Tarifrunde Seehäfen: Ohne Ergebnis nach dritter Verhandlungsrunde

Im Mai haben die Verhandlungen für einen neuen Tarifvertrag für die 11.500 Beschäftigten der deutschen Nordseehäfen begonnen. Die Arbeitgeber haben bisher nur ein unzureichende Angebote vorgelegt. ver.di fordert vor allem für die unteren Entgeltgruppen deutlich bessere Löhne.
19.06.2024
ver.di will neuen Tarifvertrag für die 11.500 Beschäftigten der deutschen Nordseehäfen

Auch die dritte Tarifverhandlungsrunde für die Seehäfen zwischen ver.di und dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) ist ohne Ergebnis geblieben. Weiterverhandelt soll Anfang Juli werden.

„Wir liegen noch weit auseinander“, sagt ver.di-Verhandlungsführerin Maren Ulbrich. „Das von den Arbeitgebern vorgelegte Angebot ist für uns so nicht akzeptabel. Gerade bei den angebotenen Lohnerhöhungen müssen sich die Arbeitgeber noch bewegen.“

 

„Es kommt darauf an, dass insbesondere die unteren Lohngruppen durch die Lohnerhöhungen finanziell entlastet werden. Die Inflation der vergangenen Jahre hat sie besonders schwer getroffen.“

Maren Ulbrich, ver.di-Verhandlungsführerin

Vor Beginn der dritten Verhandlungsrunde hatte ver.di die Seehafen-Beschäftigten zu einem zentralen Streiktag in verschiedenen Häfen. In Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Brake und Emden haben die Kolleg*innen die Arbeit niedergelegt. Bei einer zentralen Aktion in Hamburg zeigten die Beschäftigten am 17. Juni Geschlossenheit, dort verhandelten ver.di und der ZDS am 17. und 18. Juni für die Beschäftigten in deutschen Seehäfen.

ver.di wollte mit dem Aufruf zu den Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, in der dritten Verhandlungsrunde ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. Die zweite Verhandlungsrunde am 6. Juni hatte zu keinem Ergebnis geführt. Bereits in den Tagen danach hatte ver.di die Beschäftigten einzelner Seehäfen zu tageweisen Warnstreiks aufgerufen. Den Auftakt machten die Beschäftigten im Hamburger Hafen am 7. Juni, dann folgten die in Bremen (11. Juni), Bremerhaven (12. Juni) und Emden (14. Juni).

ver.di fordert für die Hafenarbeiter*innen eine Erhöhung der Stundenlöhne um drei Euro zum 1. Juni 2024 sowie eine entsprechende Anhebung der Schichtzuschläge, inklusive einer Nachholung der ausgebliebenen Erhöhung der Schichtzulagen im Tarifabschluss 2022, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Schwerstarbeit mit Lasten bis zu 60 Tonnen

Der Job ist Schwerstarbeit, sowohl körperlich als auch kognitiv. „Meine Arbeit findet draußen statt, direkt am Hafen, wo ich regelmäßig eine der Containerbrücken fahre, um die riesigen Frachtschiffe zu beladen oder zu entladen,” berichtet die 27 jährige Patricia Gerdes, Fachkraft für Hafenlogistik in Hamburg und ver.di Mitglied. Sie bewegt hier regelmäßig Lasten bis zu 60 Tonnen, wenn zwei Container verladen werden. Dazu kommt das Gewicht des Spreaders, auf dem die Container umgeladen werden, das sind noch einmal 15 Tonnen. Beim sogenannten Laschen der Container, der Befestigung der Ladung, muss sie sich selbst körperlich richtig ins Zeug legen. „Das ist eine körperlich anstrengende Arbeit, während das Containerbrückenfahren viel geistige Konzentration erfordert.”

Vor zwei Jahren wurden die Gespräche von einer Serie von Warnstreiks begleitet, die die Häfen rund 80 Stunden lahmlegten. Ob es vor der nun anstehenden vierten Verhandlungsrunde erneut zu Warnstreiks kommt, bleibt abzuwarten.

„Die Beschäftigen sind enttäuscht und empört darüber, dass die Arbeitgeber kein Entgegenkommen gezeigt haben, sondern nur auf ihre eigene schwierige wirtschaftliche Lage und die Konkurrenz zu ausländischen Häfen verwiesen haben. Damit haben sie der Arbeit der Beschäftigten keine Wertschätzung entgegengebracht“, kritisiert ver.di-Verhandlungsführerin Maren Ulbrich und weist darauf hin, dass Wettbewerbsdruck und Bilanzprobleme nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden dürfen.