Tarifnews

    Bundesweite Warnstreiks bei Ikea

    Beschäftigte wehren sich gegen Blockade der Arbeitgeber

    21. September 2021. Bundesweit haben die Ikea-Beschäftigten am heutigen Tag die Arbeit niedergelegt. „Die Beschäftigten setzen damit ein deutliches Zeichnen für einen guten Tarifabschluss. Noch nie war die Streikbeteiligung bei Ikea so hoch wie in diesen Tarifrunden“, so Maren Ulbrich, zuständige Gewerkschaftssekretärin von ver.di.

    Grund für die hohe Beteiligung ist, dass die Beschäftigten mit ihren Aktionen auch auf den Tarifvertrag Zukunft.Ikea aufmerksam machen wollen. Diesen will die ver.di-Bundestarifkommission bei Ikea mit der Unternehmensleitung verhandeln. Ziel ist es unter anderem, Beschäftigungssicherung, Qualifizierung und die menschengerechte Gestaltung von Technik tarifvertraglich zu regeln und für die Beschäftigten abzusichern. „Einen schon vereinbarten Verhandlungstermin hat die Unternehmensleitung allerdings abgesagt und verweigert Gespräche“, so Ulbrich. Der Gesamtbetriebsrat und die Tarifkommission machten sich weiter stark für die Durchsetzung des Tarifvertrags und hätten die Unternehmensleitung aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Deshalb gelte für die IKEA-Beschäftigten: Nach Erreichen eines Tarifvertrags zum Entgelt gehe es weiter mit Forderungen nach einem Digitalisierungstarifvertrag.

    Starke Botschaft  der Beschäftigten

    Der Schwerpunkt der Warnstreiks am heutigen Tag lag in Niedersachsen und Bremen. Dort wehren sich die Beschäftigten auch gegen die Blockade der Arbeitgeber in dem immer noch andauernden Tarifkonflikt des Einzelhandels. Das schwedische Möbelhaus ist eines der bundesweit führenden Unternehmen im Handelsverband Deutschland (HDE) und Mitglied der Tarifkommission Einzelhandel in Niedersachsen.

     „IKEA hat gerade auch während der Corona-Pandemie sehr gute Umsätze erzielt und sein Digitalisierungskonzept weiter umgesetzt“, sagt Sabine Gatz. Sie führt für ver.di die Verhandlungen in Niedersachsen und Bremen. Gegenüber den Beschäftigten jedoch beteilige sich das Unternehmen an der bundesweiten Blockadehaltung der Einzelhandelsunternehmen, so dass den Beschäftigten immer noch eine angemessene Entgelterhöhung und Wertschätzung für ihre gute Arbeit fehle, so Gatz weiter.

    „Unsere Kolleginnen und Kollegen unterstreichen mit diesem gemeinsamen Streiktag ihre Forderungen und senden eine starke Botschaft in Richtung der Tarifverhandlungen in Nordrhein-Westfalen, die zeitgleich stattfinden. Ein ernst zu nehmendes, abschlussfähiges Angebot muss endlich auf den Tisch“, sagt Sabine Gatz. Für Niedersachen und Bremen gibt es noch keinen neuen Verhandlungstermin.

    Hintergrund Tarifrunde Einzelhandel Niedersachsen

    Seit Juni 2021 gibt es kein verbessertes Angebot der Arbeitgeberseite.

    ver.di fordert für die Einzelhandelsbeschäftigten:

    • Erhöhung der Löhne und Gehälter um 4,5 Prozent plus 45 Euro pro Monat für alle Beschäftigen
    • 100 Euro mehr Ausbildungsvergütung
    • Mindesteinkommen von 12,50 Euro pro Stunde
    • Laufzeit 12 Monate
    • Gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrags

    Die Arbeitgeber bieten:

    • Nur für Betriebe, die „gut“ durch die Pandemie gekommen sind: 2 Prozent in 2021 plus einmalig 300 Euro (nicht tabellenwirksam), 1,4 Prozent in 2022 und 2 Prozent in 2023
    • Azubivergütung: 2 Prozent mehr in 2021, weitere 1,4 Prozent in 2022 sowie 2 Prozent in 2023
    • Für Betriebe, die von den Pandemieauswirkungen betroffen wurden: Verschiebung der Erhöhungen auf später, erste Erhöhung frühestens März 2022
    • Laufzeit 3 Jahre
       
    Auch der Elch möchte mehr Wertschätzung und mehr Geld Julian Stratenschulte/dpa Bereits im Juni gab es erste Warnstreiks