Tarifnews

    Bad Hersfeld beim Streik erneut vorn mit dabei

    Arbeitsniederlegungen bei Amazon

    16. Juli 2019 | Der Versandhändler Amazon bekommt weiterhin Druck durch ver.di. Zum sogenannten Prime-Day am 15. und 16. Juli finden und fanden erneut Streiks bei Amazon statt. Die Beschäftigten fordern Tarifeinkommen wie im Einzel- und Versandhandel durch Anerkennung der regionalen Flächentarifverträge sowie einen Tarifvertrag für gute und gesunde Arbeit. Amazon orientiert sich bisher an den niedrigeren Löhnen der Logistikbranche. Ein Schwerpunkt des Arbeitskampfes findet diese Woche in Bad Hersfeld in Nordhessen statt, wo Amazon mit zwei Warenlagern den größten deutschen Standort unterhält. Die Beteiligung an den Streikversammlungen am Montag vor Schichtbeginn war entsprechend groß. Dass ver.di bundesweit zugleich an sechs Orten zu Arbeitsniederlegungen aufrief, sei bei den Beschäftigten super angekommen, sagte Mechthild Middeke, Gewerkschaftssekretärin im regionalen Fachbereich Handel. Gestreikt wird auch in Werne, Rheinberg, Leipzig, Graben und Koblenz.

    Streikbruchprämien statt Tarif? Nicht mit ihnen! Erneut streiken in Bad Hersfeld Amazon-Beschäftigte für faire Löhne ver.di Streikbruchprämien statt Tarif? Nicht mit ihnen! Erneut streiken in Bad Hersfeld Amazon-Beschäftigte für faire Löhne


    Amazon lockt Streikbrecher mit Lohnzuschlägen. Anlässlich der Streiks hat der Versandhändler in Bad Hersfeld pro Tag eine Sonderzulage von 10 Euro geboten. Überstunden werden mit satten Extrazulagen belohnt. Wer sechs Tage durcharbeitet, erhält einen Bonus. Das könne man als Streikbruchprämie bezeichnen, findet Gewerkschaftssekretärin Middeke. An den hessischen Standorten wird ver.di den Streik bis einschließlich Mittwoch weiterführen. Beim letzten Streik am 2. Juli hatten sich dort von den rund 2.000 Beschäftigten der Tagesbelegschaft etwa 650 beteiligt. Eine ähnlich große Beteiligung wäre für ver.di auch diesmal ein Erfolg.

    Nach außen hin gibt sich das Amazon-Management weiterhin so, als würden die Arbeitsniederlegungen ohne Auswirkungen auf das Geschäft bleiben. Middeke hält das für einen Bluff. Je nach Sortiment seien die Folgen in unterschiedlichem Maße zu spüren. Gerade bei Wein, Bier und Spirituosen, die von Bad Hersfeld aus vertrieben werden, jongliere Amazon bereits mit den Lieferfristen. Für die Kunden ist das spürbar. Und die Beschäftigten werden weiterhin Geduld bei ihrem Arbeitskampf zeigen.

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