Tarifnews

    ver.di-Kampagne: „Einer für alle“

    Tarifverträge im Handel müssen allgemeinverbindlich werden

    Tarifvrhandlungen Handel 2013 Caroline Seidel/DPA Ein Herz für Tarife

    9. März 2017 | Der Einzelhandel ist eine von Teilzeit- und Minijobs geprägte Frauenbranche. Die gering entlohnten Teilzeitarbeitsplätze wirken sich dramatisch auf die spätere Rente der Frauen aus. Zusätzlich verschärft die Tarifflucht der Handelsunternehmen das Risiko der Altersarmut. Das will ver.di ändern. Deshalb startet ver.di heute unter dem Motto „Einer für alle“ eine bundesweite Kampagne zur Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen.

    ver.di will erreichen, dass die Tarifverträge in der Handelsbranche nicht nur für tarifgebundene Unternehmen, sondern branchenweit für den gesamten Einzelhandel mit seinen drei Millionen Beschäftigten gelten. In den letzten Jahren hatte die Tarifflucht der Unternehmen im Einzel- und Versandhandel, aber auch im Groß- und Außenhandel stark zugenommen. Nur noch etwa 30 Prozent der Branche sind tariflich gebunden. Dadurch sind zigtausende von prekären und unterbezahlten Arbeitsverhältnissen entstanden.

    „Lohn und Gehalt der Beschäftigten der Branche reichen oft vorne und hinten nicht aus…“

    Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied

    „Lohn und Gehalt der Beschäftigten der Branche reichen oft vorne und hinten nicht aus, weil die Bezahlung vor allem in den vielen tariflich ungebundenen Betrieben bis an die Armutsgrenze gerückt ist“, kritisierte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger, zuständig für den Handel, heute in Düsseldorf die Dumpinglohnpraxis im Handel. Sie forderte, dass der Unterbietungswettbewerb endlich aufhören muss. „Um Tarifflucht und Lohndumping zu bekämpfen, fordern wir die Arbeitgeber, aber auch die Politik auf, endlich wieder allgemeinverbindliche Tarifverträge möglich zu machen. Kein Arbeitgeber darf sich mehr zu Lasten der Allgemeinheit, tarifgebundener Unternehmen und insbesondere auf den Rücken der Beschäftigten aus der Verantwortung stehlen. Tarifflucht darf sich nicht länger auszahlen“, sagte Nutzenberger.

    Laut dem Tarifvertragsgesetz können Tarifverträge durch die Länderarbeitsministerien bzw. das Bundesarbeitsministerium für allgemeinverbindlich erklärt werden, und zwar auf Antrag der Tarifparteien. Dann gilt ein Tarifvertrag für die gesamte Branche, unabhängig davon, ob ein Unternehmen tarifgebunden ist oder nicht.