Tarifnews

    Sicherheit und Perspektive für die Beschäftigten

    Telekom: Tarifabschluss bringt deutlich mehr Geld

    +++ Update +++

    Berlin, 12.05.2022 – Warnstreiks zählen zum Tarifgeschäft und zahlen sich meist aus wie jetzt auch bei der Deutschen Telekom. In der dritten Tarifrunde für die bundesweit rund 55.000 Tarifbeschäftigten, Auszubildenden und dual Studierenden des Unternehmens haben ver.di und die Arbeitgeber ein Verhandlungsergebnis erzielt, das deutliche Entgelterhöhungen, höhere Vergütungen für Auszubildende und Studierende im dualen Studium, eine Erhöhung der Ausbildungsquote sowie eine Verlängerung des Ausschlusses betriebsbedingter Kündigungen vorsieht. „Mit diesem guten Ergebnis schaffen wir Sicherheit und Perspektive für die Beschäftigten der Deutschen Telekom, insbesondere auch für Auszubildende und dual Studierende. Damit wirken wir auch dem drohenden Fachkräftemangel entgegen“, so ver.di-Verhandlungsführer Frank Sauerland.

    Der Abschluss im Detail

    Im Einzelnen sieht das Tarifergebnis folgende Regelungen vor: In den Entgeltgruppen 1 bis 5 steigen die Entgelte zum 1. August 2022 um 3,1 Prozent und zum 1. Juni 2023 um weitere 2,1 Prozent. In der Entgeltgruppe 6 steigen sie zu denselben Zeitpunkten um 2,9 Prozent und 2,1 Prozent, in den Entgeltgruppen 7 bis 10 um 2,7 Prozent und 2,1 Prozent. Beschäftigte in den Entgeltgruppen 1 bis 6 erhalten zusätzlich eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro im Juli 2022 sowie eine weitere Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro im Februar 2023. Zudem wird der Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen um ein Jahr bis zum 31. Dezember 2024 verlängert.

    Die Vergütungen für Azubis steigen zum 1. August 2022 um 35 Euro und zum 1. Juni 2023 um weitere 35 Euro. Die Vergütungen für dual Studierende im ersten und zweiten Studienjahr steigen zum 1. August 2022 um 41 Euro und zum 1. Juni 2023 um 35 Euro. Die Vergütungen für dual Studierende im dritten Studienjahr steigen zum 1. August 2022 um 51 Euro und zum 1. Juni auch um 35 Euro. Auszubildende und Studierende im dualen Studium erhalten zusätzlich eine Einmalzahlung von 100 Euro im Juli 2022 und eine weitere Einmalzahlung von 100 Euro im Februar 2023. Die Unterhaltsbeihilfe wird von 270 Euro auf 300 Euro erhöht. Insgesamt sorgt das Ergebnis vor allem für die unteren Entgeltgruppen für deutliche Einkommenssteigerungen.

    Das Tarifergebnis steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der ver.di-Tarifkommission. Die ver.di-Verhandlungskommission hat die Annahme des Tarifergebnisses einstimmig empfohlen. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten bis 31. März 2024.

    Warnstreiks haben Bewegung in die Tarifrunde gebracht

    Berlin, 09.05.2022 – Um den Druck auf die Telekom zu erhöhen, wird die dritte Verhandlungsrunde am 10. und 11. Mai 2022 mit bundesweiten Warnstreiks eingeläutet. Das von den Arbeitgebern zuletzt vorgelegte Angebot sei völlig unzureichend; es bedeute weder einen hinreichenden Ausgleich der steigenden Lebenshaltungskosten noch eine angemessene Beteiligung der Beschäftigten am Erfolg des Unternehmens, zu dem sie maßgeblich beitrügen, so ver.di-Arbeitskampfleiter Tim Feise.

    In der laufenden Tarifrunde fordert ver.di deshalb eine tabellenwirksame Entgelterhöhung und die Erhöhung der individuellen Entgelte um 6 Prozent für die rund 55.000 Tarifbeschäftigten. Zudem fordert ver.di eine Komponente zur Steigerung der Einkommensgerechtigkeit bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten. Auch sollen die Vergütungen für Auszubildende und für Studierende in dualen Studiengängen überproportional um 80 Euro pro Monat erhöht werden.

    „Wir erwarten ein Angebot, das die Gewinne des Konzerns und die steigenden Lebenshaltungskosten für die Beschäftigten widerspiegelt.“

    Christian Filusch, ver.di-Arbeitskampfleiter Baden-Württemberg

    Warnstreik soll spürbares Signal direkt an den Verhandlungstisch senden

    In Baden-Württemberg arbeiten bei der Telekom etwa 6.000 Beschäftigte. Hier rechnet man mit etwa 1.000 Streikenden. Der zuständige ver.di-Landesarbeitskampfleiter Christian Filusch zeigt sich kämpferisch: „Mit dem Warnstreik wollen wir morgen ein direktes und spürbares Signal direkt an den Verhandlungstisch senden: Wir erwarten ein Angebot, das die Gewinne des Konzerns und die steigenden Lebenshaltungskosten für die Beschäftigten widerspiegelt.“ Gestreikt wird jeweils ganztägig an den Telekom-Standorten Buchen, Freiburg, Göppingen, Heidelberg, Heilbronn, Schwäbisch Hall, Karlsruhe, Leinfelden-Echterdingen, Mannheim, Offenburg, Reutlingen, Rottweil, Donaueschingen, Singen, Konstanz, Stuttgart, Ulm und Weingarten.

    In den Ländern Niedersachsen und Bremen sind große Streikversammlungen in Oldenburg und Hannover geplant. Außerdem sind auch die Telekombeschäftigten in Braunschweig, Bremen, Celle, Göttingen, Hannover, Leer, Lingen, Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück, Stade, Stadthagen, Uelzen und Westerstede aufgerufen. Hugo Waschkeit, der bei ver.di Niedersachsen-Bremen zuständig für die Telekom ist, droht bei einem erneuten unzureichenden Angebot mit einer Ausweitung der Arbeitskampfmaßnahmen: „Sollte es in der dritten Verhandlungsrunde kein Angebot geben, das unsere Forderungen aufgreift, werden weitere und intensivere Aktionen folgen.“ Auch in weiteren Bundesländern laufen bereits Vorbereitungen zu Warnstreiks.

    Ob die Beschäftigten der Telekom auch in dieser Tarifrunde auf die Straße gehen, hängt von den Arbeitgebern ab Stratenschulte/dpa-Bildfunk Bundesweit gehen die Beschäftigten der Telekom wieder für ihre Forderungen auf die Straße


    Bundesweit positive Bilanz der ersten Woche

    Bisher zieht ver.di bundesweit eine positive Bilanz der ersten Woche mit vollschichtigen Warnstreiks. Mehr als 10.000 Kolleginnen und Kollegen hatten ein starkes Zeichen gesetzt und unterstrichen, dass sie hinter ihrer ver.di-Verhandlungskommission stehen. Allein in NRW hatten sich mehr als 2.000 Beschäftigte beteiligt, in Baden-Württemberg rund 1.000 Streikende. In Hessen waren es 700 – dort hatten sich viele Nachwuchskräfte vor den Toren der betroffenen Telekomgesellschaften versammelt. Sie seien sehr motiviert und entschlossen gewesen, und zwar von Kassel, über Gießen, Fulda, Hanau, Frankfurt am Main bis hin nach Wiesbaden und Darmstadt, erklärte die zuständige Gewerkschaftssekretärin, Anastasia Polidoros, und zeigte sich zufrieden.