Tarifnews

    Hafenbeschäftigte streiken zum ersten Mal seit Jahrzehnten

    Seehäfen: Es wird wieder gestreikt

    +++ Update +++

    Berlin, 24.06.2022 – „Das von den Arbeitgebern in der vierten Verhandlungsrunde vorgelegte Angebot hat sich als klassische Mogelpackung entpuppt“, so ver.di-Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth. Es sei völlig unzureichend und hätte keine substanzielle Verbesserung zum vorherigen Angebot gebracht. „Nach der Annäherung in der dritten Runde haben wir jetzt einen Rückschritt gemacht. Während die Beschäftigten der konventionellen Betriebe eine leichte Aufwertung erfahren, beinhaltet das nun vorliegende, letzte Angebot der Arbeitgeber einen Verlust für die Kolleginnen und Kollegen der Vollcontainerbetriebe. Gerade diese Betriebe profitieren aber mit hohen Lagergelderlösen von den aktuellen Lieferkettenstörungen.“

    ver.di hat deshalb die mehreren tausend Beschäftigten in den Seehäfen Emden, Bremerhaven, Bremen, Brake, Wilhelmshaven und Hamburg zu 24-stündigen Warnstreiks aufgerufen. „Wir hätten einen weiteren Warnstreik gern vermieden, aber das jetzt vorliegende, mehrheitlich verschlechterte Angebot ist für uns nicht annehmbar. Wir werden den Druck erhöhen und fordern die Arbeitgeber zu weiteren Verhandlungen auf. Ihr Angebot kann nicht das letzte Wort bleiben.“ Insgesamt haben sich rund 8.000 Kolleginnen und Kollegen an den Warnstreiks vom 23. auf den 24. Juni beteiligt. Das sei ein starkes Signal an die Arbeitgeber, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und ein deutlich verbessertes Angebot vorzulegen, so Maya Schwiegershausen-Güth.

    ver.di fordert für die rund 12.000 Beschäftigten in den 58 tarifgebundenen Betrieben in Hamburg, Bremen und Niedersachsen eine Erhöhung der Entgelte um 1,20 Euro pro Stunde sowie einen tatsächlichen Inflationsausgleich. Zudem fordert ver.di die Erhöhung der jährlichen Zulage für Beschäftigte der Vollcontainerbetriebe um 1.200 Euro sowie eine Laufzeit des Tarifvertrags von 12 Monaten. Der ZDS hatte zuletzt zwei Erhöhungsschritte in diesem und im nächsten Jahr von 3,2 und 2,8 Prozent und Einmalzahlungen von insgesamt 600 Euro angeboten. Angesichts der hohen Belastungssituation und kontinuierlich steigender Preise sowie einer aktuellen Inflation von knapp 8 Prozent erwarten die Beschäftigten nach wie vor ein deutlich besseres Angebot.

    Spaziergänger blicken auf den Containerhafen von Bremerhaven dpa Die sich stauenden Schiffe und Container in Bremerhaven sind nicht mehr zu übersehen


    Berlin, 11.06.2022 –
    In den Verhandlungen mit dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) über einen Lohntarifvertrag für die rund 12.000 Beschäftigten an den deutschen Seehäfen soll eine weitere Verhandlungsrunde vereinbart werden. Das hat die zuständige ver.di-Tarifkommission am Samstag, 11. Juni, in Hamburg nach mehrstündigen Beratungen beschlossen. Zudem sollen die Beschäftigten in den betroffenen Betrieben über den erreichten Stand diskutieren. Erstmals seit Jahrhehnten hatten sie kurz zuvor am 8. Juni gestreikt. Am Freitagabend waren die Verhandlungen nach zehnstündigen Beratungen ohne Ergebnis unterbrochen worden. Zuvor hatte der ZDS nach mehrfachen Sondierungen ein unzureichendes Angebot vorgelegt, das eine Erhöhung der Stundenlöhne um 0,90 Euro sowie unterschiedliche Pauschalzahlungen vorsah, die im Gesamtvolumen eine dauerhafte Erhöhung der Einkommen von 4,95 Prozent in den Containerbetrieben und 3,75 Prozent in den konventionellen Betrieben, teilweise noch darunter, ausgemacht hätten. „Dieses Angebot liegt weit unter der von ver.di geforderten Reallohnsicherung angesichts der aktuellen Preissteigerungsrate von 7,9 Prozent und ist für die Beschäftigten so nicht akzeptabel“, betonte ver.di-Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth am Samstag. Deswegen müsse weiterverhandelt werden. Ein neuer Verhandlungstermin mit dem ZDS soll in den nächsten Tagen vereinbart werden.

    Berlin, 08.06.2022 – Die ersten Warnstreiks von Hafenbeschäftigten seit Jahrzehnten erhöhen den Druck auf die laufende Tarifauseinandersetzung mit dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). ver.di ruft in dem Tarifkonflikt mehrere tausend Beschäftigte in verschiedenen Seehäfen, darunter Hamburg, für Donnerstag, den 9. Juni 2022, zu mehrstündigen Warnstreiks in der Spätschicht auf.

    „Als Teil der kritischen Infrastruktur haben die Beschäftigten in den letzten Jahren durchgehend gearbeitet, sind an Belastungsgrenzen gegangen und haben als Keyworker der Lieferketten mit ihrer Hände Arbeit den Laden am Laufen gehalten.“

    Maya Schwiegershausen-Güth, ver.di-Verhandlungsführerin

    Das von den Arbeitgebern bislang vorgelegte Angebot sei völlig unzureichend, so Maya Schwiegershausen-Güth, die ver.di-Verhandlungsführerin. „Als Teil der kritischen Infrastruktur haben die Beschäftigten in den letzten Jahren durchgehend gearbeitet, sind an Belastungsgrenzen gegangen und haben als Keyworker der Lieferketten mit ihrer Hände Arbeit den Laden am Laufen gehalten. Sie haben Anerkennung und ihren gerechten Anteil verdient“, betont die Gewerkschafterin.


    Insbesondere der Hamburger Hafenlogistiker HHLA rechnet mit weiteren Problemen in der Schiffsabfertigung durch die angekündigten Streiks. Die HHLA betreibt im größten deutschen Seehafen drei Containerterminals und damit die wichtigste Drehscheibe für Im- und Export von Waren nach und von Deutschland. Und bereits jetzt stauen sich vor allen Seehäfen an der Nordseeküste zunehmend Containerschiffe, die auf Abfertigung warten. Dazu kommen die Container mit Ware, die sich in den Häfen und bei Speditionen stapeln. Aus Sicht der HHLA kämen die Streiks daher eher zur Unzeit, wie es ein Sprecher des Hafenlogistikers der Nordsee-Zeitung sagte.

    Der Stau von Schiffen und Containern ist allerdings kein Hamburger Problem allein. Mit Beginn der Corona-Pandemie vor zwei Jahren sind die globalen Lieferketten durcheinandergeraten. In Europa warten derzeit die meisten Schiffe vor Europas größtem Seehafen in Rotterdam auf ihre Ent- und Beladung. Zu Staus kommt es immer wieder auch in den großen Häfen an der Westküste der USA ebenso wie in den Häfen Chinas.

    Der Druck der Arbeitgeber, sich mit ver.di und den Beschäftigten schnell zu einigen, dürfte deshalb groß sein. Die Tarifverhandlungen werden am Freitag, 10. Juni 2022, um 10 Uhr in Hamburg fortgesetzt.