Tarifnews

    Für einen Tarifvertrag und gesunde Arbeit

    Streik der Amazon-Beschäftigten am Weltgesundheitstag

    Berlin, 7. April 2017 | Am heutigen Weltgesundheitstag haben die Beschäftigen an den Amazon-Standorten Rheinberg, Werne, Bad Hersfeld und Koblenz seit den frühen Morgenstunden die Arbeit nieder gelegt. Sie streiken für einen Tarifvertrag und gesunde Arbeit. Die Streiks dauern vorläufig bis zum Ende der Spätschicht an. Amazon verweigert seinen Beschäftigten bisher grundsätzlich einen Tarifvertrag.

    „Tarifverträge sind dafür da, existenzsichernde Löhne, gute und damit auch gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen verbindlich zu garantieren.“

    Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied

    Bei Amazon ist der Arbeitsalltag geprägt von hohem Druck, Hetze und Kontrollen. Die Folge sind überdurchschnittlich hohe Krankenraten. Doch statt mehr für die Gesundheit der Beschäftigten zu tun, führt Amazon Gesundheitsprämien ein, die Kranke unter Druck setzen und das Misstrauen der Beschäftigten untereinander fördern. ver.di setzt sich weiterhin für verbindlichen Schutz durch Tarifverträge ein. „Tarifverträge sind dafür da, existenzsichernde Löhne, gute und damit auch gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen verbindlich zu garantieren“, sagte Nutzenberger. Leider müssten die Beschäftigten immer wieder dafür in den Arbeitskampf treten, da Amazon sich tariflichen Regelungen verweigere.

    ver.di nimmt den Weltgesundheitstag zum Anlass, heute erneut gute Arbeitsbedingungen zu thematisieren, denn viele Beschäftigte klagen seit Jahren über die schlechten gesundheitlichen Arbeitsbedingungen bei Amazon. Bereits vor einem Jahr hat eine Umfrage am Weltgesundheitstag ergeben, dass für die Amazon-Beschäftigten neben der Frage der existenzsichernden Löhne auch die gesundheitsschädlichen Arbeitsbedingungen ein wichtiges Thema sind. So haben in Rheinberg 98,6 Prozent und in Werne 97,8 Prozent der Beschäftigten angegeben, dass die Leistungsanforderungen allzu hoch sind und immer noch höher geschraubt werden.

    „Amazon nimmt wenig Rücksicht auf die Gesundheit seiner Beschäftigten. Die Arbeitsbedingungen sind sehr belastend, es herrschen hoher Druck und permanente Kontrolle, es fehlen Hilfsmittel am Arbeitsplatz und die Pausen- und Erholungszeiten sind unzureichend, Wegezeiten werden auf die Pausen angerechnet“, so ver.di-Betreuungssekretär Thomas Schneider in Leipzig. „Über Geld und Urlaub hinaus können Tarifverträge auch Grundlage für gesundere Arbeitsbedingungen sein. Gerade am Weltgesundheitstag muss darüber gesprochen werden, denn die Krankheitsquoten sind bei Amazon nach wie vor außerordentlich hoch – höher als im Durchschnitt der Unternehmen in Deutschland.“ Deshalb sind auch Beschäftigte des Amazon-Standorts Leipzig seit dem Mittag in den Streik getreten.