Tarifnews

    Globus versucht, Betriebsratsvorsitzender zu kündigen

    Engagiert, gut, unbequem

    22. März 2017 – Seit 38 Jahren arbeitet Petra Kusenberg bei Globus, seit zehn Jahren ist sie freigestellte Betriebsratsvorsitzende. Jetzt versucht der Arbeitgeber, ihr zu kündigen. Der Vorwurf lautet Arbeitszeitbetrug. An einem verkaufsoffenen Sonntag hat die engagierte Gewerkschafterin gearbeitet und soll bei dieser Gelegenheit auch privat einige Kleinigkeiten eingekauft haben. Dabei stützt der Arbeitgeber sich auf die Auswertung des Kassensystems, der filialeigenen Kameras und der Personalkarte.

    Lückenlose Überwachung

    Für Jürgen Knoll, Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Pfalz, ist schon allein das eine unzulässige Verknüpfung verschiedener EDV-Systeme, mit der Beschäftigte lückenlos überwacht werden könnten. Außerdem habe es bislang noch keine Beanstandungen gegeben, wenn Beschäftigte während der Arbeitszeit Kleinigkeiten eingekauft hätten. Selbst vor Gericht habe Globus nicht beziffern können, welcher Schaden dem Unternehmen entstanden sei.

    Knoll sieht in der Kündigung vielmehr den Versuch, sich „einer engagierten und guten Betriebsrätin zu entledigen“. Es werde mit haltlosen Beschuldigungen ein Fall konstruiert, um eine unbequeme Betriebsrätin und engagierte Gewerkschafterin loswerden zu können. „Derartige Drangsalierungen durch einen Arbeitgeber fordern unsere Solidarität“, sagt auch ver.di-Landesleiter Michael Blug. Deswegen sammelt ver.di Unterschriften und hat einen offenen Brief an Thomas Bruch, Geschäftsführer und Inhaber der Globus-Holding, veröffentlicht.

    Vergleich gescheitert

    Das Arbeitsgericht Kaiserslautern hat Mitte März den Antrag der Globus-Geschäftsführung auf gerichtliche Ersetzung der Zustimmung zur Kündigung zurückgewiesen. Zuvor war ein von der Arbeitsrichterin vorgeschlagener Vergleich gescheitert.

    Die Globus-Gruppe betreibt in Deutschland 46 SB-Warenhäuser mit rund 18.400 Beschäftigten, 88 Baumärkte und sieben Alphatec-Elektrofachmärkte sowie die dazugehörige E-Commerce-Plattform hitseller.de. Die Gruppe ist 2013 aus der Tarifbindung ausgeschieden und hat ein eigenes Vergütungssystem eingeführt. Daran entzünden sich immer wieder Konflikte mit ver.di.

    Text: Heike Langenberg