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    Kein Einkommen zum Auskommen: Immer mehr Hartz IV-Aufstocker

    Berlin ist Spitzenreiter

    Kein Einkommen zum Auskommen: Immer mehr Hartz IV-Aufstocker

    Eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes zeigt es erneut: Immer mehr Menschen in Deutschland können von ihrem Lohn nicht leben und brauchen Zuschüsse vom Staat. Hartz IV ist nicht nur ein Fürsorgesystem für hilfebedürftige Arbeitslose, sondern es unterstützt immer stärker auch Menschen, die mit ihrem Gehalt einfach nicht über die Runden kommen. Sie werden zu sogenannten Hartz IV-Aufstockern.

    Von allen Empfängern des Arbeitslosengeldes II waren Ende 2011 fast 29 Prozent Hartz IV-Aufstocker, in den neuen Ländern waren es fast ein Drittel, so die Studie „Arm trotz Arbeit: Einkommen immer öfter nicht ausreichend“. Die Zahl der Haushalte, in denen ein erwerbstätiger Hartz IV-Bezieher lebt, ist von 2007 bis 2011 in den alten Bundesländern um 14 Prozent und in Ostdeutschland um 11 Prozent gestiegen. Am stärksten war der Zuwachs in der Zeit in Berlin: Um ein Viertel ist die Zahl der Haushalte gestiegen, die mit Hartz IV aufstocken mussten.

    Das kostet den Bund, die Steuerzahler und es belastet die Kommunen. Mit rund sechs Milliarden Euro im Jahr. Allein für die Sicherung des Existenzminimums für hilfebedürftige Haushalte mit sozialversichert Beschäftigten mussten 2012 rund 4 Milliarden Euro aus Steuermitteln gezahlt werden. Die Kommunen mussten hierbei gut 2,2 Milliarden Euro für die Leistungen für Unterkunft und Heizung aufbringen. Knapp 600 Euro erhielten Bedarfsgemeinschaften mit sozialversichert Beschäftigten an Unterstützung, inklusive rund 330 Euro für die Miete.

    Fazit: Bund, Städte und Gemeinden wären deutlich entlastet, wenn die Menschen von dem Gehalt leben könnten, dass sie von ihren Arbeitgeber bekommen. Mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro könnte der Niedriglohnsektor eingedämmt werden. Insbesondere die Kommunen mit ausgeprägtem Niedriglohnsektor würden entlastet werden, ergänzende Hartz IV-Leistungen könnten zum Teil verhindert oder die Aufstockungsbeiträge zumindest reduziert werden.