TikTok hat ersten Betriebsrat

    13.10.2022

    Die Mitarbeiter*innen der TikTok Germany GmbH in Berlin haben erstmals einen Betriebsrat gewählt. Nach der gelungenen Wahlversammlung im Juli erzielte die ver.di-Liste am 12. Oktober mit überwältigender Mehrheit 9 von elf Sitzen im 11-köpfigen Betriebsrat bei TikTok. Die beiden Konkurrenzlisten sind mit den jeweils einzigen Kandidat*innen vertreten.

    „Mit diesem Ergebnis können wir sehr zufrieden sein, denn alle Bereiche der Belegschaft sind im Betriebsrat repräsentiert. Die Führungsebene und Administration haben die Wahl sehr unterstützt. Auf allen Monitoren wurde zur Wahl aufgerufen. Das ist eine gute Basis für die jetzt beginnende Betriebsratsarbeit. Am 18. Oktober wird der Betriebsrat mit der konstituierenden Sitzung sein Amt antreten – ver.di wird die Kolleg*innen natürlich weiterhin begleiten und unterstützen”, resümiert die für TikTok zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretärin Kathlen Eggerling.

     
    Flyer zur Wahl an den Betriebsratswahlen
    © ver.di
    ver.di-Liste wirbt für Transparenz und bessere Arbeitsbedingungen.

    Nach jahrelangem Hin und Her ist es durch ver.di-Unterstützung gelungen, einen Betriebsrat bei TikTok zu wählen. Er soll dabei helfen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern und einen Dialog zwischen Mitarbeitenden und Geschäftsführung zu etablieren. Unter den Beschäftigten am Standort Berlin und insbesondere in den Teams der Inhaltsmoderator*innen herrscht wegen schlechter Bezahlung und stark belastenden Arbeitsbedingungen große Unzufriedenheit.

    Neues Betriebsratsmitglied Sean Krusch sieht eine klare Notwendigkeit für einen Betriebsrat: „Die Mitarbeitenden brauchen ein Sprachrohr. Der Betriebsrat kann auf dem direkten Weg mit dem oberen Management in einen Dialog treten und dafür Sorge tragen, dass die Belange der Mitarbeitenden gehört und Betriebsvereinbarungen eingehalten werden.” Er und die anderen Mitglieder seien froh, dass die Zusammenarbeit letztlich so gut lief und TikTok selbst sogar die Wahlen beworben und unterstützt hat.

     Leuchtturm für vergleichbare Konzerne

    „Mit unserer gewerkschaftlichen Unterstützung liefen die Wahlen reibungslos ab, auch die Unternehmensführung kooperierte jetzt mit dem Wahlvorstand. Unsere Gewerkschaftsliste mit dem Kennwort ver.di holte auch noch die meisten Sitze im neuen Betriebsrat. Ein tolles Ergebnis mit Signalwirkung, nicht nur für die SocialMedia Beschäftigten in Berlin, sondern sicher auch weit darüber hinaus“, so der ebenfalls für TikTok zuständige Gewerkschaftssekretär Hikmat El-Hammouri.

    Der erste Versuch einen Betriebsrat zu gründen, bei dem ver.di nicht involviert gewesen ist, war am rechtlichen Widerstand des Arbeitgebers gescheitert. Mitarbeitende hatten sich dazu während der Pandemie organisiert und versucht, eine Versammlung zur Betriebsratsgründung abzuhalten. Weil das Betriebsverfassungsgesetz jedoch vorsieht, dass dies nur in Präsenz möglich ist, wurde das erste digital abgehaltene Treffen im März 2021 nicht als Versammlung zur Wahl des Wahlvorstandes anerkannt. Das Landesarbeitsgericht hat die digitale Versammlung für ungültig erklärt. Die Initiativgruppe bat daher ver.di um Unterstützung, um einen zweiten, rechtssicheren Anlauf zur Betriebsratsgründung durchzuführen.

    ver.di hofft nun, dass ein Betriebsrat bei TikTok nicht nur wichtige Innovationen für die Mitarbeitenden anschieben wird, sondern auch als Leuchtturm für die Wahl eines Betriebsrats in vergleichbaren Social-Media-Konzernen sein kann.

    Text: Rita Schuhmacher

     

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