Kita-Plätze und Fachkräfte fehlen

    20.10.2022

    Berlin, 20.10.2022 – Was ver.di schon lange angemahnt hat, wurde nun durch die Bertelsmann Stiftung bestätigt: Das Kita-System steht vor einem Kollaps. 

    In Deutschland gibt es noch immer zu wenig Kita-Plätze, um die Nachfrage zu decken. Gemessen an den Betreuungswünschen fehlen im kommenden Jahr voraussichtlich bis zu 383.600 Plätze bundesweit: 362.400 im Westen und 21.200 im Osten. Das geht aus neuen Berechnungen der Bertelsmann Stiftung für das aktuelle Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme hervor.

     
    Kinderhand baut einen Turm aus Bauklötzen
    © La-Rel Easter/unsplash
    Kita-System vor dem Kollaps


    ver.di warnt bereits seit zehn Jahren vor dem unabgestimmten Ausbau des Systems der Kindertageseinrichtungen und ihren Folgen. Besonders spürbar sind die Auswirkungen durch den massiven Fachkräftemangel.

     

    „Rechtsansprüche auf ein bedarfsgerechtes Angebot für Kinder vor der Schule und jetzt endlich auch während der Grundschulzeit zu schaffen, war äußerst sinnvoll. Um dem aber in der Praxis gerecht werden zu können, muss selbstverständlich auch Fachpersonal vorhanden sein.“

    Christine Behle, stellvertretende ver.di-Vorsitzende

    „Rechtsansprüche auf ein bedarfsgerechtes Angebot für Kinder vor der Schule und jetzt endlich auch während der Grundschulzeit zu schaffen, war äußerst sinnvoll. Um dem aber in der Praxis gerecht werden zu können, muss selbstverständlich auch Fachpersonal vorhanden sein. Den entsprechenden Ausbau des sozialpädagogischen Ausbildungssystems mit entsprechendem Fachpersonal haben die Länder und der Bund jedoch versäumt“, kritisiert die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle. Die Folgen würden jetzt vor allem die Kinder spüren, Eltern und insbesondere die Fachkräfte würden unter der problematischen Situation leiden. Unbesetzte Stellen und ein hoher Krankenstand, der auch auf die hohe Arbeitsbelastung zurückzuführen sei, würden zu einer permanenten Überlastung der Beschäftigten führen.

    Die Maßnahmen, die durch die Politik ergriffen werden müssten, liegen auf der Hand, so Behle: „Dringend notwendig sind der Ausbau des sozialpädagogischen Ausbildungssystems, eine Erhöhung der Attraktivität der Ausbildung bei gleichbleibendem Niveau des Abschlusses und die Verbesserung der Rahmenbedingungen, insbesondere durch eine bessere Personalausstattung.“

    Ein Blick in die Länder

    Ein genauerer Blick zeigt, dass in fast allen Bundesländern, vor allem in den westdeutschen, die Nachfrage der Eltern nach Kita-Plätzen höher ist als der Anteil an Kindern, die 2021 betreut wurden, heißt es in dem Bericht. Der größte Mangel bestünde demnach in Nordrhein-Westfalen mit 101.600 fehlenden Kita-Plätzen, während in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen kein Platzausbau erforderlich sei. In Berlin gibt es 17.000 Kita-Plätze zu wenig, was einer Unterversorgung von rund sieben Prozent entspricht. In Bremen fehlen 5.400 (rund dreizehn Prozent) und in Hamburg 3.700 Plätze (drei Prozent). Der Ausbaubedarf unterscheide sich darüber hinaus nach Altersgruppe. Den Berechnungen zufolge fehlten für unter dreijährige Kinder in Westdeutschland rund 250.300 Kita-Plätze, in Ostdeutschland (inklusive Berlin) seien es rund 20.700. Für die Kinder ab drei Jahren gäbe es in den westdeutschen Bundesländern 112.100 Plätze zu wenig, gegenüber 500 im Osten. 

    „Wir erwarten, dass Bund und Länder gemeinsam einen Stufenplan vorlegen, welcher den Ausbau des Systems, die Hebung der Qualität und die Gewinnung und Ausbildung von Fachkräften synchronisiert. Die Umsetzung des Plans muss mit arbeits- und familienpolitischen Maßnahmen flankiert werden, denn auch die Eltern brauchen Sicherheit, die zurzeit nicht gegeben ist“, erklärt die Gewerkschafterin Behle. Ein Anfang wäre die sinnvolle Nutzung der nächsten Förderphase des sogenannten „Gute-Kita-Gesetzes“. 

    Für das Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme wurden Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik (Stichtag 1. März 2021), des BMFSFJ, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend („Kindertagesbetreuung Kompakt“, 2021) und weiteren amtlichen Statistiken ausgewertet.