Tarifnews

    ver.di erklärt Scheitern der Tarifverhandlungen

    Kunden müssen sich auf weitere Streiks bei der Postbank einstellen

    10. September 2019 | Die Tarifkommission der ver.di hat am späten Abend des 9. Septembers 2019 das Scheitern der Verhandlungen beschlossen. ver.di wird jetzt eine Urabstimmung über Streiks einleiten. Hintergrund ist ein inakzeptables Angebot, das die Arbeitgeber der DB Privat- und Firmenkundenbank AG in der gestrigen dritten Verhandlungsrunde vorgelegt haben. Sie boten ab 1. April 2020 lediglich 1,7 Prozent mehr Lohn, ab 1. Juli 2021 1,0 Prozent und ab 1. Februar 2022 noch einmal 1,0 Prozent. Bei neun Nullmonaten würde dieses Angebot über eine Laufzeit von 36 Monaten eine durchschnittliche jährliche Erhöhung der Gehälter um lediglich 1 Prozent bedeuten.

    "Finger weg von der Postbank" - Hände auf Postbank-Logo Copyright: dpa-picture alliance 2011 Mit einem Prozent mehr Lohn lassen sich die Beschäftigten nicht abspeisen


    „Wer in der dritten Verhandlungsrunde eine Gehaltserhöhung unterbreitet, die unterhalb der zu erwartenden Teuerungsrate liegt und damit die Gehälter entwertet, statt diese angemessen zu erhöhen, der fordert eine sehr deutliche Reaktion der Beschäftigten geradezu heraus. Der Habitus der Arbeitgeber zeugt von mangelndem Verantwortungsbewusstsein“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Meister.

    „Die Beschäftigten, die unter schwierigen Bedingungen gute Erträge für das Unternehmen erwirtschaftet haben, fühlen sich provoziert.“

    Jan Duscheck, ver.di-Verhandlungsführer

    „Das ist kein Angebot, über das wir ernsthaft reden können. Die Beschäftigten, die unter schwierigen Bedingungen gute Erträge für das Unternehmen erwirtschaftet haben, fühlen sich provoziert“, sagte ver.di-Verhandlungsführer Jan Duscheck. Die Beschäftigten hätten in den Streiks der vergangenen Wochen ihre Forderungen gegenüber den Arbeitgebern klar deutlich gemacht. Es sei völlig unverständlich, dass die Arbeitgeber die Signale nicht verstanden und damit den Abbruch der Verhandlungen sowie eine Urabstimmung provoziert hätten. Es scheine so, als wäre die Arbeitgeberseite überhaupt nicht an einem Tarifkompromiss interessiert.

    Duscheck wies erneut darauf hin, dass sich die Erträge im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden in Deutschland im 2. Quartal 2019 auf 1,7 Milliarden Euro belaufen würden. Das sei ein Anstieg um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch vor diesem Hintergrund sei das Arbeitgeberangebot, das für die Be-schäftigten einen Reallohnverlust bedeuten würde, eine Provokation.

    Verhandelt wird für rund 12.000 Beschäftigte bei Teilen der DB Privat- und Firmenkundenbank AG, Postbank Filialvertrieb sowie der BHW-Kreditservice und weiterer Tochterunternehmen (Betriebscenter für Banken, PB Service, PB Direkt, PB Firmenkunden AG).

    ver.di fordert unter anderem die Erhöhung der Gehälter um 7 Prozent, mindestens 200 Euro, bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Die Beschäftigten sollen dabei wählen können, ob sie mehr Geld oder mehr Freizeit erhalten möchten. Des Weiteren fordert ver.di eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro. Für ver.di-Mitglieder werden außerdem sechs Gesundheits- und Entlastungstage gefordert.

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