Tarifnews

    900 Stellen und 30 Flugzeuge weniger

    Air-Berlin-Beschäftigte heben zum Widerstand ab

    16. Januar 2012 | „Turbine 2013“ nennt Air Berlin sein Programm, mit dem sich Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft sanieren will. Das Ziel: 450 Millionen Euro jährliche Einsparungen bis 2014, um wieder im Plus zu landen. Woher das Geld kommen soll, verkündet der neue Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer gerade in drei Tagen in Folge auf Personalversammlungen in Berlin, Düsseldorf und München: 900 von 9.300 Beschäftigte sollen ihren Arbeitsplatz verlieren, die Flotte von 170 Maschinen soll auf 139 reduziert werden. Zudem wünscht sich Prock-Schauer, dass die tarifgebundenen Mitarbeiter/innen auf ihr 13. Monatsgehalt verzichten und „transparente und vereinfachte“ Tarifverträge unterschreiben.

    Anja Schlosser von ver.di, die am Flughafen Düsseldorf die Air-Berlin-Beschäftigten betreut, sagte nach der Personalversammlung dort: „Der Arbeitgeber wirft nur Brocken hin, sagt aber nicht, was die anderen Beteiligten bringen müssen.“ Angeblich machen die Einsparungen durch den Personalabbau nur 10-15 Prozent der 450 Millionen Euro aus. Wie viel Kostensenkungen bei den Flughafenbetreibern, dem Groundhandling, den Reisestellen, etc. erwirtschaftet werden können, gibt Prock-Schauer nicht preis.

    „Wir müssen um jeden Arbeitsplatz kämpfen und die nicht tarifgebundenen sichern“, sagt Anja Schlosser. Tatsächlich sind bei Air Berlin nur 50 Prozent der Beschäftigten tarifgebunden, vor allem die Mitarbeiter/innen in der Verwaltungs-Zentrale in Berlin und an den Ticketschaltern haben keine Tarifverträge. Aber gerade hier haben sich in den letzten Tagen Betriebsräte gegründet. Während Prock-Schauer die einzelnen Beschäftigtengruppen getrennt zu den Versammlungen lädt, erst die Techniker, dann die Piloten, anschließend das Kabinenpersonal und zum Schluss die Bodendienste, lässt sich die Belegschaft nicht spalten. Sie wollen geschlossen für ihre Arbeitsplätze streiten.