun von zwei großen Anstrengungen geprägt sein. Einerseits wird man alles tun, damit die Kunden weiterhin die Waren in der gewohnten Qualität bekommen. Andererseits will die Belegschaft die Öffentlichkeit suchen, um die katholischen Eigentümer in die Pflicht zu nehmen.