Tarifnews

    Tarifstreit bei privaten und öffentlichen Banken

    Warnstreik: Bankangestellte demonstrierten in Berlin

    Um Druck in den laufenden Tarifverhandlungen zu machen, hatte ver.di am heutigen Freitag auch in Berlin und Brandenburg zu Warnstreiks bei den öffentlichen und privaten Banken aufgerufen. Im Zentrum der Hauptstadt wurde am Vormittag eine große Streikversammlung unter freiem Himmel abgehalten, der sich eine Demonstration zum Ernst-Reuter-Platz anschloss. Zur Auftaktkundgebung an der Gedächtniskirche auf dem Berliner Breitscheidplatz fanden sich ab 10 Uhr Hunderte Streikende ein, zahlreiche ver.di-Fahnen, Transparente und selbstgemalte Schilder waren zu sehen. An dem Ausstand beteiligen sich die Beschäftigten von elf Geldinstituten, darunter von der Deutschen Bank, der Berliner Sparkasse, der Investitionsbanken von Berlin und dem Land Brandenburg, von der Targobank und der Deutschen Bank. Der Warnstreik ist Teil einer Serie von bundesweiten Arbeitsniederlegungen, zu denen ver.di aufgerufen hat. 

    Auf der Veranstaltungsbühne wurde Bilanz gezogen über die bisherigen Gespräche mit den Vertretern der Geldhäuser über die Tarife von etwa 200.000 Beschäftigten in ganz Deutschland. „Diese Tarifrunde wird nicht nur am Verhandlungstisch entschieden“, sagte ver.di-Verhandlungsführer Christoph Meister. Nötig sei eine Fortsetzung und Ausweitung der Aktionen. Die Argumente der Gegenseite seien „nicht überzeugend“. Deren Vorbedingung für konkrete inhaltliche Gespräche nach zwei ergebnislos verlaufenen Tarifrunden – nämlich alle aufgestellten Forderungen zurückzuziehen –, nannte Meister „echt skandalös“. „Das hat es in den vergangenen fünfzig Jahren noch nicht gegeben.“ Es handele sich um eine neue Situation; diese Blockade sei „absolut ernstzunehmen“.

    Emily und John beteiligen sich als Auszubildende an der ver.di-Streikaktion Foto: Renate Koßmann Emily und John sind Azubis bei der Berliner Sparkasse. Als JAV weiß John ver.di an seiner Seite. Emily ist das erste Mal bei einer Streikaktion dabei


    In mehreren Redebeiträgen wurde auf die Tarifeinigung verwiesen, die nach mehreren Warnstreiks gerade bei der Berliner Verkehrsgesellschaft erzielt wurde. Diese demonstriere, hieß es, dass ein guter Abschluss „nur mit einer starken Gewerkschaft möglich“ sei. Christina Stönner, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei der Berliner Sparkasse, zählte auf, welche Verbesserungen die Beschäftigten von einem neuen Tarifvertrag erwarten. Neben 6 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten wird um einen zeitlich und finanziell unterstützten Anspruch auf Weiterbildung, um eine Zulage für Azubis und Studierende von 100 Euro monatlich sowie für sechs Entlastungstage gestritten. Für ver.di-Mitglieder wird eine Mobilitäts- und Wohnraumzulage von 80 Euro im Monat gefordert. Die Bankbeschäftigten seien diejenigen, so Stönner, die von Filialschließungen, von Arbeitsverdichtung und steigendem Vertriebsdruck betroffen seien. Wiederholt wurde auf die gestiegenen Wohn- und Lebenshaltungskosten besonders in den Metropolregionen verwiesen. 

    Mitarbeiter von S-Servicepartner bei der Kundgebung zum Warnstreik der Banken in Berlin Foto: Renate Koßmann Bettina und Carsten sind bei S-Servicepartner beschäftigt, der zur Sparkassen-Finanzgruppe gehört. In der Gewerkschaft sind beide nicht. Aber solidarisch: „Wir wollen den Abschluss, also gehen wir auch mit streiken.“ Die jüngeren Leute bräuchten wieder bessere Perspektiven


    Unter den Demonstranten waren auch viele Beschäftigte der Commerzbank. Ihr Protest richtete sich zugleich gegen die Pläne für eine Fusion ihrer Bank mit der Deutschen Bank. „Die Frage ist für uns existentiell“, sagte der freigestellte Betriebsrat Dirk Stöllger. Schließlich stünden zehntausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Anders als bei der Deutschen Bank gehöre die große Mehrheit des Gesamtbetriebsrats seines Konzerns ver.di an, merkte Stöllger an. „Die Deutsche Bank und wir, das passt nicht zusammen.“ Dass Finanzminister Olaf Scholz abstreitet, Einfluss genommen zu haben auf die Pläne für eine neue Großbank, ist in Stöllgers Augen „völlig unglaubwürdig“.

    Für die kommenende Woche hat ver.di Bankbeschäftigte zu neuen Warnstreiks aufgerufen, unter anderem in Baden-Württemberg, in Nordrhein-Westfalen und im Saarland. Auch für Berlin sind weitere Aktionen geplant. Am 11. April steht die nächste Verhandlungsrunde im Bankentarifstreit an.