Galeria erneut insolvent

    02.11.2022

    02.11.2022 — Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren hat der Großinvestor und österreichische Milliardär René Benko ein Schutzschirm-Insolvenzverfahren seiner Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof GKK beantragt. Ein Drittel der 131 Filialen in Deutschland will er schließen. Das Unternehmen befinde sich in einer Notlage. Und das, obwohl es bereits 680 Millionen Euro Steuergelder aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds kassiert hat.

     
    Galeria Kaufhof – der nächste Sanierungsfall
    © Oliver Berg/dpa Bildfunk
    Vorstand der Signa-Holding beantragt zum zweiten Mal Schutzschirmverfahren


    Dazu kommt der Eigenanteil der Beschäftigten: Bereits im Schutzschirmverfahren von 2020 hatten sie Filialschließungen und Arbeitsplatzabbau sowie eine Bezahlung deutlich unterhalb des Flächen-Tarifvertrags hingenommen und ihrem Arbeitgeber so etliche Millionen Euro für die Rettung des Unternehmens zur Verfügung gestellt. Doch diesen mit ver.di abgeschlossenen Integrations-und Überleitungsvertrag hat das Unternehmen im Oktober 2022 gekündigt. „Die Beschäftigten haben ihre persönlichen Verluste in Galeria investiert“, betont Stefanie Nutzenberger von ver.di, „nicht nur das Unternehmen, auch die 17.000 Beschäftigten befinden sich in einer Notlage.“ Angesichts der Inflation hätten sie keinerlei finanziellen Spielraum für weiteren Entgeltverzicht.

    In einer Pressekonferenz in der ver.di-Bundesverwaltung kündigte der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke den ganzen Einsatz der Gewerkschaft an: „Wir kämpfen mit den Beschäftigten um den Erhalt der Standorte und der mehr als 17.000 Arbeitsplätze. Es geht  auch um die Attraktivität vieler Innenstädte, weil die GKK-Standorte an vielen Stellen einen Ankerpunkt für weitere Geschäfte, Handels- und Dienstleistungs-Unternehmen bilden.“ Außerdem bekräftigte er die Forderung ver.dis nach Mitbestimmung im weiteren Insolvenzverfahren: „Wir verlangen, im Gläubigerausschuss vertreten zu sein, um die Interessen der Beschäftigten, die bereits erhebliche Tarifbestandteile in die Sanierung gesteckt haben, wirksam vertreten zu können. Wir haben zudem das Unternehmen zu Verhandlungen aufgefordert und erwarten auch hier kurzfristig eine Zusage.“

    Wo ist René Benko?

    Da allerdings tut sich bislang wenig, René Benko scheint erstmal abgetaucht zu sein. Wut und Enttäuschung bei den Beschäftigten sind groß, auch weil der Eigentümer seine Zusagen, umfassend in die Häuser zu investieren, nicht eingehalten hat.

    „Die Frage ist: Wo ist jetzt René Benko? Den Beschäftigten jedenfalls stellt er sich nicht“, wunderte sich auch Frank Werneke über das laute Schweigen des Chefs der Signa-Holding, zu dem GKK gehört. Doch der mit dem Ausbau von Dachgeschossen in Innsbruck und Immobiliengeschäften reich gewordene Investor hat zurzeit noch eine andere Baustelle. In Österreich folgt ihm der Vorwurf der Bestechung, seine Büros wurden schon durchsucht. Mit Fremdgeld und Gemauschel hat Benko ein geschätztes Vermögen von 4,6 Milliarden Euro angehäuft: „Eines ist schon beachtlich“, umriss er einst sein Geschäftsmodell, „es gibt kein Investment, wo ich je einen Euro draufgezahlt hätte“- Noch heute brüstet er sich damit, bei seinen Investments noch nie Geld verloren zu haben. Jetzt wissen wir auch, warum.

     

     

     

     

     

     

     

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