Tarifnews

    Allgemeinverbindlichkeit ist das Ziel in Bremen

    Bremer Altenpflege bekommt trägerübergreifenden Tarifvertrag

    Bremen, 29. März 2017 | Die zirka 3.200 Beschäftigen in der stationären und ambulanten Altenpflege in Bremen bekommen erstmals einen trägerübergreifenden Tarifvertrag. Das heißt, die tariflichen Regelungen gelten für AWO, DRK, Parität, Diakonie und Caritas gleichermaßen. Bislang war die Altenpflege in Bremen dadurch gekennzeichnet, dass es kaum tarifliche Regelungen gab und der Wettbewerb in erster Linie auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wurde. Der Tarifvertrag schafft jetzt erstmals einheitliche Bedingungen.

    Mit dem Abschluss des Tarifvertrages Altenpflege in Bremen (TV PfliB) mit der Tarifgemeinschaft Pflege Bremen ist ver.di ihrem Ziel, die Altenpflege deutlich aufzuwerten, einen Schritt näher gekommen. Der Tarifvertrag regelt die wichtigsten Tarifinhalte wie Entgelt, Eingruppierung, Urlaub, Zuschläge und die Jahressonderzahlung. Er stellt aus ver.di-Sicht einen ersten Meilenstein auf dem Weg zu einem umfassenden Tarifwerk für die Altenpflege dar.

    Die Regelungen zum Urlaub, zur Jahressonderzahlung und zu den Zulagen treten rückwirkend zum 1. Januar 2017 in Kraft. Die Entgelte wirken in der stationären Pflege ab dem 1. Juni 2017 und in der ambulanten Pflege ab 1. Oktober 2017. Sie erhöhen sich jährlich bis zum Ende der Laufzeit 2019 deutlich.

    Wer heute schon bessere arbeitsvertragliche oder tarifliche Regelungen hat, behält seinen Besitzstand. Eine Verschlechterung wird es nicht geben. Niemand verliert. Die meisten Beschäftigten gewinnen bis zum Ende der Laufzeit dazu – teilweise mehrere 100 Euro im Monat.

    ver.di konnte ein Verhandlungssystem mit dem Arbeitgeberverband entwickeln, das alle Wohlfahrtsverbände umfasst und für weitere Anbieter offen ist. Bremens Beschäftigte in der Altenpflege wurden dadurch deutlich aufgewertet.

    Sozialpartnerschaftserklärung

    Außerdem haben ver.di und die Tarifpartner des Arbeitgeberverbandes in einer Sozialpartnerschaftserklärung vereinbart, dass bereits während der Laufzeit des Tarifvertrages weitere Tarifregelungen, wie z.B. zusätzliche freie Tage, weitere Zuschüsse und Zulagen oder zusätzliche Arbeitszeitregelungen verhandelt werden.

    Das Niveau des TV PfliB soll dabei schrittweise auf das Niveau des Tarifvertrages für die Länder (TV-L) angehoben werden.

    Dumping stoppen

    Das Ziel von ver.di Bremen ist es, den Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklären zu lassen, denn dann müssen auch nicht tarifgebundene Anbieter in Bremen die Regelungen anwenden. Nur so kann der Wettbewerb zu Lasten der Löhne und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten gestoppt werden.

    Grund zur Freude in Bremen: Eine Pflegeheimbewohnerin darf sich an einem Meerschweinchen erfreuen – und vor allem bekommen die Beschäftigten endlich mehr Lohn und einen tarifübergreifenden Tarifvertrag Foto: dpa-Bildfunk Die Bremer Altenpflege bekommt einen trägerübergreifenden Tarifvertrag